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Hund und Katze vor Parasiten schützen

12.05.2006
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Flöhe und Zecken

Hund und Katze vor Parasiten schützen

von Thomas F. Voigt, Laudenbach

 

Steigen die Temperaturen, steigt auch die Gefahr, dass Hunde und Katzen sich Flöhe oder Zecken einfangen. Nützlich zur Prophylaxe und Behandlung ist ein Präparat wie die Kombination aus Fipronil und (S)-Methopren, das gegen beide Ektoparasiten wirkt und sowohl für Hunde als auch für Katzen zugelassen ist.

 

Das Spektrum der Parasiten bei Hunden und Katzen ist vielfältig und reicht von den Protozoen über Helminthen bis hin zu den Arthropoden, wobei Veterinärmediziner vor allem Flöhe und Zecken sehr häufig diagnostizieren. Gemein ist diesen Parasiten, dass ihnen das Blut der Warmblüter als Nahrung dient und für ihre Entwicklung unabdingbar ist. Darüber hinaus zählen beide im Gegensatz zu Mücken zu den passiven Wirtsfindern und verfügen über ein sensorisches System, das sie zur Wirtsfindung befähigt.

 

Wer in der Natur passiv einen Wirt sucht, muss hungern können. Da bei Flöhen die Larven nicht parasitieren, ist das Hungervermögen nur bei den Adulten mit einer Zeitspanne von circa 140 Tagen gegeben. Bei Zecken hingegen parasitieren neben den adulten Stadien auch Larven und Nymphen (»jugendliche« Zecken), die entsprechend auch Hungerphasen überstehen können. Bei Ixodes ricinus kommen beispielsweise Larven 15 Monate, Nymphen 13 Monate und Imagines, also die geschlechtsreifen Alttiere, bis zu 24 Monate ohne Blutmahlzeit aus.

Tabelle 1: An Hunden und Katzen in Europa parasitierende Floharten

befallene Hunde Prozent befallene Katzen Prozent
Katzenfloh 71,2 Katzenfloh 83,4
Igelfloh 14,7 Mischinfektionen 8,6
Mischinfektionen 9,1 Igelfloh 5
Hundefloh 3,4 andere Floharten 3
andere Floharten 1,6

Quelle: Merial Forschungszentrum Kathrinenhof

Trotz guter hygienischer Verhältnisse sind Flöhe bis heute im menschlichen Umfeld fest etabliert. So ergab eine Studie, dass der Katzenfloh (Ctenocephalis felis) bei Hunden zu 70 Prozent und bei Katzen zu 80 Prozent vertreten ist (Lebensinzidenz?) (Tabelle 1), während andere Floharten eine eher untergeordnete Rolle spielen. Die bei Hunden und Katzen in Europa parasitierenden Zeckenarten sind in Tabelle 2 zusammengefasst, unter denen in Deutschland Ixodes ricinus dominiert. Die milden Winter und feucht-warmen Sommer der letzten Jahre haben für extrem hohe Populationen gesorgt. Ferner haben Wirte wie Mäuse, Vögel, weitere Wildtiere, Hunde und Katzen dazu beigetragen, dass Zecken mittlerweile auch in städtischen Parkanlagen und heimischen Gärten auftreten. Bedingt durch den Reisetourismus gewinnt zudem die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), die von Südeuropa nach Deutschland eingeschleppt wird, zunehmend an Bedeutung. Im Gegensatz zu der bei uns beheimateten Ixodes ricinus ist diese Zeckenart an Wärme und Trockenheit adaptiert und somit auch im Fehlbiotop »Wohnung/menschliches Umfeld« absolut lebens- und entwicklungsfähig.

Tabelle 2: Häufig an Hunden und Katzen in Europa parasitierende Zeckenarten

Ixodidae-(Schildzecken)-Art bevorzugte Wirte der Adulten
Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) Hund, Katze, Huftiere, Mensch
Dermacentor marginatus (Schafzecke) Hund, Rind, Schaf, Mensch
Dermacentor reticulatus (Auzecke) Hund, Rind, Schaf, Mensch
Rhipicephalus sanguineus (Braune Hundezecke) Hund, Mensch

Folgen einer Parasitose

 

Durch Flöhe bedingte Parasitosen führen bei zunächst nur geringem Befall zu lokalen Hautreizungen mit Juckreiz und Ekzemen. Insbesondere Hunde reagieren bei Flohbefall oft schon im Anfangsstadium allergisch, so dass recht bald eine Flohspeicheldermatitis auftreten kann. Die bei Flöhen charakteristisch hohe Vermehrungsrate führt ohne entsprechende Gegenmaßnahmen innerhalb kürzester Zeit zu einem extrem starken Befall, was eine Vielzahl von Saugakten mit massivem Blutverlust mit sich bringt. Als Folgen können bei Hunden und Katzen gleichermaßen Gewichtsverlust, Kachexie und Anämie auftreten, was je nach Alter und Gesundheitszustand des Tieres ein lebensbedrohliches Risiko darstellt. Des Weiteren muss berücksichtigt werden, dass Flöhe mit Bakterien und Pilzen infiziert sein können, als Zwischenwirte für Bandwürmer fungieren und somit auch als Vektoren Bedeutung erlangen.

 

Zweifellos stellen jedoch die durch Zecken übertragenen Infektionskrankheiten für Hunde und Katzen ein weitaus größeres Risiko dar. Die Pathogenese ist gekennzeichnet durch einen meist sehr komplizierten Verlauf mit aufwendiger Diagnostik und die Klinik zeichnet eine teils nur bedingt mögliche Therapierbarkeit mit häufig unausweichlicher Todesfolge aus. Die aus veterinärmedizinischer Sicht wichtigsten an Hunden und/oder Katzen auftretenden Zeckenarten, Erkrankungen und deren Erreger sind in Tabelle 3 zusammengefasst.

Tabelle 3: Von Zecken übertragene Krankheiten

Art Erkrankung Erreger
Rhipicephalus sanguineus Babesiose
Ehrlichiose
Hämobartonellose
Hepatozoonosis
Babesia canis, B. gibsoni
Ehrlichia canis
Haemobartonella canis
Hepatozoon canis
Dermacentor spp. Babesiose
Zeckenparalyse (Neurotoxin)
Babesia canis, B. gibsoni
-
Ixodes spp. Borreliose
Frühjahr-Sommer-Meningoenzephalitis FSME (Mensch)
Zeckenparalyse (Neurotoxin)
Borrelia burgdorferi
Flavivirus
-
Haemaphysalis spp. Babesiose Babesia canis, B. gibsoni
Ambylomma spp. Zeckenparalyse (Neurotoxin) -

Moderne Floh- und Zeckentherapie

 

Insbesondere die durch Zecken verursachten Parasitosen sowie die damit verbundene Pathogenese machen deutlich, dass Tierhalter ihre Hunde und Katzen bereits im Vorfeld gegen Flöhe und Zecken behandeln sollten. Eine solche Prophylaxe ist nicht nur anzuraten, um den Tieren einen meist qualvollen Krankheitsverlauf zu ersparen, sondern auch um das Gesundheitsrisiko des Menschen zu minimieren. Schließlich werden die Ektoparasiten durch Haustiere ins menschliche Umfeld verschleppt und gefährden dort auch den Menschen. So stiegen etwa im vergangenen Jahr die Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) um 56 Prozent auf 432 und auch die Zahl der Risikogebiete in Süddeutschland nimmt stetig zu (www.rki.de). Vor diesem Hintergrund ist für die Behandlung von Haustieren ein Präparat mit abtötender Wirkung zu empfehlen. Denn ein Repellenteffekt unterbindet nur den weiteren Kontakt am Tier, eliminiert aber die Parasiten selbst nicht, womit diese weiterhin im Umfeld von Mensch, Hund und Katze vorhanden sind.

 

Die Kombination von Fipronil und (S)-Methopren stellt hier eine gelunge Alternative dar. Denn sie erzielt neben der vorrangig wichtigen insektiziden und akariziden Wirkung bei Flöhen auch einen oviziden und larviziden Effekt, was gerade bei Flöhen eine unabdingbare Voraussetzung ist. Denn 50 Prozent der Flohpopulation entfallen auf die Eier, 35 Prozent auf die Larven, 10 Prozent auf die Puppe und 5 Prozent auf die Adulten. Das heißt, ein antiparasitäres Präparat, das keinen Wachstumsregulator enthält, würde bei 95 Prozent des gesamten Flohbefalles unwirksam sein. Das Juvenilhormonanalogon (S)-Methopren dagegen hat ovizide und larvizide Wirkung, das heißt, es setzt bei Eiern, Larven und Puppen an.

 

Das Kombipräparat mit diesem Wirkspektrum (Frontline Combo®) ist in Deutschland das wohl einzige Antiparasitikum, das zur Anwendung sowohl bei Hunden als auch bei Katzen zugelassen ist. Nachdem die Spot-on-Lösung aufgetragen ist, verteilen sich die Wirkstoffe über die fettreichen, oberflächlichen Hautschichten der gesamten Körperoberfläche. Sie werden in den Talgdrüsen gespeichert und kontinuierlich mit den Talgausscheidungen ins Fell sowie auf die Haut abgegeben und wirken nach Kontakt gegen Flöhe (Ctenocephalides spp.), Zecken (Ixodes ricinus, Dermacentor var. und Rhipicephalus sanguineus) und Haarlinge (Trichodectes canis, Felicola subrostratus). Tabelle 4 zeigt die in Studien und Zulassungsdossier nachgewiesene Wirkungsdauer bei Hunden und Katzen gegenüber den einzelnen Parasiten und macht zugleich deutlich, dass eine monatliche Applikation zum Schutz vor Ektoparasiten ein sinnvolles Behandlungsintervall darstellt.

Tabelle 4: Wirkungsdauer von Fipronil in Kombination mit Methopren bei Katzen und Hunden

Zielorganismus Wirkungsdauer bei Katzen bis zu Wirkungsdauer bei Hunden bis zu
insektizide Wirkung auf Imagines Ctenocephalides spp. 4 Wochen 8 Wochen
ovizide, larvizide Wirkung auf Ei, Larve, Puppe Ctenocephalides spp. 6 Wochen 8 Wochen
akarizide Wirkung auf Imagines, Larven und Nymphen Ixodes ricinus, Dermacentor var., Rhipicephalus sanguineus 2 Wochen 4 Wochen

Da Katzenrassen sich hinsichtlich ihres Gewichts wenig unterscheiden (durchschnittliches Körpergewicht etwa 5 kg), gelten bei der Anwendung des Kombipräparates generell 50 mg Fipronil und 60 mg (S)-Methopren als ausreichende Dosierung. Anders sieht es dagegen bei Hunden aus, bei denen Größe und Gewicht je nach Rasse sehr stark differieren können und unterschiedliche Dosen für eine zuverlässige Wirkung unerlässlich sind. Tabelle 5 zeigt die für Hunde in Abhängigkeit vom Körpergewicht unterschiedlichen Wirkstoffdosen und unterstreicht die Relevanz einer exakten und detaillierten Gewichtsdifferenzierung. Um bei der Anwendung am Tier eine gesicherte Wirkung gegenüber Ektoparasiten nach Kontakt zu erzielen, war der Einsatz einer Spot-on-Lösung mehr oder weniger unabdingbar. Hunde, Katzen und Tierhalter dürfen natürlich bei einer solchen Anwendungsform nicht gesundheitlich gefährdet werden. Die Furcht vieler Tierhalter, dass die im Fell verteilten Wirkstoffe die menschliche Gesundheit beeinträchtigen könnten, ist bei dem Kombipräparat allerdings völlig unbegründet. Diese Bedenken wurden bereits bei der Entwicklung berücksichtigt, so dass die Besitzer (selbst Kinder) bereits zwölf Stunden nach der Behandlung uneingeschränkt mit dem Tier spielen können. Auch wenn Hunde oder Katzen ihr Fell kurz nach der Behandlung ablecken, kommt es in der Regel nur zu einem vorübergehenden Speicheln.

Tabelle 5: Die für Hunde verfügbaren Formulierungen mit Pipetteninhalt und Wirkstoffkonzentration

Körpergewicht des Hundes Inhalt Pipette in ml Konzentration Fipronil in mg Konzentration Methopren in mg
2-10 kg 0,67 67 60,3
> 10-20 kg 1,34 134 120,6
> 20-40 kg 2,68 268 241,2
> 40 kg 4,02 402 361,8

Wichtig bei der Beratung in der Apotheke ist ferner der Aspekt Reise mit Hunden in den Süden Europas. Die dort beheimatete Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus), die häufig mit der parasitierenden Protozoe Babesia canis infiziert ist, kann beim Blutsaugen den Erreger an den Säugetierorganismus weitergeben und so die Babesiose übertragen. Hundehalter, die mit ihrem Haustier in den Süden reisen, sollten daher entsprechende Vorkehrungen treffen, um die Hunde und sich selbst nicht unnötig zu gefährden.

 

Fazit

 

Da Flöhe und Zecken sowie die damit verbundenen Erkrankungen für Hunde und Katzen ein Risiko darstellen, sollten Tierbesitzer entsprechende Maßnahmen ergreifen. Mit der Kombination von Fipronil und (S)-Methopren steht in der Ektoparasitologie für Hunde und Katzen gleichermaßen ein zeitgemäßes Tierarzneimittel zur Verfügung, das über eine gesicherte insektizide sowie akarizide Wirkung und darüber hinaus bei Flöhen auch über eine ovizide und larvizide Wirkung verfügt und vor Ektoparasiten wie Flöhen und Zecken auch prophylaktisch zuverlässig schützt. Darüber hinaus wirkt es insektizid gegenüber Haarlingen.

Literatur

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Anschrift des Verfassers:

Thomas F. Voigt

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