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Berufsfelder

Pharmaziestudium – und was dann?

03.05.2010  12:45 Uhr

Von Clarissa Wild / Im Anschluss an das Pharmaziestudium bieten sich viele Möglichkeiten der Berufswahl, arbeitslose Absolventen gibt es kaum. Das Dritte Staatsexamen kommt schneller als man denkt. Und dann? Muss ich mich sofort für einen Weg entscheiden? Gilt die Wahl ein Leben lang? Wie sind meine Chancen?

Stefan K. wollte nicht in die Apotheke, sondern lieber ins Labor. Aber ohne den Promotionsstress. Oder doch mal einen Job in der Industrie ausprobieren? Zu Übungszwecken bewarb er sich auf eine Stellenanzeige, in der Pharmazeuten für die Pharmakovigilanzabteilung gesucht wurden. Er wurde zum Gespräch eingeladen und plötzlich bekam er die Stelle. »Ich hätte nie damit gerechnet, zumal meine Abschlussnote nicht die beste war«, wundert er sich. Nach zwei Jahren kannte er sich hinreichend im Reklamations- und Risikomanagement aus und der Wunsch in einem technologisch-orientiertem Labor zu arbeiten machte sich wieder laut.

Das merkte auch sein Chef und bot ihm eine neue Stelle in der Abtei­lung für Qualitätssicherung an. Nach kurzer Bedenkzeit nahm er das Angebot an. Er führt nun in­terne und externe Audits durch und hält Schulungen ab. »Das ist etwas komplett anderes und sehr ab­wechslungsreich«. Ob er es noch mal ins Labor schafft, wird sich zeigen.

 

Lisa F. wollte nicht in die Apo­theke. Jetzt noch nicht. Aber promovieren als Einstieg in die Industrie? Also, erst mal weg aus Deutschland, Abstand gewinnen und durchatmen. Am Ende ihrer dreimonatigen Rucksacktour durch Lateinamerika merkte sie plötzlich, dass sie tatsächlich Lust auf eine Promotion hatte. Das unzählige Abwiegen von Vor- und Nachteilen war endlich beendet. »Das Wich­tigste ist, Lust darauf zu haben und dass es Spaß macht – sonst ist es doch die reinste Qual!«,bekräftigt sie noch ein Jahr nach ihrer Entscheidung. Die ersten Monate waren hart und von Misserfolgen geprägt. Der Chef des Labors, das in einer Uniklinik eingegliedert Grundlagenforschung und klinische Forschung vereint, war zunächst wegen einer fehlenden Diplomarbeit skeptisch. Mittlerweile ist er jedoch vom Ehrgeiz und dem Durchhaltevermögen der Pharmazeutin beeindruckt.

 

Nina W. wusste hingegen schon von Anfang an, dass sie promovieren möchte. Genauso war sie sich sicher, dass sie dafür nicht im Labor stehen wollte. Sie sprach mit ihren Professoren über ihre Ziele und konnte Kontakt zu einem Professor aufbauen, der ein Projekt über Arzneimitteltherapiesicherheit im Krankenhaus plante. Da die Gelder dafür jedoch nicht sofort zur Verfügung standen, überbrückte Nina die Zeit als Angestellte in einer Apotheke. Schließlich entstand ein Kooperationsprojekt zwischen Uni und Uniklinikum. Seit einem Jahr arbeitet Nina nun in der Krankenhausapotheke. Der Ortswechsel ist ihr leichtgefallen und Chef sowie Kollegen sind sehr nett. Das Projekt gefällt ihr vor allem aufgrund der Praxisnähe und Relevanz der Thematik. Je nach Bedarf fallen auch Aufgaben aus dem Tagesgeschäft an, die erledigt werden müssen, aber das sieht Nina eher als zusätzliche Herausforderung und willkommene Abwechslung.

 

Vom Hörsaal in den Chefsessel

 

Martin S. spielt mit dem Gedanken, irgendwann doch noch mal zu promovieren. Nach seiner Approbation nahm er jedoch zunächst das Angebot seines PJ-Chefs an, und trat im 200 km südlich gelegenen München die Filialleitung einer neu eröffneten Apotheke an. Die Apotheke lief gut, jedoch hatte der Inhaber nach einem Jahr das Interesse verloren und so wurde aus dem jungen Absolventen über Nacht der neue Besitzer. »Klaro, da war schon eine riesige Portion Glück dabei«, schmunzelt der junge Inhaber. Seminare zum Thema Mitarbeiterführung hat er keine besucht. Das lernt man alles in der Praxis, so der Apotheker. Befürchtungen, dass er der Verantwortung nicht gewachsen ist, hatte er nie. Wenn es so weitergeht wie bisher, schreibt die Apotheke in wenigen Jahren schwarze Zahlen – dank optimaler Lage und innovativen Aktionen. Der Erfolg hat natürlich seinen Preis, eine 70-Stunden-Woche ist absoluter Durchschnitt. Am Ende eines Arbeitstages erholt er sich in seiner Vierer-WG und sinniert über die Zukunft. »Vielleicht eröffne ich auch bald eine Filiale oder soll ich doch promovieren?«

 

Von der Apotheke an die Tafel

 

Für Christine M. war es selbstverständlich, nach dem Examen in einer Apotheke zu arbeiten. »Als Apotheker zu arbeiten ist klasse. Man ist so flexibel und findet in jeder Stadt einen Arbeitsplatz«, sagt sie. So war es für sie selbstverständlich mit ihrem Freund in den Norden Deutschlands zu ziehen, wo ihm ein Referendariatsplatz zugeteilt wurde.

Mit ihrem ersten Chef häuften sich leider die Unstimmigkeiten. Also entschied sie sich, den Arbeitgeber zu wechseln. Gesucht, gefunden. Die neue Apotheke liegt zentraler und die Kundschaft ist abwechs­lungsreicher. »Es macht viel Spaß zu beraten und zu erklären«. Schon während des Studiums hatte sie davon geträumt, unterrichten zu dürfen. Eine PTA-Schule bietet die optimale Möglichkeit dazu, sein Wissen weiterzugeben. Lehrer an einer PTA-Schule zu sein, füllt meistens keine 36-Stunden-Woche, erfordert aber eine gewisse Flexibilität. Diese Flexibilität wurde Christine freundlicherweise von ihrer Chefin gestattet. Die lehrbegierige Apothekerin hatte einfach bei allen PTA-Schulen im Umkreis angerufen und ihren Einsatz angeboten. Mit der Antwort »Wir sind immer auf der Suche« sollte sie eine offizielle Bewerbung einschicken und als das neue Schuljahr näherrückte, wurde sie von einer Schule angerufen. So unkompliziert kann’s gehen. / 

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