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Deutschland

Immer noch viele Raucher

25.04.2017
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Deutschland gehört weltweit zu den Top Ten der Länder mit der höchsten Anzahl an Rauchern und einem immer noch hohen Raucheranteil. Das hat Folgen: Etwa jeder siebte Todesfall ist eine Folge des Tabakkonsums. Das zeigt eine Untersuchung aus dem Fachjournal »The Lancet«.

Für die »Global Burden of Disease«-­Studie, die aktuell im Fachjournal »The Lancet« erschienen ist, schätzte ein inter­nationales Konsortium von Wissenschaftlern für 195 Länder und Territorien die Raucherzahlen ab und berechnete die durch den Tabakkonsum verursachten Todesfälle (DOI: 10.1016/S0140-6736(17)30819-X). Der Unter­suchung zufolge belegt Deutschland den neunten Platz in der Rangliste der Raucherländer mit 7,1 Millionen weib­lichen und 9,2 Millionen männlichen Rauchern. Darauf weist die deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) in einer Mitteilung hin.

 

Kaum Rückgang

 

Den Platz im Ranking verdankt Deutschland hauptsächlich seiner hohen Einwohnerzahl. Aussagekräftiger als die Gesamtzahl der Raucher ist der Anteil der Raucher an der Bevölkerung. Der Studie zufolge konsumieren in Deutschland rund 20 Prozent der weiblichen und 25 Prozent der männlichen Bevöl­kerung täglich Tabakprodukte. Damit liegt Deutschland bei den Frauen deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 5,4 Prozent auf Platz 14 der Rang­liste. In weiten Teilen der Welt ist der Anteil an rauchenden Frauen gering, wobei neben finanziellen vor allem so­ziale und kulturelle Faktoren eine Rolle spielen.

 

Bei den Männern dagegen entspricht der Raucheranteil in Deutschland mit 25 Prozent in etwa dem weltweiten Durchschnitt. In der Rangliste liegt die Bundesrepublik damit im oberen Drittel auf Platz 66.

 

Der Untersuchung zufolge ist der Raucheranteil in Deutschland zwar seit 1990 leicht gesunken, bei Frauen um 7,8 Prozent und bei Männern um 20,6 Prozent, aber die Abnahme liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt. Dieser betrug 28,4 Prozent bei Männern und 34,4 Prozent bei Frauen. Im Jahr 2015 starben weltweit 6,4 Millionen Menschen an den Folgen des Tabak­konsums. In Deutschland waren es etwa 120 000.

 

Dass der Raucheranteil in Deutschland nicht stärker sinkt, hängt unter anderem damit zusammen, dass die Präventionspolitik nicht konsequent genug ist. Deutschland belegt auf der Tabakkontrollskala der Europäischen Krebs­liga von 2016, die staatliche Maß­nahmen zur Verringerung des Tabakkonsums bewertet, den vorletzten Platz – nur gefolgt von Österreich. In der Publikation heißt es zur Begründung, dass seit 2010 keine neuen Tabak­kontrollmaßnahmen mehr eingeführt worden wären, mit Ausnahme der Umsetzung der EU-Direktive von 2014 (www.tobaccocontrolscale.org). Zudem ist Deutschland das einzige europäische Land, in dem Tabakwerbung im Außenbereich noch erlaubt ist.

 

Entschlossenes Handeln gefordert

 

DANK fordert nun ein entschlossenes Handeln der Politik. Mit dem Tabakrahmenübereinkommen der WHO, das Deutschland unterzeichnet und ratifiziert hat, stehe ein Bündel wirksamer Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung des Rauchens und dessen gesundheitlicher Folgen zur Verfügung, heißt es in der Mitteilung. Diese sollten nun auch entschlossen umgesetzt werden. Dazu gehören insbesondere regelmäßige, deutliche Erhöhungen der Tabak­steuer, ein konsequenter Nichtraucherschutz ohne Ausnahmeregelungen und ein umfassendes Tabakwerbeverbot. »Die Einführung des längst überfälligen Verbots der Außenwerbung für Tabakprodukte, die im Augen­blick vom Bundestag blockiert wird, wäre ein wichtiger Schritt zur Eindäm­mung des Tabakkonsums und der daraus resultierenden Krankheiten und Todesfälle«, heißt es in der Mitteilung der DANK. /

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