Pharmazeutische Zeitung online
Malaria

Neue Technik macht Bluttransfusionen sicherer

27.04.2016
Datenschutz bei der PZ

Von Annette Mende / Die Kombination aus UV-Licht-Bestrahlung und einer Behandlung mit Vitamin B2 (Riboflavin) kann Krankheitserreger in Blutkonserven abtöten. Die sogenannte Mirasol-Methode könnte bald in Entwicklungsländern eingesetzt werden, wo vor allem die Übertragung von Malaria über Vollblutkonserven ein Problem darstellt.

Im Vorfeld des Welt-Malaria-Tags am 25. April berichtet eine Gruppe um Professor Dr. Jean-Pierre Allain von der Universität Cambridge jetzt im Fachjournal »The Lancet« von einem Anwendungsversuch der Technik: In einem Krankenhaus in Ghana konnte die Malaria-Übertragungsrate von 22 auf 4 Prozent gesenkt werden (DOI: 10.1016/S0140-6736(16)00581-X).

An der Untersuchung nahmen 223 Erwachsene teil, die im Komfo Anokye Krankenhaus in Kumasi Bluttransfusionen erhielten. Die Produkte waren zuvor randomisiert doppelblind entweder mit der Mirasol-Methode behandelt worden oder nicht. Bluttests der Probanden vor und nach der Transfusion ergaben, dass lediglich 65 initial noch nicht mit Malaria infiziert waren. Von diesen hatten sich nach der Transfusion in der Gruppe mit den unbehandelten Blutkonserven 8 von 37 mit dem Erreger infiziert, in der Gruppe mit den behandelten Blutkonserven dagegen nur 1 von 28. Dieser Unterschied war signifikant.

 

Anders als in Europa, wo Blutkonserven mittels Nukleinsäurenachweis, Blutfiltration und dem Anlegen von Bakterienkulturen streng auf Krankheitserreger getestet werden, finden solche Sicherheitsmaßnahmen in den meisten Entwicklungsländern nicht statt. Hinzu kommt, dass etwa in Afrika südlich der Sahara rund 70 Prozent der übertragenen Blutkonserven aus Vollblut bestehen. Bestimmte Reinigungsmethoden sind auf diese jedoch nicht anwendbar, sondern nur auf die in den entwickelten Ländern sehr viel gebräuchlicheren Teilblutkonserven, etwa Plasma- oder Plättchenkonzentrate.

 

In Ghana sind etwa die Hälfte der Blutspender mit dem Malaria-Erreger Plasmodium infiziert. Bei 14 bis 28 Prozent der Empfänger von Blutkonserven ist der Malaria-Test nach der Transfusion positiv. Sollte sich die Mirasol-Methode in der derzeit laufenden Testphase bewähren, könnte sie nicht nur die Malaria-Übertragungsrate senken, sondern auch die anderer Erreger, wie HIV, Hepatitis B und C, West-Nil-, Chikungunya- und Zika-Virus. Das könnte das Verfahren auch für Industrienationen interessant machen. /

Mehr von Avoxa