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Bürgerversicherung

Auswirkungen auf die Apotheken

12.04.2017
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Die SPD, die Grünen und auch Die Linke wollen eine Bürgerversicherung einführen und damit das duale System aus Gesetzlicher (GKV) und Privater Krankenversicherung (PKV) auf Dauer mehr oder weniger abschaffen. Über die Folgen, auch für die Apotheken, referierte Professor Günter Neubauer (Foto) vom Institut für Gesundheitsökonomik in München.

 

»Das Konzept der Bürgerversicherung wird von den Wählern immer mehr akzeptiert, vor allem unter dem Stichwort soziale Gerechtigkeit – ein gutes Wahlkampfthema«, so Neubauer beim PZ-Management-Kongress in Palma de Mallorca.

Damit verbunden wäre auch eine Rückkehr zur paritätischen Finanzierung der Krankenkassenbeiträge, das heißt die Arbeitgeber müssten wieder den gleichen Beitrag zahlen wie die Arbeitnehmer. Das bedeute entsprechende Mehrkosten für Apothekeninhaber.

 

Zudem soll die Gebührenordnung der Ärzte geändert werden, um gesetzlich und privat Versicherten denselben Zugang zum System zu gewähren. Das wäre das Ende längerer Wartezeiten für Kassenpatienten, und auch die Leistungen würden sich angleichen. Da Privat­versicherte derzeit vor allem in Ballungsräumen leben, würde es Arztpraxen und Apotheken in der Stadt stärker betreffen als auf dem Land. Neubauer sprach sogar von einem »Steuerungseffekt raus aufs Land«.

 

Nach Zahlen von Neubauer kostete 2015 die durchschnittliche verschreibungspflichtige Arzneimittelpackung für einen GKV-Patienten 53,22 Euro, für einen PKV-Patienten 65,49 Euro. Bei einem Rx-Anteil von 11,3 Prozent der abgegebenen Packungen machte Neubauer einen jährlichen Rohertrags­verlust von rund 250 Millionen Euro für die Apotheken aus. Im Schnitt wären das 12 500 Euro pro Apotheke. Hinzu käme ein Umsatzverlust von rund 7700 Euro im OTC-Bereich. »Das ist durchaus spürbar«, so der Gesundheitsökonom.

 

Unabhängig vom Ergebnis der Bundestagswahl im September dieses Jahres rechnet Neubauer mit weiteren Reformen im Gesundheitswesen. Größere Vorhaben würden meist etwa zwei Jahre später umgesetzt, mit größtmöglichem Abstand zu den Wahlen davor und danach. Denn es würden immer entweder Leistungen gekürzt oder Beiträge erhöht, was die Leute natürlich immer schmerzt, was sie aber in der Hoffnung der Politiker bis zur nächsten Wahl vergessen haben.

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