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HIV-Therapie

Neue Daten bei Schwangeren

02.05.2018  10:30 Uhr

Von Annette Mende / Welches ist die beste antiretrovirale ­Therapie (ART) für HIV-positive Frauen in der Schwangerschaft? An der Sicherheit einer bestimmten Medikamentenkombination kamen kürzlich Zweifel auf, die eine neue Studie abmildert, aber nicht vollständig zerstreut.

Um zu verhindern, dass HIV-positive Mütter das Virus bei der Geburt auf ihr Kind übertragen, sollen sie eine ART ­erhalten. Dieses therapeutische Vorgehen ist mittlerweile weltweit Standard und hat dazu geführt, dass die Rate der perinatalen HIV-Übertragung auf unter 1 Prozent gefallen ist. Die Welt­gesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Schwangere bestimmte ART-Regimes, aber die Datenbasis für diese Empfehlungen könnte breiter sein. Jetzt haben Forscher die Sicherheit von drei ART-Regimes bei US-amerikanischen Schwangeren erneut unter die Lupe genommen.

 

Alle drei Kombinationen – Zidovudin, Lamivudin und Ritonavir-geboostetes Lopinavir (ZDV-3TC-LPV/r), Tenofovir, Emtricitabin und Ritonavir-geboostetes Lopinavir (TDF-FTC-LPV/r) sowie TDF-FTC zusammen mit Ritonavir-geboostetem Atazanavir (ATV/r) – sind gängige Therapieregimes, auch wenn die WHO TDF-FTC-LPV/r in der Schwangerschaft nicht in erster Linie empfiehlt. Kürzlich hatte eine Studie mit afrikanischen und indischen Frauen ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen unter TDF-FTC-LPV/r gezeigt. Die Zweifel an der Sicherheit dieser Kombination kann auch die aktuelle Studie nicht vollständig ausräumen, so die Autoren um Dr. Kathryn Rough von der Harvard T.H. Chan School of Public Health im »New England Journal of Medicine« (DOI: 10.1056/NEJMoa1701666).

 

Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht

 

Auslöser für die Untersuchung waren Ergebnisse der PROMISE-Studie, in der TDF-FTC-LPV/r das Risiko für frühe Frühgeburt (vor der 34. Schwangerschaftswoche) und sehr niedriges Geburtsgewicht (weniger als 1500 g) im Vergleich zu ZDV-3TC-LPV/r signifikant erhöht hatte (»New England Journal of Medicine« 2016, DOI: 10.1056/NEJMoa 1511691). Im Rahmen der aktuellen Auswertung überprüften die Autoren die genannten Kombinationen erneut auf das Risiko für Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht anhand von 4646 Geburten von Teilnehmerinnen zweier großer US-amerikanischer Kohortenstudien. Als dritte Medikamentenkombination wurde TDF-FTC-ATV/r berücksichtigt, weil diese in den USA eines der am häufigsten eingesetzten Therapieregimes in der Schwangerschaft ist.

 

Von den Neugeborenen waren 539 im Mutterleib mit TDF-FTC-ATV/r behandelt worden, 954 mit ZDV-3TC-LPV/r, aber nur 128 mit TDF-FTC-LPV/r. Hinsichtlich des Risikos für frühe Frühgeburt oder sehr niedriges Geburts­gewicht bestand zwischen den drei ­Regimes kein Unterschied. Beide Komplikationen waren in weniger starker Ausprägung (Geburt zwischen der 34. und der 36. Schwangerschaftswoche, Geburtsgewicht 1500 bis 2499 g) jedoch unter TDF-FTC-LPV/r etwas häufiger als unter den beiden anderen Kombinationen. Dies galt jedoch nur für die nicht adjustierten Rohdaten und ausschließlich für Frauen, die die antiretrovirale Therapie bereits vor der Empfängnis begonnen hatten.

 

Nur wenige Fälle

 

Da ausgerechnet die Medikamentenkombi, um deren Sicherheit es vor allem ging, mit Abstand am seltensten eingesetzt wurde, ist die Aussagekraft der Ergebnisse begrenzt, räumen die Autoren ein. Zudem waren die untersuchten Schwangerschaftskomplikationen absolut betrachtet nicht sehr häufig (21,4 Prozent Frühgeburten; 23,8 Prozent Babys mit niedrigem Geburtsgewicht).« So ergab sich ein 95-Prozent-Konfidenzintervall, das so groß war, dass es sogar die in der PROMISE-Studie beobachteten Risikoanstiege beinhaltete. Hinzu kommt, dass Schwangere in den USA generell besser medizinisch versorgt sein dürften als in Afrika und Indien, wo die PROMISE-Studie durchgeführt worden war.

 

Alles in allem zeigt die aktuelle Studie eine generell hohe Sicherheit der getesteten Medikamentenkombinationen bei Schwangeren in einer Industrienation. In Deutschland werden alle hier untersuchten Arzneistoffe in der Schwangerschaft empfohlen. Daneben nennt die »Deutsch-Österreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen« noch Abacavir, Nevirapin und Ritonavir-geboostetes Darunavir als Erstlinientherapeutika. /

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