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Malaria

Prophylaxe ohne Lariam

13.04.2016
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Von Annette Mende, Mannheim / Das Malaria-Mittel Mefloquin (Lariam®) ist in Deutschland seit sechs Wochen nicht mehr im Handel. Beim Internistenkongress in Mannheim gab ein Reise­mediziner ein Update zu den verbliebenen Optionen.

»Es ist schade, dass Lariam nicht mehr zur Verfügung steht, denn trotz der bekannten immensen Nebenwirkungen haben wir das Mittel in bestimmten Fällen gerne eingesetzt«, sagte Dr. Fritz Holst, Leiter des Tropen- und Reise­medizinischen Zentrums Marburg. So habe es etwa gute Langzeitdaten zum Einsatz bei Schwangeren gegeben und auch Kinder hätten Mefloquin oft gut vertragen. 

»Das sind Indikationen, die wir jetzt nicht mehr ausschöpfen können«, sagte Holst. Er verwies darauf, dass noch vorhandene Packungen bis zum Ablauf des Haltbarkeitsdatums verkehrsfähig bleiben, sodass es auf Privatrezept und unter Hinweis auf die erfolgte Marktrücknahme theoretisch noch verordnet werden könne.

 

Ebenfalls ein Off-Label-Einsatz, doch nach wie vor Mittel der ersten Wahl zur Malaria-Prophylaxe, ist Doxycyclin. Die Dosis beträgt 100 mg täglich; die Einnahme soll einen Tag vor dem Aufenthalt im Endemiegebiet beginnen und bis 28 Tage danach fortgeführt werden. Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Phototoxizität, Vaginalmykose und möglicher Wirkverlust oraler Kontrazeptiva können jedoch gegen die Anwendung sprechen.

 

Keine Prophylaxe mit Artemisinin

 

Eine Alternative stellt Atovaquon/Proguanil (Malarone® und Generika) dar, das in der Dosierung 250/100 mg (eine Tablette) täglich mit Start einen Tag vor und bis sieben Tage nach Aufenthalt im Malaria-Gebiet gegeben wird. Hier sind Nebenwirkungen selten: »Ab und zu ein bisschen Durchfall, Kopfschmerzen oder eine Allergie; die Fachinfo nennt zusätzlich noch Depression als Nebenwirkung«, sagte Holst. Mögliche Interaktionen mit Cumarinen, Metoclopramid und Tetracyclin seien jedoch zu beachten.

 

Für die notfallmäßige Selbstbehandlung, die sogenannte Standby-Therapie, kommt dem Tropenmediziner zufolge ebenfalls Malarone infrage, allerdings dann mit vier Tabletten täglich über drei Tage höher dosiert. Daneben steht mit Artemether/Lumefantrin (Riamet®) ein Artemisinin-haltiges Kombipräparat zur Verfügung. Patienten sollen im Fall einer vermuteten Malaria-Infektion initial vier Tabletten einnehmen, dann nach acht Stunden weitere vier Tabletten sowie an den Tagen 2 und 3 jeweils morgens und abends vier Tabletten. Ein weiteres Artemisinin-Präparat, Dihydroartemisinin/Piperaquin (Eurartesim®), wirkt laut Holst ebenfalls sehr gut zur Behandlung der Malaria-Infektion, wird aber wegen möglicher kardialer Nebenwirkungen nicht zur Standby- Therapie empfohlen.

 

»Generell sollen Artemisinin-Präparate zur Vermeidung von Resistenzen nie ohne Kombinationspartner oder als Prophylaxe gegeben werden«, betonte der Referent. Er warnte aus demselben Grund vor der Anwendung von Tee aus Einjährigem Beifuß (Artemisia annua). Durch zu niedrige Dosierung und Anwendung ohne Kombinationspartner leiste man dem Wirkverlust dieser sehr gut und vor allem sehr schnell wirksamen Medikamente Vorschub.

 

Mehr Malaria tertiana in Deutschland

 

In Deutschland ist Malaria trotz einer Verdopplung der Fallzahl auf etwa 1000 in den vergangenen zwei Jahren vor allem ein reisemedizinisches Thema. Die Mehrheit der hierzulande Erkrankten sind Flüchtlinge aus Endemiegebieten. Neben dem Anstieg der Gesamtfallzahl hat das noch eine weitere Folge: Der Anteil der durch Plasmodium vivax oder Plasmodium ovale ausgelösten Malaria tertiana ist von etwa 20 auf 50 Prozent gewachsen.

 

Für die Therapie der akuten Erkrankung hat das keine Konsequenz, denn sie erfolgt mit denselben Mitteln wie die der Malaria tropica. Allerdings können bei Malaria tertiana Hypnozoiten, schlafende Parasiten in Leberzellen, nach Wochen bis Monaten zu Rezidiven führen. »Deshalb ist eine Nachbehandlung mit Primaquin erforderlich«, so Holst. Diese erfolgt mit 0,5 mg Base pro kg Körpergewicht täglich über zwei Wochen. Entsprechende Präparate müssen im Bedarfsfall importiert werden, da sie in Deutschland nicht im Handel sind. /

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