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Kupfer weckt Hoffnung für Alzheimer-Patienten

18.04.2006
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Kupfer weckt Hoffnung für Alzheimer-Patienten

von Sven Siebenand, Eschborn

 

Medizinern des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg und der Freien Universität Berlin ist der Nachweis gelungen, dass zwischen einem Kupfermangel im Gehirn und dem Auftreten von Alzheimer-typischen Symptomen ein Zusammenhang besteht.

 

Vor allem in frühen Krankheitsstadien scheint die Einnahme von Kupfer für Alzheimer-Patienten aussichtsreich zu sein, so die Forscher. In Zellversuchen ließ sich die Bildung von Beta-Amyloid (Aβ) durch die Zufuhr von Kupfer reduzieren. Je mehr Kupfer zugesetzt wurde, desto weniger Aβ, Hauptbestandteil der Alzheimer-Plaques, entstand.

 

Auf der Basis dieser Ergebnisse untersuchten die Forscher die Wirkung von Kupfer bei so genannten Alzheimer-Mäusen. Die Tiere wurden genetisch so modifiziert, dass sie das menschliche Amyloid-Vorläuferprotein APP in erhöhter Menge produzieren. Im Gehirn der Mäuse bildet sich wie bei Alzheimer-Patienten übermäßig viel zellschädigendes Aβ. Ein Teil der Mäuse erhielt einige Monate lang kupferhaltiges Trinkwasser, ein zweiter Teil normales Wasser. Während die Alzheimer-Mäuse ohne Kupferzufuhr größtenteils frühzeitig starben, war die Lebensdauer der behandelten Tiere deutlich länger und entsprach schließlich der Lebenserwartung gesunder Mäuse.

 

An der Universitätsklinik des Saarlandes findet derzeit eine placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 61 Alzheimer-Patienten im Frühstadium statt. Die Patienten der Verumgruppe nehmen zusätzlich zur Standardmedikation 8 mg Kupferorotat ein. In regelmäßigen Abständen werden Hirnleistung wie Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit getestet. »Die ersten Zwischenergebnisse sind viel versprechend«, sagte Studienleiter Dr. Frank-Gerald Pajonk anlässlich eines Experten-Gesprächs in Frankfurt. Unter anderem habe sich der Zusammenhang zwischen der Hirnleistung und dem Kupferspiegel im Gehirn bestätigt. »Je besser die Leistungen bei den Tests waren, desto höher war auch der Kupferspiegel«, so Pajonk. Noch in diesem Jahr sollen die abschließenden Studienergebnisse vorliegen. Pajonk ist zuversichtlich, dass sich Kupfer als wirksame Substanz erweist, die das Fortschreiten von Morbus Alzheimer verlangsamt. Damit könnte bald ein gut verträgliches und kostengünstiges Mittel gegen Alzheimer zur Verfügung stehen.

Zufuhrempfehlung für Kupfer

Kupfer ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das für Knochen- und Knorpelaufbau, Hautbildung und Schutz vor oxidativem Stress wichtig ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Zufuhr von 1 bis 1,5 mg Kupfer pro Tag. Die durchschnittliche tägliche Aufnahme in Deutschland liegt bei etwa 1,1 bis 1,2 mg täglich.

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