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Präsenzapotheke

Beratung als größtes Plus

14.04.2010
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Sachkundige auf den Patienten individuell ausgerichtete Beratung und Begleitung sind das große Plus der öffentlichen Apotheke. Pick-up-Stellen können weder eine flächendeckende Arzneimittelversorgung noch die persönliche Zuwendung leisten, sagt die Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Erika Fink.

Für die Apotheker sind Arzneimittel ein beratungsbedürftiges Gut. »Noch wichtiger ist: Der Patient ist ein beratungsbedürftiger Mensch«, betonte Fink bei einer Euroforum-Tagung in München. Und der Beratungsbedarf wachse, denn die Flut von wirksamen und unwirksamen Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln verunsichere viele Menschen. Das gelte auch für vollmundige Werbung und zweifelhafte Heilsversprechen.

 

Multimedikation, verordnet von verschiedenen Ärzten und begleitet von selbstgekauften Medikamenten, erhöhe zudem die Gefahr von Neben- und Wechselwirkungen. Für Pick-up-Stellen hat Fink überhaupt kein Verständnis: »Das ist Rosinenpickerei«. Sie erweckten bei den Menschen den Eindruck einer »Apotheke light« und könnten weder die flächendeckende Arzneimittelversorgung sicherstellen noch individuell be­raten.

Werden Pick-up-Stellen verboten?

 

Ob die Medikamentenabholstellen tatsächlich verboten werden, sei nicht sicher, sagte Dr. Alexander Natz vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie in der Diskussion. Laut Eckpunktepapier zur Umsetzung des Koalitionsvertrags solle »der Missbrauch des Versandhandels durch sogenannte Pick-up-Stellen unterbunden« werden. »Das bedeutet kein Verbot.« Bei einem Totalverbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln müsse der Gesetzgeber die verfassungsrechtlichen Grenzen einhalten. Bei nachweisbaren Problemen, etwa mit der Qualitätssicherung, könnte er tätig werden.

 

Die Initiativen der Europäischen Union im Kampf gegen Arzneimittelfälschungen könnten ebenfalls zu Veränderungen bei den Pick-up-Stellen führen. Die Maximalforderung sei dabei das Totalverbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln, was Natz allerdings nicht für mehrheitsfähig hält. Ein Qualitätssiegel für seriöse Versandapotheken sei auch keine Lösung. Das Siegel selbst könnte gefälscht werden, befürchtet Natz: »Das vermittelt nur Scheinsicherheit.«

 

Als freie Heilberufler seien die Apotheker die denkbar besten Berater für Arzneimittel und in Gesundheitsfragen, ist Fink überzeugt. »Verantwortungsbewusste Apotheker ziehen ihren Kunden nicht das Fell über die Ohren.« Für freie Berufe gelte immer der Grundsatz: Gemeinwohl vor Gewinnstreben. Dieses Prinzip sei nicht zu vereinbaren mit überhöhtem Renditezielen und Haftungsbeschränkung.

 

Das Internet könne die persönliche Beratung nie ersetzen, sagte Fink. Die meisten User könnten Nutzen und Richtigkeit der gefundenen Informationen gar nicht beurteilen. Nach ihrer Erfahrung wollten sich viele Menschen gar nicht intensiv mit ihrer Krankheit auseinandersetzen, weil sie diese als Schwäche oder Defizit erlebten.

 

Sind günstige Arzneimittelpreise das beste Zugpferd? Hier haben die Menschen keine einheitliche Meinung. Während einige Kranke »billige« Medikamente für wirkungslos halten, sind andere zufrieden, wenn ihre Kasse Geld sparen kann. »Junge Gesunde reagieren auf den Preis in der Regel anders als ältere Kranke«, sagte Fink. Derzeit gebe es auch keine Untersuchungen, ob niedrige Arzneimittelpreise zu Mehr- oder Fehlgebrauch führen. Sicher sei aber, dass eine Begrenzung der Packungsgrößen, zum Beispiel bei Analgetika, die Verkaufszahlen drückt.

 

Untragbar sei jedoch, wenn Arzneimittel abhängig von der Verbreitung der Krankheit oder der Jahreszeit teurer werden. Ein Grippemittel dürfe zur Grippesaison nicht mehr kosten als sonst. Kranke Menschen müssten darauf vertrauen können, dass sie ihre Medikamente immer zu festen Preisen bekommen. /

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