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Die Eidgenossen erleben

12.05.2006
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Twinning 2006

Die Eidgenossen erleben

von Caroline Herrmann, Basel

 

Im März 2006 fand der erste Teil des internationalen Austauschs von Studenten der Unis in Basel und Jena statt. Basierend auf einer Idee der EPSA sollten sich die Pharmaziestudierenden beider Länder kennen lernen und sich gegenseitig ihr Land, ihren Studienort und landestypische Eigenarten des Studiums vorstellen.

 

Die 30 Jenaer Studenten wurden bei ihrer Ankunft in Basel herzlich in Empfang genommen. Das fünfköpfige schweizerische Organisationsteam hatte großartige Leistungen vollbracht und für fast sämtliche Aktivitäten Sponsoren gefunden. Auch sonst war alles vorbereitet: vom Stadtplan bis zur Infomappe mit ausführlicher Beschreibung und Zeitplan des Programms. Letzterer hat sicherlich stark dazu beigetragen, dass immer alle Teilnehmer zur richtigen Zeit, am richtigen Ort waren.

 

Starkes Engagement der Schweizer

 

Untergebracht wurden die Gäste in Privatunterkünften, wobei einige Schweizer bis zu vier Teilnehmer gleichzeitig aufnahmen. Die Anwesenheit dort beschränkte sich aber auf wenige Stunden Schlaf in der Nacht, da die Teilnehmer praktisch von morgens bis abends unterwegs waren.

 

Der erste Ausflug nach Luzern war ganz im Zeichen touristischer Freuden gehalten. So gab es eine Schokoladenfabrik zu besichtigen, die sich auf die Herstellung kleiner Chargen für Werbezwecke spezialisiert und sogar schon Hüftgelenke aus Schokolade produziert hatte. Auch wenn die meisten Studenten echte Naschkatzen sind und mit Begeisterung einiges probierten, vertrugen nicht alle den intensiven, süßlichen Geruch, der in sämtlichen Hallen hing.

 

Luzern ist eine wunderschöne Stadt am Fuße des Pilatus, auf dessen Gipfel eine atemberaubende Aussicht über die Zentralschweiz wartet. Trotz schlechten Wetters genossen die Jenaer die Stadtführung, die mit vielen interessanten Informationen gespickt war. Zum Beispiel konnte man erfahren, dass in Luzern zur Fasnacht nicht Kamellen, sondern ungleich größere Orangen geworfen werden.

 

Weitere Programmpunkte richteten sich an das »Pharmazeuten-Herz«. Dazu zählten die Teilnahme am Symposium »Neurologisch-psychiatrische Krankheiten« der Pharmazeutischen Gesellschaft Basel, eine Führung auf dem Firmengelände von Novartis und der Besuch des Departements Pharmazeutische Wissenschaften unter der Leitung von Professor Dr. Beat Ernst. Einmalig waren auch die plastischen Ausführungen von Dr. Michael Kessler, der durch das Pharmazie-Historische Museum führte.

 

Beeindruckende Ausstattung

 

Als Studenten einer Uni, deren Institute immer noch über die ganze Stadt verteilt sind und die einen Neubau für die Pharmazie in ihrer Studienzeit wohl nicht mehr erleben werden, waren die Jenaer Studenten beeindruckt vom modernen Bio-Zentrum, in dem alle Institute auf einer eigenen Etage untergebracht sind. Auch die technische Ausstattung erschien ihnen besser als in der Heimat. Die schweizerischen Studenten können ein ausgefeiltes E-Learning-Programm nutzen, mit dem sie zum Beispiel Inhalte von Vorlesungen vorbereiten oder wiederholen können, in dem viele Sachverhalte animiert dargestellt sind und mit dem sogar Tests durchgeführt werden.

 

Der Höhepunkt stellte ein Schnupperkurs in Molecular-Modeling dar. Für die schweizerischen Studenten ist das ein eigenständiges Fach, in dem sie computergestützt neue Arzneistoffe entwerfen. Ausgehend von der Struktur eines Rezeptor-Komplexes und eines Arzneistoffs durften die Gäste unter Anleitung von Professor Dr. Angelo Vedani mit der Software und Hochleistungsrechnern die optimale Konfiguration und Bindung der beiden ermitteln. Solche Verfahren sind die Grundlage des rationalen Wirkstoffdesigns und es ist natürlich von großem Vorteil, wenn man schon als Student damit arbeiten kann.

 

»Bologna« in der Schweiz

 

Auch wenn die Schweiz bekanntlich nicht zur EU gehört, verschließt sie sich nicht den Entwicklungen der Hochschulbildung. Im Gegensatz zu Deutschland ist in der Schweiz das Bachelor-/Master-System in der Pharmazie schon eingeführt. Jedoch ist der Bachelor dort kein berufsqualifizierender Abschluss. Ein Master schließt sich in jedem Fall an. Wer als Apotheker in die Offizin will, schließt immer noch mit der Eidgenössischen Prüfung (entspricht unserem Staatsexamen) ab.

 

Vorausgesetzt man hat einen Studienplatz an einer Uni in Deutschland erhalten, kann man als Deutscher ohne Probleme an einer schweizerischen Uni studieren. Jedoch sollte dabei nicht vergessen werden, dass die Lebenshaltungskosten in unserem Nachbarland um einiges höher liegen.

 

Twinning - Teil 2

 

Das Twinning hieße nicht Twinning, wenn es keinen Gegenbesuch der schweizerischen Studenten geben würde. Die Baseler werden voraussichtlich vom 11. bis 15. Oktober nach Deutschland reisen. Dort werden sich die Jenaer Studenten mit einem mindestens ebenso interessanten Programm revanchieren.  Wenn sich an dieser Stelle ein Apotheker oder Unternehmer, der sich in seiner Studienzeit vielleicht selbst ein derartige Möglichkeit zum fachlichen Austausch gewünscht hätte, für dieses Projekt begeistert, würden sich die Studenten freuen, ihn als Sponsor gewinnen zu dürfen.

 

Abschließend gilt dem Baseler Organisationsteam und allen Beteiligten ein großes Lob.  Eine tolle Organisation und so viel Einsatz sind keine Selbstverständlichkeit und sollten besondere Beachtung finden. Auf deutscher Seite bedanken sich die Studenten bei Sabine Blesse, die sich persönlich dafür eingesetzt hat, dass Basel Jena als Partner-Uni gewählt hat und auf deren Schultern viel Verantwortung lastete. Alle Studenten und Universitäten, die sich von diesem Projekt angesprochen fühlen, sind ausdrücklich zur Nachahmung aufgefordert.

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