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Berufsbild

»Wir brauchen einen Apotheker 2.0«

16.04.2013
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Von Daniel Rücker, Chemnitz / Aus Sicht von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt stößt das Berufsmodell des Apothekers an seine Grenzen. Der Apotheker der Zukunft müsse mit seinen pharmazeutischen Dienstleistungen fester Bestandteil des therapeutischen Teams sein. Die Zeit für einen solchen Kurswechsel sei selten so günstig gewesen wie heute.

Die demografische Entwicklung wird die Bedürfnisse der Gesellschaft verändern. Das aktuelle Modell der öffentlichen Apotheke könne diesen Anforderungen nicht mehr vollständig gerecht werden, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt beim Sächsischen Apothekertag in Chemnitz. Viele Apotheker sähen den Beruf in einer Krise. In Zukunft werde nicht mehr die Abgabe von Medikamenten im Mittelpunkt stehen, sondern die umfassende Versorgung und Betreuung multimorbider Patienten.

 

Neue Impulse für das Pharmaziestudium

 

Dazu gehöre auch das Medikationsmanagement, sagte Schmidt, der auch Präsident der Sächsischen Landesapothekerkammer ist. Die Apotheker müssten dieser Entwicklung Rechnung tragen und neue Konzepte für die Apotheke auflegen. Dies sei die Basis für eine engere Zusammenarbeit von Apothekern mit Ärzten und anderen Gesundheitsberufen. Doch nicht nur die Apotheker müssten sich umstellen. Auch das Pharmaziestudium müsse weiterentwickelt werden und sich stärker an den zukünftigen Aufgaben in der Offizin orientieren.

Schmidt sieht gute Voraussetzungen für die notwendige Neuausrichtung der öffentlichen Apotheken. »Es gibt derzeit eine gute Konstellation, die notwendigen Veränderungen anzugehen«, sagte der ABDA-Präsident. Politik und Krankenkassen hätten erkannt, dass die Ressourcen im Gesundheitswesen in Zukunft noch effektiver genutzt werden könnten. Auch die Ärzte hätten mittlerweile festgestellt, dass die Zusammenarbeit mit den Apothekern auch für sie hilfreich sei.

 

Multimorbide Patienten in einer alternden Gesellschaft müssten von einem interdisziplinären therapeutischen Team betreut werden. Die Apotheker gehörten zweifellos in dieses Team hi­nein. Ein weiteres Argument für ein neues Berufskonzept der Apotheker seien die drohenden Lücken in der ärztlichen Versorgung vor allem in ländlichen Gebieten. Hier müssten die Apotheker neue Aufgaben übernehmen.

 

Derzeit sei auch deshalb ein guter Zeitpunkt für Veränderungen, weil in den vergangenen Monaten die für die Apotheker wichtigen ökonomischen Fragen geklärt worden seien. Mit dem Apothekennotdienst-Sicherstellungs­gesetz und dem demnächst anstehenden Schiedsspruch zum Apothekenabschlag seien die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Apotheker klar.

 

Auch rechnet der ABDA-Präsident in naher Zukunft nicht mit neuerlichen Eingriffen der Politik in die Strukturen der Arzneimittelversorgung. Selbst bei einem Regierungswechsel stehe dies wohl nicht weit oben auf der Agenda. Erstmals seit vielen Jahren gebe es deshalb die Möglichkeit, das eigene Berufsbild weiterzuentwickeln, es den sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen und dem Berufsstand auch wieder mehr Gestaltungsspielraum für die eigene Arbeit zu gewähren. Diese Gelegenheit dürfe nicht ungenutzt verstreichen. Schmidt: »Wir brauchen einen Apotheker 2.0.«

 

Mehr Dienstleistungen bergen Chancen und Risiken

 

Schmidt weiß, dass dieser Schritt nicht einfach ist. Wie alle Menschen hätten auch Apotheker ein Bedürfnis nach Konstanz. Nun sei aber die Zeit für Apotheker gekommen, sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Pharmazeutische Dienstleistungen seien das Zukunftsfeld. Hier könnten die Apotheker ihre Kompetenzen voll ausspielen.

 

Mehr Dienstleistungen bergen zwar Gefahren, auch bei der Honorierung. Viele Apotheker hätten Angst davor. Man müsse nun aber mutig sein und den Weg gehen, denn er biete auch eine große Chance. Schmidt: »Die Politik und die Krankenkassen werden merken, dass man mit Apothekern mehr erreichen kann, wenn sie all das tun dürfen, was sie können.« /

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