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Bundesapothekerkammer

»Wir ziehen an einem Strang«

23.04.2013  18:48 Uhr

Von Daniel Rücker­ / Seit knapp vier Monaten steht Andreas Kiefer an der Spitze der Bundesapothekerkammer (BAK). Er hat es sich zum Ziel gesetzt, die Arbeit der BAK transparenter zu gestalten, mehr aus der Arbeit in die Öffentlichkeit zu tragen und eine klare Aufgabenverteilung mit den anderen Berufsorganisationen der Apotheker zu organisieren.

PZ: Sie sind nun seit knapp vier Monaten im Amt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

 

Kiefer: Die Arbeit ist zeitraubend und anstrengend, ich mache sie aber trotzdem richtig gern.

 

PZ: Womit mussten Sie sich am intensivsten beschäftigen?

 

Kiefer: Ich möchte Transparenz und klare Entscheidungswege innerhalb der Bundesapothekerkammer unter Einbeziehung der Landesapothekerkammern schaffen und einhalten. Wenn wichtige Entscheidungen anstehen, dann werden wir sie erläutern und alle daran Beteiligten mitnehmen. Das bedeutet sehr viel Aufwand.

 

PZ: Auf welchen Ebenen wollen Sie Transparenz schaffen? Bis hin zu jedem Apotheker in den Apotheken?

Kiefer: Es können nicht alle möglichen Überlegungen frühzeitig an alle Apotheker kommuniziert werden. Wir müssen hier abgestuft arbeiten. Denken Sie an das Verfahren zum Apothekennotdienst-Sicherstellungsgesetz (ANSG). Hier ist es unmöglich, alle 50 000 Apothekerinnen und Apotheker über jede Detailfrage zu informieren. Es muss aber garantiert sein, dass alle, die an einer Entscheidung beteiligt sind, auch die dafür nötigen Informationen haben, Ehrenamtliche wie Hauptamtliche. Gleichzeitig sollen aber auch die Apotheker in ihren Apotheken den Stand von Verhandlungen kennen, soweit er öffentlich ist. Hier werde ich mich selbst noch stärker einbringen. Für alle Apotheker muss die größere Transparenz erkennbar sein.

 

PZ: Das ANSG ist nicht allein Sache der Bundesapothekerkammer. Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit ABDA und DAV?

 

Kiefer: Die Arbeit funktioniert gut. Es gibt zwar unterschiedliche Auffassungen in einigen Fragen, aber auch den Willen zum Kompromiss. Wir ziehen aber an einem Strang in dieselbe Richtung. Ganz ähnlich ist es beim Medikationsmanagement.

 

Bundesapothekerkammer und Deutscher Apothekerverband bearbeiten unterschiedliche Fragestellungen zu gleichen Themen. Das gilt auch für die einzelnen Projekte. Wichtig ist, dass wir ausreichend Vertrauen zueinander haben, dass jeder seine Aufgaben korrekt und im gemeinsamen Sinne des anderen erfüllt.

 

PZ: In dieser Woche findet die Anhörung zur Pille danach statt. Wie ist die Position der BAK dazu?

 

Kiefer: Die Bundesapothekerkammer hat eine klare Position, die wir in der Anhörung über die ABDA auch kommunizieren: Die Apotheken werden den Willen des Verordnungsgebers umsetzen, unabhängig davon, wie er sich in der Frage der Verschreibungspflicht entscheidet. Apotheker werden immer ihrer Beratungspflicht nachkommen.

 

PZ: Wird die BAK versuchen, die Entscheidungsfindung zu beeinflussen?

 

Kiefer: Wir sind in den Sachverständigen-Ausschüssen vertreten und werden dort auch zur Pille danach angehört. Wir werden fachliche Fragen beantworten, wir werden uns aber nicht pro oder kontra Verschreibungspflicht positionieren. Wenn sichergestellt ist, dass jede Frau, die die Pille danach benötigt, diese schnell mit einem niederschwelligen Zugang bekommt, dann sind die Anforderungen der Bundesapothekerkammer erfüllt. Der Rest ist eine politische Entscheidung.

 

PZ: Es hat sich gezeigt, dass sich einige katholische Einrichtungen, zum Beispiel Krankenhäuser, mit der Abgabe der Pille danach schwertun. Gibt es auch Apotheker, die dies verweigern?

 

Kiefer: Mir ist das nicht bekannt. Ich kann nicht ausschließen, dass einzelne Apotheker ein Problem mit der Abgabe haben. Das können aber nur Ausnahmen sein.

 

PZ: Wie stehen Sie zur PTA-Ausbildung? Adexa möchte die verlängern. Halten Sie das für sinnvoll?

 

Kiefer: Man muss immer überprüfen, ob es Schwachstellen in der Ausbildung gibt. Ich denke nicht, dass dies den Ausbildungszeitraum betrifft. Im Gegenteil: Es ist gut, wenn jungen Menschen kompakt ein spezifisches Fachwissen vermittelt wird. Das macht den Beruf attraktiv. Die Auszubildenden sind sehr schnell berufsfertig und können Geld verdienen.

 

PZ: Dann sind keine Änderungen in der PTA-Ausbildung notwendig?

 

Kiefer: Ich halte die Ausbildungszeit für absolut angemessen. Eine längere Ausbildungszeit würde vermutlich Bewerberinnen abschrecken.

 

PZ: Wäre eine längere Ausbildung nicht eine sinnvolle Aufwertung der PTA auch mit Blick auf mögliche Nachwuchsprobleme bei den Apothekern?

 

Kiefer: Wenn wir zu wenige Apotheker haben, dann müssen wir mehr Apotheker ausbilden. Der Hochschulzugang ist für jede engagierte PTA möglich. Ich halte nichts davon, auf einen denkbaren Apothekermangel mit einer Verlängerung der PTA-Ausbildungszeit und anschließender Gesetzesänderung zu reagieren. Ich sehe dafür keinen Bedarf. Ich sehe aber wohl einen Bedarf dafür, dass sich PTA über Fort- und Weiterbildung qualifizieren und damit auch neue Aufgaben in den Apotheken übernehmen, zum Beispiel das Daten- und Qualitätsmanagement. Das sind neue anspruchsvolle Aufgaben. Nach einer Umfrage in rheinland-pfälzischen Apotheken, sind dies einige der Betätigungsfelder, auf denen sich Apotheker mehr Unterstützung von den PTA wünschen. Sie sehen: PTA haben viele Kompetenzen, die sie an vielen Stellen in den Apotheken einsetzen können. Arbeit gibt es genug.

 

»Wenn wir zu wenige Apotheker haben, dann müssen wir mehr Apotheker ausbilden.«

 

PZ: Vier Monate Ihrer Amtszeit sind vorbei. Welche Ziele haben Sie für die übrigen dreieinhalb Jahre?

 

Kiefer: Ich möchte noch stärker he­rausarbeiten, in was für einem verantwortungsvollen Umfeld wir Apotheker arbeiten. Wir haben einen tollen Beruf und die wichtige Aufgabe der Arzneimittelversorgung. Wir müssen die Dinge wieder positiver angehen, denn wir dienen der Gesundheit des einzelnen Menschen und damit des ganzen Volkes. Das Wissen um das Dienen stärkt das Selbstbewusstsein und die Zusammenarbeit.

 

Das andere große Thema ist die Weiterentwicklung der praktischen Berufsausübung. Hier steht an erster Stelle das Medikationsmanagement, von dem wir heute noch nicht detailliert wissen, was dies in der täglichen Arbeit bedeuten wird. Der Apotheker soll Mitarbeiter im therapeutischen Team sein. Das wird eine große komplexe Aufgabe. Dazu müssen die Berufsorganisationen eine strukturierte Arzt-Apotheker-Kommunikation aufbauen. Wir müssen entwickeln, wie wir sicher Menschen über einen längeren Zeitraum in ihrer Medikation begleiten können. Das sind große Herausforderungen, die wir jetzt schnell angehen werden.

 

Außerdem will ich noch stärker nach außen kommunizieren, was wir tun. Das wird bislang noch zu wenig transportiert. Alle sollen mitbekommen, woran wir wie arbeiten. Der Kern meiner Botschaft ist ganz schlicht: Die Bundesapothekerkammer arbeitet für alle Apothekerinnen und Apotheker, damit der gemeinsame Versorgungsauftrag erfüllt wird. /

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