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Kosmetika

Schwangere sollten Parabene meiden

Der Einsatz von Parabenen als Konservierungsstoffe in Kosmetika ist aufgrund ihrer in höheren Konzentrationen estrogenartigen Wirkung schon seit mehreren Jahren umstritten. Jetzt unterstreichen neue Forschungsergebnisse, dass zumindest Schwangere entsprechende Produkte möglichst meiden sollten.
Annette Mende
13.02.2020
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Parabene sind Alkylester der p-Hydroxybenzoesäure, die aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirkung als Konservierungsmittel in Kosmetika eingesetzt werden. Verwendet werden Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Isopropyl-, Butyl-, Isobutyl-, Pentyl- und Phenylparaben. Vor einigen Jahren geriet die Stoffgruppe in Verruf, weil der Gebrauch von parabenhaltigen Deodorants von einer britischen Arbeitsgruppe aufgrund einer möglichen estrogenartigen Wirkung mit der Entstehung von Brustkrebs in Verbindung gebracht worden war (»Journal of Applied Toxicology« 2004, DOI: 10.1002/jat.958).

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sah jedoch seinerzeit in einer Stellungnahme den Zusammenhang nicht für wissenschaftlich bewiesen an. 2011 bezog das BfR dann nochmals zur Verwendung von Parabenen in Kosmetika Stellung. Es kam zu dem Schluss, dass Methyl- und Ethylparaben in Konzentrationen bis 0,4 Prozent als sicher gelten können, die Konzentration von Butyl- und Propylparaben aber wegen fehlender Daten sicherheitshalber auf 0,19 Prozent beschränkt werden sollte. Ein generelles Verbot von Parabenen lehnte das BfR ab, da die Stoffe dann durch andere Konservierungsmittel ersetzt werden müssten, die teilweise ein deutlich höheres allergenes Potenzial als Parabene hätten.

Jetzt zeigt aber eine neue Studie, dass Parabene auch über eine andere als die hormonelle Schiene schädlich sein können. Im Fachjournal »Nature Communications« gibt eine Forschergruppe um Beate Leppert vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig ihre Beobachtungen an einer Mutter-Kind-Kohorte sowie aus Tierversuchen wieder. Demnach fiel den Forschern bei Teilnehmern der Langzeitstudie LINA auf, dass Kinder von Müttern, in deren Urin während der Schwangerschaft erhöhte Butylparaben-Konzentrationen nachgewiesen wurden, später bis zu einem Alter von acht Jahren zu Übergewicht neigten. Dies betraf besonders die Mädchen.

Anhand von Fragebögen, in denen die Teilnehmerinnen unter anderem Auskunft über die während der Schwangerschaft benutzten Kosmetikprodukte gegeben hatten, stellten die Forscher den Zusammenhang her. »Hohe Konzentrationen von Parabenen im Urin der Mütter gingen tatsächlich einher mit der Nutzung parabenhaltiger Kosmetika – insbesondere solcher, die lange auf der Haut verbleiben, wie etwa Cremes oder Körperlotionen«, erklärt Seniorautor Dr. Tobias Polte vom UFZ in einer Pressemitteilung des Instituts.

Auch die weiblichen Nachkommen von Mäusen, die während der Schwangerschaft und Stillzeit über die Haut mit Butylparaben behandelt worden waren, neigten zu Übergewicht. Sie fraßen zudem deutlich mehr als die Nachkommen von Mäusen aus einer Kontrollgruppe. Als Grund dafür machten die Forscher einen Mangel des Prohormons Proopiomelanocortin (POMC) im Hypothalamus der betroffenen Mäuse aus. POMC, das das Hungergefühl maßgeblich steuert, war aufgrund einer epigenetischen Veränderung des kodierenden Gens herunterreguliert.

»Unter dem Einfluss von Parabenen während der Schwangerschaft entstehen bei den Nachkommen offensichtlich epigenetische Veränderungen, die die Regulation des natürlichen Sättigungsgefühls langfristig stören. Dadurch nehmen diese dann mehr Nahrung auf«, so Polte. Für die Gewichtsentwicklung von Kindern seien natürlich noch weitere Faktoren wichtig. Dennoch seien Parabene in der Schwangerschaft ein Risikofaktor für die Entstehung von kindlichem Übergewicht und sollten vermieden werden. Um herauszufinden, ob ein Produkt Parabene enthält, empfehlen die Forscher die kostenlose App ToxFox des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die sie selbst in ihrer Studie verwendet haben.

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