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BVDA

Vom Alphabet begünstigt

29.04.2008
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BVDA

Vom Alphabet begünstigt

Von Daniel Rücker

 

Manchmal sind auch Experten davon überrascht, mit welchen Positionen ihre Berufsvertretungen in den Medien zitiert werden. Das liegt nicht selten daran, dass der falsche Verband befragt wurde.

 

»Apothekerverband offen für ein liberales System«: Vor einigen Woche dürften sich die FAZ-Leser unter den Apothekern verwundert die Augen gerieben haben. Laut »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« bekannte sich ein Interessensverband der Apothekerschaft in Person seiner Geschäftsführerin Helga Fritsch zur Liberalisierung des Apothekensystems. Fremd- und Mehrbesitz würden kommen.

 

Der Bundesverband Deutscher Apotheker (BVDA), dessen Geschäftsführerin Fritsch ist, vertritt nicht zum ersten Mal eine Position, die von den offiziellen Berufsvertretungen ­ also Apothekerkammern und -verbänden, sowie den drei Spitzenorganisationen ABDA, BAK und DAV ­ nicht geteilt wird. Der BVDA steht in einer ganz fundamentalen Frage in Opposition zu diesen Apothekergremien. Auf seiner Website schreibt er über seine Ziele: »Der Verband verschließt sich nicht Überlegungen zu einem liberalisierten Apothekensystem.« Er sei bereit, konstruktive Vorschläge einzubringen.

 

Für verschiedene Apothekenformen

 

Der BVDA setzt sich für die »Existenz verschiedenster Apothekenformen«ein, womit auch unterschiedliche Besitzverhältnisse gemeint sind. Dazu seien unter anderem Änderungen in der Apothekenbetriebsordnung und dem Apothekengesetz nötig. Explizit nennt der Verband die Pflicht, ein voll eingerichtetes Labor zu unterhalten.

 

Es gibt zwei Gründe, warum der BVDA von Zeit zu Zeit als offizielle Stimme der Apothekerschaft in der Öffentlichkeit auftaucht. Zum einen vertritt er eine andere Position als ABDA, Kammern und Verbände. Medien und Marktbeteiligte nehmen ihn deshalb als Beleg dafür, dass die ABDA gar nicht die Position aller Apotheker vertritt. Zum anderen hat der BVDA im Alphabet die Pole-Position unter den Apothekervereinigungen: Bundesverband (BVDA) kommt vor Bundesvereinigung (ABDA).

 

Für Aufsehen und stark begrenzte Zustimmung hat der BVDA mit seiner positiven Haltung zum industriellen Verblistern durch die Kohl-Tochter 7x4-Pharma gesorgt. Beim Apothekertag im September 2007 haben Kohl und BVDA einen Rahmenvertrag zum Verblistern vorgestellt, dem die Apotheker beitreten können. ABDA, Kammern und Verbände lehnen das industrielle Verblistern wie von 7x4-Pharma angeboten, kategorisch ab.

 

Der Vorläufer des aktuellen BVDA wurde 1954 von Apothekenleitern gegründet. Er dümpelte fünf Jahrzehnte vor sich hin, bis er durch die Fusion mit anderen regionalen Apothekervereinigungen, unter anderem den Bundesverband aktiver Apotheker (BAA), deutlich wuchs. Nach eigenen Angaben hat der Verband mit Sitz in Frankfurt heute rund 1800 ordentliche, außerordentliche und Fördermitglieder. Ordentliche Mitglieder können nur selbstständige Apotheker werden.

 

An seiner Opposition zur ABDA hat die Fusion nicht viel geändert. Dafür dürfte auch der aktuelle Vizepräsident und ehemalige BAA-Vorsitzende Thomas Hieble stehen, der erst vor kurzem mit seiner Klage gescheitert ist, die die Bayerische Landesapothekerkammer zum Austritt aus der ABDA zwingen sollte.

 

Aktueller Vorsitzender des BVDA ist der ehemalige Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands, Otto Späth, er folgte im Jahr 2005 auf Wilhelm Raida, der sich mit einer von vorneherein wenig aussichtsreichen Klage gegen DocMorris einem Teil der bundesdeutschen Bevölkerung bekannt gemacht hatte.

 

Grundsätzlich spricht wenig dagegen, dass Apotheker, die sich von den offiziellen Berufsvertretungen nicht angemessen repräsentiert fühlen, einen eigenen Verband gründen. Problematisch wird es nur, wenn diese Vereinigungen - das gilt auch für den Bundesverband der Versandapotheker (BVDVA) - für sich in Anspruch nehmen, im Namen des Berufsstandes zu sprechen. Im Gegensatz zur ABDA stehen die kleineren Verbände in der Regel für Partikularinteressen apothekerlicher Subgruppen. Damit vertreten sie auch nicht die demokratisch ermittelte Mehrheitsposition der Apothekerschaft. Das macht ihr Anliegen nicht weniger legitim, relativiert aber dessen Gewicht.

 

Natürlich vertritt auch die ABDA nicht die Position aller Apotheker. Das kann sie auch gar nicht. Ihre Linie ist aber die demokratisch ermittelte Mehrheitsmeinung der Apothekergremien. Jedem approbierten Pharmazeuten in Deutschland steht mindestens eins, häufig auch mehrere dieser Gremien offen. Diese Legitimation fehlt den anderen Interessensvertretungen.

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