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Ernährung der Schwangeren verändert Genaktivität des Kindes

26.04.2011
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Von Christina Hohmann / Die Ernährung in der Schwangerschaft verursacht epigenetische Veränderungen beim Ungeborenen, die für ein späteres Übergewicht des Kindes verantwortlich sein könnten. Was bislang aus Tierversuchen bekannt war, konnten Forscher um Keith Godfrey von der University of Southampton nun auch für Menschen zeigen.

Die Forscher untersuchten zusammen mit Kollegen aus Singapur und Neuseeland das Erbgut aus dem Nabelschnurblut von 300 Neugeborenen. Von fünf Kandidatengenen prüften sie den Methylierungs-Status, das Vorhandensein von angehängten Methylgruppen an die DNA, die die Aktivität der Gene beeinflussen. Anschließend versuchten die Wissenschaftler, Assoziationen zwischen dem Methylierungs-Status und dem Übergewicht der Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren zu identifizieren. Der Analyse zufolge waren Methylierungen am Gen für den Retinoid-X-Rezeptor-α (RXRA), einem Transkriptionsfaktor, stark mit Übergewicht der Kinder assoziiert. Diese epigenetischen Veränderung erklärten 25 Prozent der Unterschiede im Körpergewicht der Kinder, schreiben die Forscher im Fachjournal »Diabetes« (doi: 10.2337/db10-097).

 

Zudem versuchten Godfrey und seine Kollegen, die gefundenen epigenetischen Veränderungen mit den Ernährungsgewohnheiten der Mütter in der Schwangerschaft in Verbindung zu bringen. Die Methylierungen des RXRA-Gens, die das Übergewichtsrisiko erhöhten, waren mit einer kohlenhydratarmen Kost im ersten Trimester assoziiert. Die Forscher vermuten, dass die Ernährungsweise der Mutter über epigenetische Veränderungen das Adipositasrisiko der Kinder mitbestimmt. Sie weisen aber selbst darauf hin, dass dies kein unabänderliches Schicksal ist: Epigenetische Profile lassen sich im Laufe des Lebens noch verändern. Für Ernährungsempfehlungen für Schwangere ist es zudem noch zu früh – dafür sind weitergehende Untersuchungen nötig. /

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