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Warzen

Dorn oder Delle

26.04.2016
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Von Annette Mende, Berlin / Warzen können lästig sein, sind aber harmlos und verschwinden meist von allein wieder. Wer nicht so lange warten möchte, kann mit Keratolytika oder Vereisen nachhelfen. In bestimmten Fällen sollten Patienten allerdings an den Hautarzt verwiesen werden.

Warzen sind gutartige Epithelhyperplasien von Haut oder Schleimhäuten. Sie werden von verschiedenen Viren ausgelöst, sind also potenziell ansteckend. Ob man sich infiziert, hängt dabei vom Immunstatus, von der Menge der vorhandenen Viruspartikel und der Intensität des Kontakts ab. 

 

»Immunsupprimierte haben überdurchschnittlich häufig Warzen, immunkompetente Erwachsene dagegen fast nie«, sagte Dr. Andrea Schlöbe bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie in Berlin. Die Dermatologin referierte zur evidenzbasierten Therapie von häufig in der Apotheke anzutreffenden Dermatosen.

 

Am häufigsten sind vulgäre Warzen (Verrucae vulgares), Dornwarzen (Verrucae plantares), Dellwarzen (Mollusca contagiosa) und Genitalwarzen (Condylomata acuminata). Sie unterscheiden sich durch ihre Lokalisation, ihre Form und die auslösenden Viren. Sogenannte Alterswarzen (Verrucae seborrhoica) sind eigentlich gar keine: Hierbei handelt es sich nicht um eine Virusinfektion, sondern um warzenartige Herde der seborrhoischen Keratose. Die hell- bis schwarzbraunen, rundlich-ovalen Neubildungen sehen aus wie auf die Haut aufgesteckt und werden linsen- bis bohnengroß. Der Hautarzt kann sie mit dem scharfen Löffel entfernen.

 

HPV als Auslöser

 

»Vulgäre Warzen sind breitbasig aufsitzende oder gestielte Papeln mit charakteristischer, hyperkeratotischer Oberfläche«, informierte Schlöbe. Sie finden sich vor allem an den Händen: an den Fingerspitzen, über den Gelenken, um das Nagelbett herum oder auch unter dem Nagel. Wo Warzen sind, sind auch Viren und mit denen kann sich der Betroffene auch selbst infizieren. Häufig bilden sich daher rund um die Mutterwarze kleine Tochterwärzchen. Auslöser sind humane Papillomaviren (HPV) der Typen 1, 2, 4 oder 7.

 

Dieselben HPV-Typen mit Ausnahme von HPV 7 können auch Dornwarzen verursachen. Diese treten ausschließlich an den Handinnenflächen (palmar) oder an den Fußsohlen (plantar) auf, sind meist von einer Hornhautschwiele bedeckt und zeichnen sich durch ein starkes Tiefenwachstum aus. Deshalb können sie sehr schmerzhaft sein, vor allem wenn sie in der Belastungszone des Fußes auftreten. Betroffen sind häufig Kinder und Jugendliche, die sich im Schwimmbad oder beim Sport mit den Viren infizieren.

 

Vulgäre Warzen und unter Umständen auch Dornwarzen lassen sich gut mit einer keratolytischen Therapie beseitigen. Dazu wird die betroffene Stelle für einige Tage mit einem Salicylsäure-haltigen Pflaster bedeckt oder mit einer Lösung mit Salicylsäure, Milchsäure oder einem anderen Keratolytikum bepinselt. In der Folge weicht die oberste Hornschicht der Haut auf, die sich dann abtragen lässt. »Dadurch nimmt man den Viren den Lebensraum«, erklärte Schlöbe.

 

Dasselbe erreicht man durch Vereisen, denn dabei bildet sich eine subepidermale Blase, die mit der Warze abgehoben wird. Vom Vereisen in Eigen­regie sollte abgesehen werden bei sehr großen Warzen, bei Warzen im Gesicht, am Hals, an den Geniatlien und bei kleinen Kindern. Auch Diabetiker sollten generell Vorsicht walten lassen und lieber zum Hautarzt gehen statt selbst Hand anzulegen.

Netzwerk hautapotheke.de

Der Vortrag von Dr. Andrea Schlöbe war Teil des Qualifizierungsseminars für das Netzwerk hautapotheke.de der Gesellschaft für Dermopharmazie. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von öffentlichen Apotheken, die sich in besonderer Weise für die Belange von Menschen mit Hautproblemen einsetzen, ein evidenzbasiertes Beratungskonzept umsetzen und eng mit Dermatologen zusammenarbeiten. Die Mitgliedschaft erfordert eine spezielle Qualifizierung des Apothekenleiters oder eines approbierten Mitarbeiters.

 

Weitere Informationen dazu sind zu finden auf www.hautapotheke.de.

Spezialfälle Dornwarzen ...

 

Da Dornwarzen so stark in die Tiefe wachsen, sind sie schwieriger zu behandeln als vulgäre Warzen. Schmerzhafte Dornwarzen an der Fußsohle können daher ein Fall für den Dermatologen sein. »Die Patienten äußern häufig den Wunsch, die Warze einfach rauszuschneiden. Das ist aber nicht so einfach«, berichtete Schlöbe. Denn die Haut der Fußsohle ist sehr dicht und eng gespannt. »Die kann man nicht einfach wieder zunähen, nachdem man die Warze entfernt hat.« Beim Wegschneiden – und auch beim mittlerweile deutlich üblicheren Weglasern – entsteht eine tiefe Wunde, die von unten nach oben zugranulieren muss. »Das dauert sechs Wochen, in denen der Patient nicht auftreten darf, also ohne Krücken nicht gehfähig ist«, sagte die Referentin. Darüber müsse sich der Patient vorher im Klaren sein.

 

So drastische Eingriffe sind zur Beseitigung von Dellwarzen nicht vonnöten, doch machen auch sie meist einen Besuch beim Hautarzt erforderlich. Dellwarzen haben ihren Namen von ihrer charakteristischen Form: Sie sehen aus wie kleine Kügelchen, die auf der Haut aufsitzen und in der Mitte eine Delle haben. Vor allem in dieser Delle befindet sich das auslösende Molluscum-contagiosum-Virus. Betroffen sind wiederum vor allem Kinder.

 

... und Genitalwarzen

 

Obwohl Dellwarzen sich nach zwei bis vier Jahren von alleine zurückbilden, sollten Eltern mit einem betroffenen Kind zum Hautarzt geschickt werden. Denn die Warzen jucken und wenn das Kind kratzt, können sich die Erreger über den ganzen Körper verteilen. Der Dermatologe trägt die Warzen mit der Kürette oberflächlich ab; bei groß­flächigem Befall kann das unter Kurznarkose erfolgen.

Auch Genitalwarzen sind ein Fall für den Arzt. Sie werden wie die vulgären Warzen und die Dornwarzen durch HPV ausgelöst, allerdings meistens durch die Typen 6 oder 11. Vor Infektionen mit diesen HPV-Typen sowie mit den Typen 16 und 18, die mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht werden, schützt der Impfstoff Gardasil®. Das Konkurrenzprodukt Cervarix® bietet lediglich Schutz gegen HPV 16 und 18, nicht auch gegen 6 und 11.

 

Genital- oder auch Feigwarzen neigen zur beetförmigen Aussaat, sodass mitunter große Areale der Genital- beziehungsweise Perianaregion betroffen sind. In vielen Fällen bilden sich die Wucherungen von selbst wieder zurück, doch bis es soweit ist, kann die psychische Belastung für den Patienten groß sein. Der Hautarzt kann die Warzen mit 20- bis 50-prozentiger Trichloressigsäure behandeln und sie so verschorfen oder mit dem Laser ent­fernen.

 

Immunabwehr steigern

 

Daneben ist eine lokale Therapie mit Imiquimod (Aldara®) möglich, sie zielt auf eine Steigerung der lokalen Immunabwehr durch Stärkung der spezifischen T-Zell-Antwort. Um auch Zellen zu erfassen, die zwar schon infiziert, aber noch nicht sichtbar verändert sind, sollte der Patient auch die Umgebung der Warze mit der Creme behandeln, riet Schlöbe. Als Alternative steht seit 2010 Veregen® Salbe zur Verfügung, die einen 10-prozentigen Grünteeextrakt enthält. Der Wirkmechanismus ist unklar. /

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