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Humane Papillomaviren

Schützen bestimmte Typen vor Krebs?

16.04.2013
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Von Annette Mende / Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV) können das Gebärmutterhalskrebs-Risiko nicht nur erhöhen, sondern unter bestimmten Umständen offenbar auch senken. Entscheidend ist dabei, um welchen HPV-Typ es sich handelt. So scheint etwa die Infektion mit HPV-53 einen gewissen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs zu bieten.

Das legen zumindest die Ergebnisse eines britisch-kenianischen Forscherteams nahe, die aktuell im »The Open Virology Journal« (doi: 10.2174/1874 357901307010019) erschienen sind. Die Wissenschaftler untersuchten Zellproben des Gebärmutterhalses von 224 kenianischen Frauen auf Krebs beziehungsweise Krebsvorstufen und darauf, welche HPV-Typen sie enthielten.

Etwa die Hälfte der Probandinnen war HIV-positiv. Das ist insofern wichtig, als bei HIV-positiven Frauen generell mehr verschiedene HPV-Typen gefunden werden, da die Infektion mit dem Immunschwächevirus eine HPV-Infektion begünstigt. HPV-53, das die Wissenschaftler als »möglicherweise kanzerogen« klassifizierten, fand sich in hoher Konzentration bei HIV-positiven Frauen, die keinen Gebärmutterhalskrebs hatten, aber nur selten bei HIV-negativen Probandinnen. Bei Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkrankt waren, tauchte dieser HPV-Typ überhaupt nicht auf.

 

Welche HPV-Typen vorherrschen, ist in verschiedenen Regionen der Erde unterschiedlich. »Wenn Hochrisiko-Typen dominieren, wird eine HIV-Infektion mit Sicherheit die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs beschleunigen«, sagt Studienleiter Dr. Ian Hampson in einer Pressemitteilung der Universität Manchester. Sobald aber andere Virustypen, beispielsweise der Typ 53, zugegen seien, könnten diese mit den Hochrisiko-Varianten konkurrieren und so die Krebsentstehung aufhalten. Wie genau das funktioniert, wollen Hampson und Kollegen in weiteren Studien herausfinden.

 

Vom humanen Papillomavirus gibt es mindestens 160 verschiedene Typen. Bekanntermaßen karzinogen sind die Typen 16 und 18, die in Industrienat­ionen für etwa 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Fälle verantwortlich sind. Die große Mehrzahl (85 Prozent) der 270 000 Frauen, die jährlich an Gebärmutterhalskrebs sterben, lebt aber nicht in einem reichen, sondern in einem Entwicklungsland. In Kenia beispielsweise ist Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebsart; sie macht dort 18 bis 23 Prozent aller Krebsdiagnosen aus.

 

Ein Ergebnis der vorliegenden Studie deutet darauf hin, dass HPV-16 oder -18 in Kenia deutlich seltener ursächlich für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sein könnten als in reicheren Ländern. Diese HPV-Typen fanden die Wissenschaftler nämlich nur in 8 Prozent aller Proben, was eine vergleichsweise niedrige Prävalenz ist. War das Gewebe entartet, stieg die Prävalenz bei HIV-negativen Frauen auf 80 Prozent. Von den HIV-positiven Frauen mit Gebärmutterhalskrebs waren dagegen nur 46 Prozent mit HPV-16 oder -18 infiziert.

 

»Wenn sich bewahrheitet, dass HPV-53 die karzinogenen Eigenschaften anderer HPV-Typen hemmt, ließe sich daraus vielleicht eine Therapie entwickeln, die die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs verhindert«, hofft Hampson. Das wäre vor allem für ärmere Länder ein Segen, die sich die HPV-Impfung nicht leisten können. Sollte sich zudem bewahrheiten, dass abhängig von der geografischen Lage eines Landes andere karzinogene HPV-Typen als 16 und 18 vorherrschen, böten die verfügbaren Impfstoffe zudem dort nur einen lückenhaften Schutz vor Krebs. /

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