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Wunschkaiserschnitt ist selten

28.04.2006
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Wunschkaiserschnitt ist selten

von Conny Becker, Berlin

 

In den vergangenen zehn Jahren erhöhte sich die Zahl der Entbindungen durch Kaiserschnitt von 17 auf rund 27 Prozent. Ob sich die werdenden Mütter selbst diese Geburtsart wünschen, oder was sonst diesen Trend ausmacht, hinterfragte eine aktuelle Studie der Gmünder Ersatzkasse.

 

Mehr als ein Viertel aller Kinder kommt in Deutschland mittlerweile per Kaiserschnitt zur Welt. Die häufigere Wahl dieser Entbindungsmethode ist in allen Altersgruppen zu beobachten. Besonders hoch ist die Rate bei den 35- bis 40-Jährigen. Seit langem wurde gemutmaßt, dass sich viele Frauen selbst zu diesem Schritt entscheiden, sei es aus Angst vor einer natürlichen Geburt oder auf Grund der besseren Planbarkeit. Doch dies ist weit gefehlt, so das Ergebnis einer Studie der Gmünder Ersatzkasse (GEK). Demnach wählten nur 2 Prozent der befragten Mütter diese Art der Entbindung auf eigenen Wunsch hin, ohne dass eine medizinische Indikation bestand.

 

Angst um das Kind

 

Wissenschaftlerinnen vom Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) der Universität Bremen hatten für die Studie vergangenen Sommer alle GEK-Versicherten angeschrieben, die in 2004 entbunden hatten. Mehr als 1300 Frauen schickten die Fragebögen zurück. Ihren Angaben zufolge war in 60 Prozent der Fälle die Empfehlung durch den Arzt ausschlaggebend für einen primären Kaiserschnitt, das heißt vor Einsetzen der Geburtswehen. Als weitere Gründe nannten die Befragten die ungünstige Lage des Kindes (41 Prozent), Angst um das Kind (39 Prozent) oder Komplikationen in der Schwangerschaft (31 Prozent). Weniger als 10 Prozent gaben neben medizinischen Gründen noch eine planbare oder schnelle Geburt, Angst vor Geburtsschmerzen oder einer Beeinträchtigung des Sexuallebens (<1 Prozent) als Beweggrund an. Ursachen für einen sekundären Kaiserschnitt waren vor allem schlechte Herztöne und Geburtsstillstand (39 und 36 Prozent), aber auch eine regelwidrige Schädellage oder ein Missverhältnis von Kopf und Becken (13 und 12 Prozent). Einen sekundären Kaiserschnitt hielt die Hälfte der Betroffenen vor der Geburt für unwahrscheinlich, sagte Professor Dr. Petra Kolip vom IPP auf einer Pressekonferenz der GEK in Berlin. Hier stellten die Frauen den behandelnden Ärzten kein gutes Zeugnis aus: Nur 47 Prozent fühlten sich vollständig, 25 Prozent ansatzweise in die Entscheidung einbezogen. »Ein Viertel hatte den Eindruck, die Entscheidung sei über ihren Kopf hinweg gefällt worden«, sagte Kolip. 30 Prozent fühlten sich zudem während der Geburt mittelmäßig oder schlecht informiert.

 

Im Gegensatz dazu beurteilten die Frauen, die einen primären Kaiserschnitt hatten, die Information über den Ablauf des Eingriffs überwiegend als gut oder sehr gut. Weniger zufrieden waren sie mit den Informationen zu den möglichen Folgen, berichtete Kolip. Hier sei mehr Aufklärung nötig. So sei der Eingriff keinesfalls schmerzfrei, wie häufig suggeriert werde. Ferner berge er bei einer weiteren Schwangerschaft bestimmte Risiken. Auf Grund der Narbenbildung an der Gebärmutter kann es zu Fehlgeburten, Aufreißen der Gebärmutter während der Schwangerschaft und Geburt sowie zu Störungen bei der Einnistung des Embryos kommen. Da die Gefahr besteht, dass die Operationsnarbe bei einer späteren vaginalen Geburt aufreißt, gelte in der Regel: einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt.

 

Votum gegen Kaiserschnitt

 

Interessanterweise waren rund 90 Prozent der Befragten der Meinung, Frauen sollten auf jeden Fall versuchen, ihr Kind auf natürlichem Weg auf die Welt zu bringen. Während sich Hebammen in einer früheren Untersuchung zu rund 100 Prozent ebenfalls für eine vaginale Geburt aussprachen, entschieden sich 31 Prozent der befragten Ärztinnen für eine Kaiserschnittgeburt. Zu den absoluten Indikationen, die etwa bei 10 Prozent der Kaiserschnitte ausmachen, zählen eine Querlage des Kindes, ein Nabelschnurvorfall, das Aufreißen einer Narbe der Gebärmutter oder eine Plazenta praevia (vor dem Muttermund liegend). In diesen Fällen kann das Leben von Mutter und Kind gefährdet sein.

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