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Hautrisse effektiv behandeln

18.04.2006
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Hautrisse effektiv behandeln

PZ  Gerade in der kalten Jahreszeit sind Hautrisse an Händen und Füßen häufig. Fragen zur Entstehung, Prophylaxe und Behandlung von Rhagaden beantwortet Dr. Rudolf Schulte-Beerbühl, Dermatologe aus Dortmund.

 

PZ: Welche Hautveränderungen bezie-hungsweise Hautkrankheiten sind die häufigsten in der Praxis?

Schulte-Beerbühl: Neben den schon fast klassischen Erkrankungen wie Psoriasis, Neurodermitis und Akne finden sich in der Praxis häufig Probleme mit Hautmy-kosen oder bakterielle Entzündungen im Nagelbettbereich an Füßen und Händen wieder.

 

PZ: Welche Rolle spielen Hautrisse aus der Sicht eines Dermatologen?

Schulte-Beerbühl: Tiefe schmerzhafte Rhagaden sind Hautrisse, die entstehen, wenn die Elastizität der Haut herabgesetzt ist und die Haut überdehnt wird. Durch die Verletzung der Hautoberfläche können dann Pilze oder Bakterien eindringen und Entzündungen hervorrufen.

 

PZ: Was sind die häufigsten Ursachen für Hautrisse?

Schulte-Beerbühl: Infrage kommen äußere Einflüsse wie Verletzungen, berufliche Tätigkeiten, Hobbys und klimatische Bedingungen. Gerade im Winter trocknet die Haut schneller aus und ist damit anfälliger für Rhagaden und Fissuren.

 

Wer zu trockener Haut neigt, ist ohnehin häufiger von Hautrissen betroffen als andere. Denn letztlich gründen Hautrisse auf einem zu geringen Feuchtigkeits- und Fettgehalt der Haut. Sie wird rissig, sobald der Feuchtigkeitsgehalt auf weniger als 10 Prozent sinkt und der Verlust des natürlichen Hauttalgs, der epidermalen Lipide, eintritt. Daneben gibt es natürlich auch Hautkrankheiten wie chronische Ekzeme, Neurodermitis und Psoriasis, die Hautrisse verursachen.

 

PZ: Wer leidet besonders unter Hautrissen?

Schulte-Beerbühl: Grundsätzlich bekommen ältere Menschen schneller Hautrisse als Kinder, da es zum natürlichen Alterungsprozess gehört, dass die Haut mit den Jahren Feuchtigkeit verliert und weniger epidermale Lipide produziert. Bei Menschen, die körperlich arbeiten, besteht eine höhere Verletzungsgefahr; arbeiten sie zusätzlich im Freien, trocknet die Haut schneller aus und ist gefährdeter für Risse. Auch durch häufigen Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln verliert die Haut schneller Feuchtigkeit und Talg. Friseure gehören ebenso zu den Betroffenen wie Krankenschwestern, die zudem oft mit Desinfektionsmitteln in Berührung kommen.

 

PZ: Wie kann man vorbeugen?

Schulte-Beerbühl: Falls die verursachenden Tätigkeiten nicht zu vermeiden sind, sollte die Haut intensiv gepflegt werden. Wenn möglich, sollten Betroffene Schutzhandschuhe tragen und regelmäßig Feuchtigkeit spendende und rückfettende Hautschutzcremes verwenden.

 

PZ: Worin unterscheiden sich Hautrisse von anderen Wunden in der Behandlung?

Schulte-Beerbühl: Das Spezielle an Hautrissen ist ihre Hartnäckigkeit. Die Wunde ist zwar relativ klein, aber ausgesprochen schmerzhaft. Da die eigentliche Problematik nicht in der Wunde, sondern in der sie umgebenden Haut zu suchen ist, steht die Pflege und Rückgewinnung der Elastizität an erster Stelle. Empfehlenswert ist, eine harnstoffhaltige Salbe auf die belasteten Areale aufzutragen. Gerade bei den am häufigsten betroffenen Händen können Patienten die Salbe gut okklusiv wirken lassen. Dazu ziehen sie einen Handschuh über die eingecremte Hand und lassen die Salbe kurzfristig einwirken.

 

Zeitgleich sollte die Wunde zum Abheilen gebracht und geschützt werden. Dies kann am besten über ein flüssiges, wasserresistentes Pflaster gewährleistet werden. Es wird direkt auf den Riss aufgetragen und schützt so vor äußeren Einflüssen wie Irritationen und Wasser. Auf der Innenseite erhält der Film ein feuchtes Wundmilieu, wodurch der Haut optimale Heilungsbedingungen geschaffen werden. Neue flüssige Pflaster verfügen zusätzlich über heilungsfördernde Wirkstoffe wie etwa Vitamin E in Urgo direct. Vitamin E hat hautregenerative Eigenschaften und fördert und beschleunigt den Heilungsprozess.

 

PZ: Was kann passieren, wenn Hautrisse nicht behandelt werden?

Schulte-Beerbühl: Es ist möglich, dass Bakterien wie Streptokokken eindringen und zu schwerwiegenden Infektionen der Unterhaut insbesondere an der unteren Extremität (Erysipel, Wundrose) führen. Im Übrigen sind Rhagaden und Fissuren sehr schmerzhaft und behindern häufig schon bei täglichen Handlungen wie Hemdknöpfen, Schreiben und Computerarbeit. Daher ist eine Therapie auf jeden Fall empfehlenswert.

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