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Phytogenerika gibt es nicht

13.04.2016
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18. PZ-Management-Kongress in Palma de Mallorca / Phytopharmaka sind nicht ohne Weiteres austauschbar. Das machte Professor Dr. Markus Veit deutlich. Vor dem Hintergrund des Lieferengpasses der Johanniskraut-Präparate Laif® 900 und Laif® Balance ging der Geschäftsführer der i. DRAS GmbH auf die Vergleichbarkeit pflanzlicher Produkte ein.

 

Veit wertet den Lieferengpass als gutes Zeichen. Dies zeige, dass die Hersteller die Verunreinigung mit den hepatotoxischen Pyrrolizidinalkaloiden (PA) sehr ernst nehmen. Der pharmazeutische Biologe verwies darauf, dass die PA in den Johanniskraut-Präparaten nicht ursprünglich aus Hypericum perforatum stammen.

Vielmehr seien Verunreinigungen aus PA-haltigen Beikräutern, die zum Beispiel zur Begrünung von Seitenstreifen genutzt werden, ein wachsendes Problem. Bei der Ernte werden sie beiläufig untergemischt. Allein drei PA-haltige Pflanzen auf einem Fußballfeld-großen Anbau mit Johanniskraut würden ausreichen, um den zulässigen Grenzwert von 1 µg PA pro Tagesdosis zu überschreiten.

 

Der Apotheker befinde sich derzeit hinsichtlich Laif in einer Zwickmühle: »Denn Phytogenerika gibt es nicht«. Extrakte, selbst wenn sie mit dem gleichen Extraktionsmittel gewonnen wurden und dasselbe Droge-Extrakt-Verhältnis aufweisen, seien nicht notwendigerweise ähnlich. Ohne Kenntnisse zum Herstellungsprozess sei die Gefahr groß, dass man Äpfel mit Birnen vergleiche. »Eine a priori Aut-idem-Regelung gibt es bei Phytopharmaka nicht«, konstatierte Veit. Und auch bei identischer Extraktdeklaration seien pharmakologische und klinische Daten, die mit einem Produkt etabliert wurden, nicht auf ein anderes Produkt übertragbar.

 

Dennoch sei es auch keine Option, den Kunden, der immerhin an einer leichten bis mittelschweren Depression leidet, nicht mit einer Alternative zu versorgen. Veits Rat: sich an dem Drogen-Extrakt-Verhältnis und an dem Extraktionsmittel zu orientieren und aufgrund dieser Kenntnisse das möglichst ähnliche Präparat herauszusuchen. /

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