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Malaria

Neuer Wirkstoff schützt vor Infektion

05.04.2017
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Von Annette Mende / DSM265, ein Inhibitor der Dihydroorotat-Dehydrogenase, könnte nach positiven Studienergebnissen möglicherweise künftig das Wirkstoffspektrum zur Malaria­prophylaxe erweitern. In der Studie wurden freiwillige Probanden gezielt mit dem Erreger infiziert, um die Wirksamkeit zu testen.

Die Dihydroorotat-Dehydrogenase, der Angriffspunkt des oral verfügbaren Wirkstoffs DSM265, ist ein Enzym, das für die Biosynthese von Pyrimidin essenziell ist. Fällt das Enzym aus, können menschliche Zellen alternative Wege zur Gewinnung des Heterozyklus aktivieren, der Malariaerreger Plasmodium falciparum dagegen nicht. 

 

DSM265 tötet Plasmodien sowohl in Entwicklungsstadien außerhalb von Erythrozyten als auch in asexuellen Blutstadien ab und ist somit sofort wirksam, wie eine Forschergruppe um Dr. Mihály Sulyok vom Deutschen Institut für Infektionsmedizin (DZIF) in Tübingen im Fachjournal »The Lancet Infectious Diseases« berichtet (DOI: 10.1016/S1473-3099(17)30139-1). »Theoretisch kann DSM265 eine Infektion mit Plasmodien gleich nach dem Mückenstich stoppen«, verdeutlicht Seniorautor Professor Dr. Peter G. Kremnser in einer Pressemitteilung der ebenfalls an der Studie beteiligten Universität Tübingen.

 

Im Rahmen der Studie wurden 15 gesunde Freiwillige, die niemals zuvor an Malaria erkrankt waren, randomisiert und doppelblind einmalig entweder mit DSM265 oder Placebo behandelt. Sechs weitere Probanden erhielten unverblindet täglich über neun Tage das etablierte Malariamittel Atovaquon/Proguanil. Einen oder sieben Tage nach der Einnahme von DSM265 beziehungsweise an Tag 2 der Atovaquon/Proguanil-Einnahme wurden alle Teilnehmer unter kontrollierten Bedingungen intravenös mit Malariaerregern infiziert. Durch tägliche Kontrollen anhand des sogenannten dicken Tropfens bestimmten die Forscher die Zeit bis zur Parasit­ämie, den primären Endpunkt der Studie. Um eine Erkrankung der Teilnehmer zu verhindern, erhielten diese spätestens ab Tag 28 eine Therapie mit Artemether/Lumefantrin, Atovaquon/Proguanil oder Chloroquin, bei Nachweis des Parasiten im Blut bereits früher.

 

Alle Teilnehmer, die DSM265 einen Tag vor der gezielten Infektion erhalten hatten, sowie diejenigen unter Atovaquon/Proguanil waren vor Malaria geschützt. Die frühere Gabe von DSM265 schützte nur die Hälfte der Probanden. In der Placebogruppe entwickelten alle Teilnehmer eine Parasitämie.

 

Die Autoren vermuten, dass die Konzentration von DSM265 im Blut nach sieben Tagen nicht mehr ausreichte, um die präerythrozytären Erregerstadien abzutöten. Dieses Problem ließe sich aber vermutlich mit einer Erhöhung der Dosis oder einer geänderten Formulierung beheben. Da es keine Hinweise auf eine dosisabhängige Toxizität gebe, sei eine Steigerung der Dosierung – in der Studie wurden 400 mg verwendet – problemlos möglich. /

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