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Biotechnologie-Branche

Potenzial nicht ausgeschöpft

18.04.2018
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Von Jennifer Evans / Die deutsche Biotechbranche ist zwar weiter auf Wachstumskurs, doch der große Sprung blieb bislang aus. Das geht aus dem Biotech-Report 2018 der Beratungs­gesellschaft Ernst & Young hervor. Die Analysten kritisieren fehlende Risikobereitschaft.

Der Umsatz mit biotechnologisch hergestellten Medikamenten ist im Jahr 2017 laut Report im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent zwar auf ein neues Rekordhoch von 4 Milliarden Euro gestiegen. Im Vorjahr waren die Wachstumsraten beim Umsatz jedoch höher. Auch was die Gründungsdynamik betrifft, ist Deutschland laut Report sehr verhalten. 

 

Lediglich acht neu gemeldete Biotech-Unternehmen kamen 2017 hinzu. Damit stieg die Zahl der Unternehmen um sechs auf 647. Diese beschäftigen zusammen knapp 26 000 Mitarbeiter, was einer Steigerung um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Investitionen in Forschung und Entwicklung sanken um 3 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, kritisieren die Analysten.

 

Während in Deutschland Börsengänge 2017 die Ausnahme bleiben, legte deren Zahl europaweit zu. Demnach brachten 27 Börsengänge insgesamt 950 Millionen Euro ein. 2016 waren es 650 Millionen Euro. Studienautor und Leiter des deutschen Life Science Centers von EY, Siegfried Bialojan, wünscht sich größere Entwicklungsschritte. »Rekordumsätze, Rekordfinanzierung, steigende Mitarbeiterzahlen – die Kennzahlen der Biotechbranche in Deutschland sind numerisch positiv. Das ist erfreulich. Dennoch entspricht dies bei Weitem nicht dem tatsächlichen Potenzial der Wissenschaft in Deutschland.« Insbesondere beim Risikokapital gebe es keine Entwicklung nach vorne. Im Gegenteil: die Summe sei wieder leicht zurückgegangen. Im internationalen Vergleich mangelt es Bialojan zufolge am sogenannten Venture Capital, das Investorenvertrauen ausdrückt und Zukunftsvisionen honoriert.

 

Ein breiter verteiltes Risikokapital und die hohe Beteiligung an Kapitalerhöhungen zeige jedoch, dass Investoren Biotech als Innovationsmotor in Deutschland »auf dem Schirm hätten«, so der Studienautor. Die internationale Dynamik sei jedoch viel höher. Ein Modell Deutschland müsse her, das etwa risikofreudiger ist. /

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