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Spätfolgen von Polio zu wenig bekannt

23.04.2013  17:13 Uhr

Spätfolgen von Polio zu wenig bekannt

Von Brigitte M. Gensthaler, München / Eltern sollten dringend auf die Polio-Impfung bei ihren Kindern achten. »Obwohl die Weltgesundheitsorganisation Europa im Jahr 2002 für poliofrei erklärte, ist das Virus nur wenige Flugstunden von uns entfernt«, sagte Karola Rengis, Vorsitzende des Bundesverbands Polio Selbsthilfe, bei der Mitgliederversammlung des Vereins in München. Eine Infektion kann gravierende Spätfolgen haben.

Nach Angaben des Verbands leben in Deutschland etwa 100 000 Menschen mit den Folgen der viralen Infektion, dem sogenannten Post-Polio-Syndrom (PPS). Hinzu komme eine Million Menschen, die vom Poliovirus infiziert wurden, bei denen die Krankheit aber nicht ausbrach.

Auch bei ihnen könne ein PPS auftreten. Die Patienten leiden unter anderem an Schmerzen, Erschöpfungszuständen, Atem- und Schluckbeschwerden oder Schlafstörungen. Doch das Wissen über das Syndrom sei bei vielen Ärzten gering, sagte Rengis.

 

Die Poliomyelitis oder Kinderlähmung ist eine von Polio­viren hervorgerufene Infektionskrankheit. Sie befällt die Nervenfasern des Gehirns und Rückenmarks und führt zu bleibenden Lähmungen. Häufig sind Kinder betroffen. 2012 gab es weltweit 223 Neuerkrankungen, die Hälfte in Nigeria, die übrigen in Afghanistan, Pakistan und im Tschad. Bis 2018 soll das Virus weltweit vollständig ausgerottet sein: Hierfür hat die Global Polio Eradication Initiative erst kürzlich einen Ak­tionsplan mit dem Titel »Endgame Strategic Plan« vorgelegt.

 

In Deutschland ist das Virus ausgerottet. In den 1960er-Jahren wurde in Deutschland ein Lebendimpfstoff zum Schlucken eingeführt, seit 1998 gibt es den Totimpfstoff zur Injektion (IPV). Die letzte in Deutschland erworbene Erkrankung an Poliomyelitis durch ein Wildvirus trat 1990 auf. Der Erreger kann aber jederzeit aus Endemiegebieten eingeschleppt werden. Die Grundimmunisierung für Säuglinge und Kleinkinder bis zwei Jahre umfasst vier Impfungen. /

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