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Nur theoretisch organspendewillig

18.04.2006
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Nur theoretisch organspendewillig

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Seit Jahren wächst der Bedarf an Spenderorganen, aber die Spendebereitschaft stagniert. Nur knapp 15 Prozent der deutschen Bevölkerung besitzt einen Organspendeausweis, obwohl etwa vier Fünftel theoretisch zur Spende bereit wären.

 

Dies ergab eine von der Universität Leipzig in Auftrag gegebene repräsentative Befragung von 1000 Personen. Da die Wartelisten wachsen, stellt sich die Frage, wie diese »passiven Spender«, die etwa 61 Prozent der Befragten ausmachen, erreicht werden können. »Erwogen wird, die Zustimmungsregelung im Transplantationsgesetz zu überarbeiten oder ein Anreizsystem zu schaffen«, erklärte Dr. Oliver Decker, Psychologe an der Universität Leipzig.

 

Nach der bisherigen Regelung können Organe nach Feststellung des Todes entnommen werden, wenn der Spender zu Lebzeiten seine Einwilligung in Form eines Ausweises gegeben hat. Eine Alternative wäre die so genannte Widerspruchsregelung, bei der Organe entnommen werden dürfen, sofern kein Widerspruch des Betroffenen vorliegt. Mit einem solchen System zeigten sich mehr als 70 Prozent der Befragten in der Untersuchung einverstanden. Überraschend hoch ist auch der Zuspruch für ein Modell, das einen Zwang zur Entscheidung vorsieht. 59 Prozent der Befragten hielten eine Lösung für sinnvoll, bei der sich alle Volljährigen bei Ausstellen des Personalausweises entscheiden müssten, ob sie sich zur Spende bereit erklären oder nicht. Diese Entscheidung würde dann im Personalausweis festgehalten. Experten hoffen, mit solchen Modellen die Spendebereitschaft zu erhöhen.

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