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Gürtelrose

Neuer Totimpfstoff zugelassen

25.04.2018
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Ab Mai wird ein neuer Varizella-Zoster-Impfstoff verfügbar sein. Shingrix® ist zugelassen zur Vorbeugung von Herpes Zoster (Gürtelrose) und Postzoster-Neuralgie bei Menschen ab 50 Jahren. In Studien zeigte die Vakzine eine über vier Jahre anhaltende Wirksamkeit.

Bislang können Erwachsene mit einem Zoster-Lebendimpfstoff geimpft werden. Der Neuling dagegen ist ein Totimpfstoff, der zwei Komponenten enthält: Glykoprotein E als Antigen und AS01 als Adjuvans-System. »Das Antigen ist das am häufigsten vorkommende Oberflächenprotein des Varizella-Zoster-Virus (VZV) und löst eine spezifische Immunantwort aus«, erklärte Dr. Thomas Breuer von Glaxo-Smith-Kline Vaccines bei der Einführungspressekonferenz in München. Das Adjuvans verstärke und verlängere die humorale und zelluläre Immunantwort. Vor der Applikation muss der Arzt die beiden Komponenten mischen.

Hohe Wirksamkeit

 

Die Grundimmunisierung umfasst zwei intramuskuläre Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten. Nicht indiziert ist der Impfstoff zur Vorbeugung einer primären Infektion mit VZV, die sich in der Regel als Windpocken manifestiert. Ob eine Auffrischung notwendig ist, lässt sich noch nicht sagen.

 

Breuer wies auf die hohe Wirksamkeit von merh als 90 Prozent hin, die der Impfstoff in zwei großen, placebokontrollierten Studien mit rund 29 000 Teilnehmern gezeigt hat. Die zweimalige Impfung senkte die Häufigkeit von ­Herpes Zoster im Vergleich zu Placebo signifikant sowohl bei Impflingen ab 50  Jahren (sechs Fälle versus 210 in der Studie ZOE-50) als auch bei Personen ab 70 Jahren (25 versus 284 Fälle in der gepoolten Analyse der Studien ZOE-50 und ZOE-70). Die mittlere Nachbeobachtungszeit lag bei 3,1 bis 4 Jahren. Eine Langzeitkohorte werde jetzt bis zu zehn Jahre nachbeobachtet.

Eine gefürchtete Komplikation des Herpes Zoster ist die postzosterische Neuralgie (PZN). Damit bezeichnet man einen starken lokalen Schmerz, der länger als drei Monate nach dem akuten Ausschlag noch andauert. Die Neuralgie beruht auf einer Schädigung des Nervensystems und tritt bei 5 bis 30 Prozent aller Gürtelrose-Patienten auf.Auch diese Komplikation war in den Studien deutlich seltener. In der mit Shingrix geimpften Gruppe von 50 bis 69 Jahren trat keine Erkrankung auf (versus 18 Fälle unter Placebo); in der Altersgruppe ab 70 Jahren waren es vier versus 36 PZN-Erkrankungen.

 

In die Wirksamkeitsstudien wurden auch Personen mit Grunderkrankungen aufgenommen, zum Beispiel mit Nieren- oder Lungenerkrankung, koronarer Herzkrankheit oder Diabetes mellitus. Bei diesen war der Impfstoff vergleichbar gut wirksam. Immunsupprimierte Patienten wurden nach ­Angaben von GSK nicht einbezogen. Der neue Impfstoff wird laut GSK derzeit in speziellen Studien bei Patienten nach Organ- oder Knochenmark-Transplantation oder Chemotherapie geprüft.

 

Lokale Reaktionen

 

Der Impfstoff löse eine lokale Entzündung aus, die bei etwa 70 Prozent der Teilnehmer zu Schmerzen an der Injektionsstelle führte, berichtete Breuer. Auch lokale Rötung und Schwellung waren deutlich häufiger als bei Placebo-Injektion. Weitere Nebenwirkungen waren Muskelschmerzen, Müdigkeit und Kopfschmerzen.

 

Shigrix darf zeitgleich mit der Influenza-Impfung gespritzt werden. Ob dies auch für die ebenfalls bei Älteren empfohlenen Impfungen gegen Pneumokokken und Diphtherie/Tetanus gilt, wird in Studien geprüft. Weder Shingrix noch der bislang verfügbare attenuierte Lebendimpfstoff gegen Herpes Zoster für Personen ab 50 Jahre (Zostavax®) werden von der Ständigen Impfkommission als Standardimpfung empfohlen. Daher müssen Patienten die Kosten in der Regel selbst tragen. /

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