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Ultraschalldiagnostik will gelernt sein

18.04.2006
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Ultraschalldiagnostik will gelernt sein

von Gudrun Heyn, Berlin

 

Ultraschall ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Diagnoseverfahren in der Medizin. Oft kommen jedoch nur gut ausgebildete und erfahrene Ärzte zu verlässlichen und treffsicheren Untersuchungsergebnissen. In einer Qualitätsoffensive will die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) nun für mehr Diagnosesicherheit sorgen.

 

»Jeder glaubt, ein Ultraschallgerät bedienen zu können, aber die Untersuchung ist schwierig und erfordert eine gute Ausbildung«, sagte der Präsident der DEGUM, Professor Dr. Christian Arning von der Asklepios-Klinik in Hamburg-Wansbeck, vor Journalisten in Berlin. So zeigte sich etwa bei einer Qualitätsprüfung von Praxisärzten in Nordrhein-Westfalen, dass die Anzahl der Fehlbefunde mit dem Ultraschallgerät deutlich höher war als bei allen anderen bildgebenden Verfahren. Doch die Sonographie kann sogar Diagnoseverfahren wie Computertomographie, Magnetresonanztomographie und Positronenemissionstomographie überlegen sein, wenn sie richtig angewendet wird. In einer Vergleichsuntersuchung war sie zum Beispiel die beste Methode, um Leberzellkarzinome zu identifizieren.

 

Da die Ultraschalldiagnostik kein vorgeschriebener Lehrstoff des Medizinstudiums ist, lernen Mediziner häufig erst während ihrer Facharztausbildung, mit dem Diagnosegerät umzugehen. Doch auch dafür existieren nur in wenigen deutschen Kliniken feste Lehrpläne, nach denen die richtige Schallkopfführung und Geräteeinstellung sowie die Bildinterpretation gelehrt wird. So gibt es immer noch Nachwuchsärzte, die sich autodidaktisch in die Sonographie einarbeiten müssen.

 

Um die Qualität der Diagnosen zu verbessern, hat die DEGUM daher ein Zertifizierungssystem für Ultraschalluntersucher eingeführt. In einem Mehrstufenkonzept können sich interessierte Ärzte auf freiwilliger Basis weiterbilden. Bis zu 800 Ultraschalluntersuchungen, zum Teil unter der Aufsicht eines qualifizierten Ausbilders, sind nötig, um eine Zertifizierung der DEGUM-Stufe 1 zu erhalten. Für die anschließende Stufe 2 werden 6000 Untersuchungen, teilweise unter qualifizierter Anleitung, verlangt und mindestens 10.000 Ultraschalluntersuchungen und sechs Jahre Erfahrung kennzeichnen einen Arzt der DEGUM-Stufe 3.

 

Treffsicherheit durch Erfahrung

 

Wie effektiv das Mehrstufenkonzept ist, konnte inzwischen in mehreren Studien nachgewiesen werden. Die größte fand an der Universität Marburg mit rund 35.000 Patienten statt. Dort konnten Nachwuchsärzte in unklaren Fällen das Ergebnis ihres Ultraschalls durch einen Experten der DEGUM-Stufe 3 überprüfen lassen. Dabei stellten Mediziner mit einer zwei- bis dreijährigen Erfahrung nur bei rund 39 Prozent der Patienten die richtige Verdachtsdiagnose. Die Treffsicherheit eines Spezialisten der Stufe 3 lag dagegen bei fast 95 Prozent. In einer anderen Studie wurden Patienten mit Gallengangsteinen sonographisch untersucht. Hierbei erzielten erfahrene Untersucher (DEGUM-Stufe 2) eine Trefferquote von 80 Prozent, weniger erfahrene Ärzte nur 47 Prozent.

 

Schon 1980 wurde auf dem Gebiet der Gynäkologie damit begonnen, nach einem Mehrstufenkonzept zu arbeiten. Inzwischen haben in Deutschland etwa 1000 Frauenärzte eine Zertifizierung der Stufe 1 und 700 der Stufe 2. Für Schwangere sind die Vorsorgeuntersuchungen mittels Ultraschall seither Routine. Kaum jemand weiß noch, dass davor etwa die Rötelinfektion einer Mutter fast ausnahmslos den Abbruch der Schwangerschaft bedeutete. Heute ist die Zahl der Abbrüche sehr viel geringer, denn nur etwa 20 Prozent der Kinder tragen Folgeschäden davon. Im Ultraschall lassen sich diese und andere Fehlbildungen gut erkennen, ebenso wie etwa Mehrlingsschwangerschaften und deren Komplikationen.

 

Auch in der Notaufnahme und in der onkologischen Nachsorge gehört die Sonographie inzwischen zu den am meisten eingesetzten Diagnoseverfahren. Besonders gut können Organe wie Leber, Milz und Nieren untersucht werden. Dagegen eignen sich luftgefüllte Organe wie Lunge, Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse nur sehr bedingt zu einer Ultraschalluntersuchung.

 

»Das DEGUM-Zertifikat soll Mediziner dazu motivieren, ihre Qualifikation auf dem Gebiet der Ultraschalldiagnostik zu verbessern«, sagte Arning. Patienten gibt es Sicherheit, dass ihr Arzt eine besondere Qualifikation nachgewiesen hat. Auf der Website www.degum.de können Interessierte nach einem zertifizierten Arzt in ihrer Nähe suchen. Außerdem ist dort nachzulesen, wie die Qualität der einzelnen Ultraschallgeräte einzuschätzen ist. So gibt es in manchen gynäkologischen Praxen immer noch Geräte, mit denen ein Mammakarzinom nicht erkannt werden kann, hieß es in Berlin.

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