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Medical-Apps

Apotheker brauchen technisches Fachwissen

13.04.2016
Datenschutz bei der PZ

18. PZ-Management-Kongress in Palma de Mallorca / Die Digitalisierung verändert bereits das Gesundheitssystem und wird es in Zukunft noch stärker tun. Der Mobile-Health-Markt wächst deutlich, machte Sandra Hoyer von der Deutschen Telekom, Healthcare and Security Solutions, deutlich.

Eine Vielzahl an Apps und Wearables sind auf dem Markt, die Therapien unterstützen und Patienten oder auch Gesunde zu einer gesunden Lebensführung anhalten sollen. Diese werden in Zukunft auch die Arbeit in der Apotheke verändern. Daher sollten sich Apothekenmitarbeiter das nötige technische Fachwissen aneignen, riet die Wirtschaftswissenschaftlerin.

»Der Bereich der Medical-Apps ist ein Dschungel«, verdeutlichte Hoyer. Bereits jetzt sind etwa 400 000 gesundheitsbezogene Applikationen im Markt. 30 Prozent dieser Apps befassen sich mit dem Bereich Fitness, 16 Prozent bieten die Vermittlung medizinischer Informationen an. Ein weiterer Teil befasse sich mit weichen gesundheitsbezogenen Themen wie Ernährung, Meditation oder Yoga. Einige bieten auch Lösungen zur Verbesserung der Adhärenz oder zum Daten-Monitoring. Vorreiter sei hier die USA: Die Digitalisierung ist ein Kernelement des Healthcare-Programms von Präsident Barack Obama. In Europa sei man noch nicht so weit. Aber auch in deutschen Apotheken werde es in naher Zukunft immer mehr Medizinprodukte wie Blutdruck- oder Blut­zuckermessgeräte geben, die mit einer App verbunden sind und eine automatische Datenerfassung und -einpflege in ein Tagebuch möglich machen.

 

»Apotheker können hier wichtige Hilfestellung leisten«, so Hoyer. Voraussetzung sei, dass sie sich die technischen Kenntnisse hierfür aneignen. Auch bei der Einschätzung von Gesundheits-Apps könnte der Apotheker ein wichtiger Ansprechpartner für Patienten werden. Gerade in diesem Bereich seien allerdings noch einige Fragen offen: 80 Prozent der Gesundheits-Apps weisen Risiken, vor allem in Hinsicht auf den Datenschutz, auf. »Das betrifft auch Angebote von großen Playern im Markt«, machte Hoyer deutlich. Nur ein Bruchteil dieser Applikationen ist als Medizinprodukte zertifiziert. Insgesamt seien die Qualitätsstandards im Bereich Mobile Health noch unzureichend. Hier bestehe Optimierungsbedarf. Die Apotheker sollten die Digitalisierung aber nicht als Gefahr wahrnehmen, sondern als Chance begreifen, sagte Hoyer. /

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