Pharmazeutische Zeitung online
Sanierung

Raus aus der Schuldenfalle

27.04.2010
Datenschutz bei der PZ

Von Guido Michels / Die wirtschaftliche Sanierung einer angeschlagenen Apotheke ist ein langer und schwieriger Prozess. Aber er bietet die Chance, den Betrieb weiterzuführen. Wie entstehen unternehmerische Krisen und wie kann man sie bewältigen?

Nach Zahlen der Treuhand Hannover haben im Jahr 2009 etwa 3,5 Prozent aller Apotheken ein negatives Betriebsergebnis erwirtschaftet. Gerät man über mehrere Jahre in eine solche wirtschaftliche Schieflage, dann ist die Existenz der Apotheke stark gefährdet. Wer jedoch rechtzeitig die Ursachen erkennt, kann erfolgreich gegensteuern.

Ursachen für eine wirtschaftliche Krise der Apotheke sind in betrieb­lichen (externen oder internen) oder privaten Faktoren zu finden. Gegen die externen Einflüsse ist man zumeist machtlos. Seien es die Ärzte, die das Umfeld der Apotheke verlassen, die neue Konkurrenz oder eine Gesetzesänderung – diese Faktoren liegen außerhalb des eigenen Einflusses.

 

Hausgemachte Probleme

 

Doch so manches wirtschaftliche Problem einer Apotheke ist »hausgemacht«. Zu hohe Kosten, mangelhafte Personalführung, falsche Finanzierung, ein schlech­tes Image oder Aussehen der Apotheke – die Liste der inner­betrieblichen Defizite könnte noch fortgeführt werden. Über längere Zeit und in Summe können sie zum wirtschaftlichen Niedergang beitragen. Oft spielt jedoch auch die Gewinnverwendung im Privaten eine Rolle. Wer der Apotheke zu viel Geld entnimmt, einen zu hohen Lebensstandard pflegt, sich privat verschuldet oder Fehlinvestitionen tätigt, schädigt durch sein Verhalten den Betrieb gleich mit.

 

Die Hinweise auf eine Krise sind Anfangs noch recht undeutlich. Eine negative Entwicklung der Ertragslage oder der Umsätze sowie Entnahmen, die die Einnahmen übersteigen, bedeutet für eine solide geführte Apotheke noch nicht den Ruin. Es kann aber – und das wird oft verkannt – bereits der Beginn einer Notlage sein, zumal wenn negative externe oder private Einflüsse hinzu kommen.

 

Leider wird in der Praxis oft erst dann reagiert, wenn sich bereits ernsthafte Krisensymptome zeigen. Spätestens sobald Rechnungen oder Steuern nicht mehr pünktlich gezahlt oder Lieferantenrechnungen valutiert werden, wenn das eigene Vermögen die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt (Überschuldung) oder bereits das Vertrauen bei den Banken verspielt ist, ist eine Sanierung nicht mehr abzuwenden.

 

Ein groß angelegtes Sanierungsverfahren ist nur sinnvoll, wenn die Apotheke über eine positive Zukunftsprognose verfügt. Dann bietet die Sanierung den Betroffenen die Chance, die Apotheke weiterhin wirtschaftlich fortführen zu können. Aufgrund der Komplexität des Vorhabens werden fast immer spezialisierte Berater eingeschaltet.

 

In mehreren Phasen und über mehrere Monate müssen alle Beteiligten ein Sanierungskonzept erstellen und umsetzen. Am Anfang stehen zunächst kurzfristige Maßnahmen zur Liquiditäts- und Ergebnissicherung im Fokus, damit einer Weiterführung des Geschäftsbetriebes nicht im Wege steht. Hierzu zählen beispielsweise eine Reduzierung oder ein Stopp der Entnahmen oder das Eintreiben von Außenständen. Im Folgenden entwickelt man einen Plan, der das Unternehmen langfristig stabilisiert.

 

Alles kommt auf den Prüfstand

 

Hier gibt es keine Tabus: die strategische Ausrichtung der Apotheke, organisatorische Fragen, Personalbesetzung, Kostenreduzierung, das eigene Ausgabeverhalten – in dieser Phase wird alles auf den Prüfstand gestellt. Eine besondere Rolle kommt den Gläubigern, zumeist den Banken, zu. Ohne deren Zugeständnisse und Wohlverhalten kommt man selten ans Ziel. Eine enge Einbindung und eine vertrauensvolle Kommunikation bilden hier die Basis einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

 

Die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen erfordert oft viel Disziplin. Nur wenn die Betroffenen aktiv mitarbeiten und Willen zur Veränderung zeigen, hat die Apotheke eine langfristige Perspektive. /

Mehr von Avoxa