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Trastuzumab

Subkutane Gabe favorisiert

16.04.2013
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Von Kerstin A. Gräfe / Neun von zehn Brustkrebspatientinnen bevorzugten die subkutane Darreichung von Trastuzumab (Herceptin®) gegenüber der intravenösen Appli­kation. Das ist das Ergebnis der Phase-II-Studie PrefHer, an der 488 Patienten mit einem HER2-positiven Mammakarzinom im Frühstadium teilnahmen.

 

Auf Basis der Daten hat Hersteller Roche bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA einen Zulassungsantrag für diese neue Applikationsform eingereicht. Im Rahmen der multizentrischen, randomisierten Crossover-Studie wurden die Patientinnen zwei jeweils zweiarmigen Kohorten zugeteilt. In beiden Kohorten erhielten die Frauen postoperativ und nach Abschluss einer (neo-)adjuvanten Chemotherapie Trastuzumab entweder zunächst über vier Zyklen subkutan, gefolgt von vier Zyklen intravenös oder umgekehrt.

In der ersten Kohorte (n = 248) erfolgte die subkutane Injektion mittels eines Einweg-Injektionsgerätes, in der zweiten Kohorte (n = 240) manuell per Spritze. 91,5 Prozent der Patientinnen bevorzugten die subkutane Darreichungsform gegenüber der intravenösen (6,8 Prozent). Dabei zeigte sich die hohe Akzeptanz gleichermaßen in beiden Studienarmen und war dementsprechend unabhängig von der Anwendungssequenz. Als Hauptgrund nannten die Teilnehmerinnen die erheblich kürzere Applikationsdauer: Die Anwendung von Trastuzumab SC in der vom Körpergewicht unabhängigen fixen Dosierung von 600 mg erfolgt in weniger als fünf Minuten – verglichen mit 60 bis 90 Minuten bei intravenöser Applikation. Zudem war die subkutane Applikation mit weniger Schmerzen und Unannehmlichkeiten verbunden war. Auch das medizinische Personal profitiert von der kürzeren und vereinfachten Anwendung: 73,8 Prozent der befragten Ärzte und Pflegekräfte waren zufriedener mit Trastuzumab SC. Lediglich 1,9 Prozent bevorzugten die intravenöse Gabe.

 

Der monoklonale Antikörper Trastuzumab ist in der Therapie des HER2-positiven Mammakarzinoms fest etabliert. Die mittlere Behandlungsdauer beträgt etwa acht bis zehn Jahre. Um die Applikation zu erleichtern, wurde eine subkutane Formulierung entwickelt. Sie ermöglicht eine einfachere und schnellere Therapie ohne Infusion und Port-Katheter. Möglich wurde dies durch Verwendung rekombinanter humaner Hyaluronidase (rHuPH20) als Trägerstoff. Sie bewirkt den reversiblen Abbau körpereigener Hyaluronsäure, was zu einer temporären Zunahme der subkutanen Dispersionsfläche führt. Damit wird die Applikation auch großer Flüssigkeitsvolumina möglich. Das Hautgewebe wird nur gering belastet und die Haut kehrt nach der Applikation in ihren Ausgangszustand zurück. Dass die subkutane Applikation ebenso wirksam und sicher ist wie die intravenöse Therapie, dokumentiert die Phase-III-Studie HannaH. Die Daten der randomisierten, offenen Studie wurden im März 2012 publiziert. /

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