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FSME

Zehn neue Risikogebiete

02.05.2018  10:30 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Der Erreger der Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME) breitet sich in Deutschland immer weiter aus. Bei der jährlichen Aktualisierung der Karte zu FSME-Risikogebieten sind in diesem Jahr zehn neue Risikogebiete hinzugekommen. Und auch in Nicht-Risikogebieten können vereinzelt Infektionen auftreten.

Ein Risiko für eine Infektion mit dem FSME-Virus besteht wie in den Jahren zuvor vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen und im südöstlichen Thüringen. Das berichtet das RKI im »Epidemiologischen Bulletin« 17/2018. 

 

Nachdem 2014 der Vogtlandkreis als erster sächsischer Kreis zum FSME-Risikogebiet erklärt wurde kommen nun in Sachsen drei Landkreise hinzu: der Erzgebirgskreis, Bautzen und Zwickau. In Thüringen wurde der Landkreis Ilm-Kreis und der Stadtkreis Suhl und in Bayern die Landkreise München, Günzburg, Augsburg, Weilheim-Schongau und Starnberg neu als Risikogebiete definiert.

 

Alle neuen Gebiete grenzen an bekannte Risikogebiete in Deutschland oder in Tschechien an. Insgesamt sind aktuell 156 Kreise als Risikogebiete deklariert.

 

Hohe Fallzahl in 2017

 

Dass in diesem so viele neue Risikogebiete ausgewiesen wurden, liegt an der vergleichsweise hohen Zahl an FSME-Infektionen im vergangenen Jahr, schreibt das RKI. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 485 FSME-Erkrankungen an das Institut übermittelt, das entspricht einer Zunahme von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr (348 Erkrankungen). Dabei schwankt die jährliche Fallzahl seit 2001 deutlich, und zwar zwischen 195 und 546.

 

Auch in Regionen, die nicht als Risikogebiete ausgewiesen sind, etwa in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein traten vereinzelt Infektionen auf. Dies zeigt, dass quasi bundesweit ein Infektionsrisiko besteht. Vor allem während der Zeckensaison von März bis Oktober sollte daher überall in Deutschland bei entsprechender Symptomatik an FSME gedacht werden, rät das Institut.

 

Erkrankungsrisiko steigt ab 40. Lebensjahr

 

Die durch FSME-Viren ausgelöste Erkrankung verläuft typischerweise biphasisch und beginnt mit unspezifischen, grippeähnlichen Beschwerden wie Fieber und Kopfschmerzen. Nach einem kurzen beschwerdefreien Intervall von wenigen Tagen können dann die charakteristischen neurologischen Manifestationen der FSME auftreten. Hierzu zählen Meningitis, Enzephalitis und Myelitis. Ein hoher Anteil der Infektionen verläuft jedoch asymptomatisch oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus, Schätzungen gehen dabei von 70 bis 95 Prozent aus. Im vergangenen Jahr traten bei 52 Prozent der übermittelten Erkrankungen neurologische Manifestationen auf. Das Erkrankungsrisiko steigt ab dem 40. Lebensjahr an, schreibt das RKI in der Publikation. Bei Männern ist es höher als bei Frauen.

 

In der Regel wird das Virus über infizierte Zecken, wie den Gemeinen Holzbock oder die Auwaldzecke, auf den Menschen übertragen. Dabei gelangen die Viren, anders als Borrelien, rasch nach Beginn des Saugakts schon in den Wirt. Dennoch sollte eine Zecke, sobald wie möglich entfernt werden. Geeignet sind hier Pinzetten oder spezielle Zeckenentfernungsinstrumente, die an den Mundwerkzeugen ansetzen. Nach dem Entfernen sollte die Wunde desinfiziert werden, um Entzündungen zu vermeiden. Auch wenn man gestochen wurde, ist das Risiko einer Infektion vergleichsweise gering: Denn auch in den FSME-Risikogebieten sind nur wenige Zecken mit dem Erreger infiziert. Studien zufolge tragen dort etwa 0,1 bis 5 Prozent der Zecken die Viren in sich, informiert das RKI.

 

Vor Zeckenstichen kann man sich bedingt schützen, indem man lange helle Kleidung trägt, sowie Gebüsche und hohe Wiesen meidet. Außerdem steht eine Reihe Repellents mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung, die die Tiere abwehren sollen. Die Schutzwirkung ist aber bei diesen Produkten zeitlich begrenzt, weshalb die Applikation gegebenenfalls wiederholt werden muss.

 

Rohmilch als Infektionsquelle

 

Neben Zeckenstichen können sich Menschen auch in seltenen Fällen über virusinfizierte Milch von Ziegen und Schafen, in Ausnahmefällen auch von Kühen, anstecken. Im vergangenen Jahr erkrankten acht Personen an FSME, die Ziegenrohmilch getrunken hatten. Eine kausale Therapie existiert nicht, aber eine Prophylaxe in Form einer Schutzimpfung. Diese empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für Personen, die in FSME-Risikogebieten zeckenexponiert sind. Dies gilt für Einheimische wie auch für Urlauber.

 

Die Impfquoten stagnieren allerdings in den letzten Jahren oder nehmen sogar ab. Rund 97 Prozent der 2017 gemeldeten FSME-Erkrankten war nicht oder unzureichend geimpft, schreibt das RKI. Gerade bei Erwachsenen sei eine höhere Impfquote wünschenswert, da sie ein höheres Erkrankungsrisiko hätten als Kinder. Letztere machten nur zwischen 5 und 10 Prozent der übermittelten Erkrankungsfälle aus. /

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