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Nullsummenspiel

13.04.2016
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Im September 2014 startete Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe das Kommunikationsformat Pharmadialog. Politik und Pharmaindustrie wollten einander näher kommen. In mehreren Dialogrunden gelang dies auch leidlich. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse am 12. April dürfte bei der Industrie die Euphorie verflogen sein. Die Regierung hielt ihre Geldbörse fest verschlossen. Auch die Apotheker wurden enttäuscht (lesen Sie dazu Pharmadialog: Das sind die Ergebnisse).

 

Für die Apotheker sind die Ergebnisse ein Hohn. Immer wieder hatte die ABDA eine Anpassung des Fixhonorars gefordert. Die blieb aber bislang aus. Stattdessen werden seit vergangenem Jahr Kriterien für einen Anpassungsmechanismus diskutiert. Damit war klar, dass Pharmadialog und Apothekenhonorar nicht mehr zusammen­kommen würden. Eine schlechte Nachricht.

 

Für die Apotheker kam es dann aber noch schlimmer. Am 11. April hatten nämlich die Gesundheitspolitiker von CDU und SPD ein Grundlagen­papier zu den Ergebnissen des Pharmadialogs erstellt, in dem sie eine Anpas­sung des Apothekenhonorars forderten. Die SPD-Politiker Hilde Mattheis und Martina Stamm-Fibich hatten gemeinsam mit Maria Michalk und Michael Hennrich (beide CDU) eine Deckelung des Hono­rars ins Spiel gebracht. Wegen der vielen hochpreisigen Arzneimittel soll der prozentuale Anteil des Honorars begrenzt werden. Damit die Apotheker aber nicht weniger verdienen als vorher, wird eine alte ABDA-Forderung erfüllt. Die Preise für Rezepturen und die Versorgung mit Betäubungs­mitteln werden vielleicht angehoben – festlegen wollten sich die Gesundheitspolitiker nicht. Außerdem soll das Thema Reta­xierungen »noch einmal aufgerufen werden« – was immer das bedeutet.

 

Für die Apotheker ergibt sich aus dem Pharmadialog und dem Grund­lagenpapier der Gesundheitspolitiker bestenfalls ein Nullsummenspiel: Das Fixhonorar wird keinesfalls angehoben, womöglich sogar gesenkt; das Honorar für Rezepturen und BtM wird zwar leicht steigen, die Kosten dafür zahlen die Apotheker aber über die Deckelung selbst. Das Versprechen der Politik, sich noch einmal mit Retaxierungen zu befassen, kommt spät, vermutlich erst dann, wenn das Schiedsverfahren gelaufen ist. Schiedsstellen-Chef Rainer Hess will in der zweiten Mai-Hälfte Apo­thekern und Kassen einen neuen Schiedsspruch vorlegen. Viel weniger geht nicht. Was bleibt, ist nur der Trost, dass die anderen auch nichts erreicht haben.

 

Daniel Rücker
Chefredakteur 

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