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Raloxifen schützt vor Brustkrebs

02.05.2006
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Krebsprävention

Raloxifen schützt vor Brustkrebs

von Sven Siebenand, Eschborn

 

Der bisher größten Präventionsstudie zufolge, die jemals zu Brustkrebs durchgeführt wurde, schützt Raloxifen bei postmenopausalen Frauen ebenso gut vor Mammakarzinomen wie Tamoxifen. Dabei scheint das Osteoporose-Mittel ein günstigeres Sicherheitsprofil zu besitzen.

 

In der vom National Cancer Institute (NCI) beauftragten randomisierten STAR-Studie (Study of Tamoxifene and Raloxifene) erhielten 19.747 postmenopausale Frauen fünf Jahre lang täglich entweder 20 mg Tamoxifen (Nolvadex®) oder 60 mg Raloxifen (Evista®). Ein Einschlusskriterium war ein rechnerisches Risiko von 3 bis 4 Prozent, in den kommenden fünf Jahren an Brustkrebs zu erkranken, was einem doppelt so hohen Risiko entspricht wie durchschnittlich bei Frauen in der Postmenopause.

 

Die Auswertung der Daten ergab, dass beide Wirkstoffe das Brustkrebsrisiko um etwa die Hälfte, das heißt auf das normale Risiko senken. Unter Raloxifen entwickelten 167 von 9745 Frauen ein Mammakarzinom, während im Tamoxifen-Arm 163 von 9726 Frauen erkrankten.

 

Bereits 1998 hatte die BCPT-Studie (Breast Cancer Prevention Trial) belegt, dass Tamoxifen das Brustkrebsrisiko sowohl bei prä- als auch bei postmenopausalen Frauen auf circa die Hälfte senkt, was die STAR-Studie für die postmenopausalen Frauen nun bestätigen konnte. Darüber hinaus ergab sie aber auch, dass Raloxifen eine ebenso gute Präventionswirkung und zudem offenbar ein günstigeres Sicherheitsprofil besitzt.

 

Weniger Thrombosen unter Raloxifen

 

Im Vergleich zu Nicht-Anwenderinnen weisen Frauen, die Tamoxifen einnehmen, beispielsweise ein zwei- bis dreifach höheres Risiko auf, an Uteruskarzinomen zu erkranken. Von 4732 Probandinnen in der STAR-Studie, die noch einen Uterus besaßen und Tamoxifen einnahmen, entwickelten 36 ein Uteruskarzinom, wobei es sich vor allem um Endometriumkarzinome handelte. Unter Raloxifen waren es dagegen nur 23 von 4712 Probandinnen.

 

Auch das Risiko für tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien war unter Raloxifen geringer. 87 Frauen in der Tamoxifen-Gruppe erlitten eine tiefe Venenthrombose, 54 eine Lungenembolie. Im Raloxifen-Arm wurden dagegen nur 65 Fälle einer Venenthrombose beziehungsweise 35 Lungenembolien registriert. Insgesamt war das Thromboserisiko in diesem Studienarm um 29 Prozent niedriger.

 

Hinsichtlich des Schlaganfallrisikos bietet das Osteoporosemittel hingegen keinen Vorteil. Während unter Tamoxifen 53 Schlaganfälle auftraten, waren es unter Raloxifen 51. Dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Wie stark die beiden Estrogenrezeptor-Modulatoren (SERM) das Schlaganfallrisiko gegenüber Nicht-Anwenderinnen erhöhen, beantwortet die Studie nicht. Zudem waren Risikopatientinnen wie Diabetikerinnen und Frauen mit unkontrollierter Hypertonie oder Schlaganfall in der Vorgeschichte vorab von der Studie ausgeschlossen worden.

 

Einen Vorteil scheint Raloxifen hinsichtlich der Entstehung von grauem Star zu besitzen, die ebenfalls zu den Risiken einer Tamoxifen-Therapie zählt. 394 Frauen im Tamoxifen-Arm versus 313 Frauen unter Raloxifen erkrankten an einem Katarakt.

 

Im Gegensatz dazu war Tamoxifen beim Schutz vor dem lobulären Carcinoma in situ (LCIS) und dem duktalen Carcinoma in situ (DCIS) überlegen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass Tamoxifen die Entstehung der so genannten non-invasiven Brustkrebsformen etwa um die Hälfte senkt. Raloxifen scheint dazu nicht in der Lage zu sein. 57 Frauen unter Tamoxifen versus 81 Frauen unter Raloxifen entwickelten ein LCIS oder DCIS.

 

Indikationserweiterung anvisiert

 

Auf der kommenden Jahrestagung der American Society for Clinical Oncology (ASCO) im Juni sollen die Studienergebnisse im Detail vorgestellt und diskutiert werden. Währenddessen gab Hersteller Lilly bekannt, dass die Ergebnisse der STAR-Studie zusammen mit den Resultaten der RUTH-Studie (Raloxifene Use for the Heart Study) dazu verwendet werden sollen, um bei der FDA eine Indikationserweiterung für das Medikament Evista® zu beantragen. Dann könnte in den USA künftig auch Raloxifen zur Brustkrebsprävention bei postmenopausalen Frauen eingesetzt werden. Bereits 1998 hatte die FDA Nolvadex® zur Prävention von Brustkrebs bei Hoch-Risiko-Patientinnen zugelassen.

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