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Estrogentherapie erhöht Brustkrebsrate nicht

18.04.2006
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Estrogentherapie erhöht Brustkrebsrate nicht

von Conny Becker, Berlin

 

Die Diskussion um die Hormonersatztherapie in den Wechseljahren geht weiter. Eine neue Analyse der WHI-Studien ergab, dass die alleinige Estrogentherapie das Brustkrebsrisiko nicht erhöht.

 

Die Estrogen-Alone-Studie der Womens Health Initiative (WHI) beleuchtete, welchen Effekt eine Estrogen-Monotherapie bei postmenopausalen Frauen hat, denen zuvor die Gebärmutter entfernt wurde. Zwischen 1993 und 1998 erhielten fast 11.000 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren in 40 US-Kliniken entweder 0,625 mg konjugierte equine Estrogene oder Placebo täglich. Endpunkte der Untersuchung waren die Brustkrebsinzidenz, Tumorcharakteristika sowie Mammographiebefunde.

 

Nach einem mittleren Follow-up von sieben Jahren war das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, in der Verum- gegenüber der Vergleichsgruppe um 20 Prozent gesenkt. Pro 10.000 Frauen und Jahr traten statt 34 nur 28 Brustkrebsfälle auf. Dies war allerdings nicht statistisch signifikant, weshalb das Ergebnis auch nur lautet, das Risiko werde nicht erhöht. Erhöht war allerdings die Zahl auffälliger Befunde im jährlichen Mammographie-Sreening. Dies ist damit zu begründen, dass das Drüsengewebe der Brust unter Hormontherapie dichter wird, was eine Beurteilung erschwert und die Zahl nachfolgender Biopsien steigen lässt. Im ersten Jahr wiesen 9,2 Prozent der Verumgruppe und nur 5,5 Prozent der Placebogruppe einen Verdachtsbefund auf, am Ende der Studie waren es 36,2 versus 28,1 Prozent (p = 0,001).

 

Hormonersatz bleibt risikoreich

 

Eine Monotherapie mit Estrogenen, die wegen eines erhöhten Risikos von Endometriumkarzinomen nur für hysterektomierten Frauen infrage kommt, könnte der Studie zufolge das Brustkrebsrisiko vermindern. Damit steht sie im klaren Gegensatz zur kombinierten Hormonersatztherapie, die in den WHI-Studien das Brustkrebsrisiko signifikant erhöhte. Dennoch kann sie auch diesen Frauen nicht generell empfohlen werden. Denn die Studie wurde nach einer Zwischenauswertung vorzeitig abgebrochen, da die Rate von Schlaganfällen deutlich erhöht war. Auch das Risiko für tiefe Venenthrombosen stieg an und das Risiko einer koronaren Herzerkrankung nahm entgegen früherer Hoffnungen nicht ab. Die Studienautoren kommen daher zu dem Ergebnis, dass eine Estrogentherapie stets individuell abzuwägen ist.

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