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Wirkstoff schützt vor Strahlenschäden

15.04.2008
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Wirkstoff schützt vor Strahlenschäden

Von Christina Hohmann

 

Ein Wirkstoff aus der Geißel von Salmonellen schützt vor der schädlichen Wirkung hoher Strahlendosen. Die Substanz könnte die Nebenwirkung einer Strahlentherapie bei Krebspatienten abschwächen oder bei Strahlungsnotfällen helfen.

 

Strahlung kann Zellen töten, da sie den programmierten Zelltod, die Apoptose, aktiviert. Dementsprechend ließe sich die schädliche Wirkung von Strahlung verhindern, wenn die Apoptose unterdrückt wird, folgerten Andrei Gudkov und seine Kollegen vom Roswell Park Center Institute in Buffalo, US-Bundesstaat New York. Da die Aktivierung des Transkriptionsfaktors Nuklearfaktor kappa B (NF-κB) die Apoptose hemmt, suchten die Forscher nach einer entsprechenden Substanz und fanden sie in Salmonellen. Die Geißel der Bakterien besteht hauptsächlich aus dem Protein Flaggelin, das NF-kB aktiviert. Die Forscher modifizierten das Protein zu einem Wirkstoff, der als CBLB502 bezeichnet wird. Diesen testeten sie an Mäusen. Sie injizierten den Tieren die Substanz eine Stunde bevor sie sie mit einer Dosis von 13 Gray bestrahlten. 90 Prozent der Mäuse, die den Wirkstoff erhalten hatten, überlebten die Strahlendosis. Im Vergleich dazu überlebten nur 50 Prozent der Mäuse, die mit dem besten derzeit verfügbaren Strahlenschutzwirkstoff Amifostin behandelt worden waren, berichten die Forscher im Fachjournal »Science« (Doi: 10.1126/science.1154986). Bei geringen Strahlendosen wirkte die Substanz auch, wenn sie nach der Bestrahlung verabreicht wurde.

 

Als Nächstes testeten die Forscher den Apoptose-Hemmer an Affen. Hier wirkte CBLB502 weniger gut. Dennoch erhöhte die Substanz die Überlebensrate der Rhesusaffen nach einer normalerweise tödlichen Strahlendosis von 25 auf 64 Prozent. Der Wirkstoff könnte daher bei Strahlungsnotfällen wie Anschlägen mit nuklearen Waffen oder bei Kernreaktorzwischenfällen den Helfern am Unfallort verabreicht werden.

 

Außerdem ist ein Einsatz in der Strahlentherapie denkbar. Daher untersuchten die Forscher die Wirkung von CBLB502 auch bei Mäusen mit Tumoren. Es schützte die Tiere vor normalerweise letalen Dosen, ohne die Wirkung der Strahlung auf den Tumor zu mindern.

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