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Guineawurm

Seine Tage sind gezählt

30.03.2006  13:13 Uhr

Guineawurm

Seine Tage sind gezählt

von Sven Siebenand, Eschborn

 

Nach den Pocken könnte der Guineawurm (Dracunculus medinensis) der nächste Krankheitserreger sein, den die Menschheit erfolgreich ausrottet. Dies könnte bis zum Jahr 2009 geschehen, hoffen Experten des Carter Centers.

 

Im Jahr 1986 waren schätzungsweise 3,5 Millionen Menschen, vor allem in Afrika, mit dem Wurm infiziert. Heute sind es dank eines umfassenden Aufklärungsprogramms in den vergangenen 20 Jahren nur noch rund 11.500 Menschen jährlich.

 

Über das Trinkwasser gelangen die Larven der Würmer, die im menschlichen Körper bis zu einem Meter lang werden, in den Menschen. Sie dringen in die Darmwand ein und reifen mehrere Monate im Bauchraum heran. Nach etwa einem Jahr wandern die dünnen, weißen Würmer ins Unterhautfettgewebe und suchen vor allem in den Füßen und Beinen einen Weg ins Freie. Dazu stoßen sie Säuren aus, die das umliegende Gewebe auflösen und bei den Infizierten brennenden Schmerz oder Jucken verursachen, häufig auch allergische Reaktionen, Erbrechen und Fieber. Die Patienten versuchen die Schmerzen der eitrigen Wunden im Wasser zu lindern. Dort setzt der Wurm Millionen weiterer Larven frei und der Kreislauf beginnt von vorne.

 

Ein medikamentöse Therapie oder gar einen Impfstoff gibt es nicht. Nur das schmerzhafte Entfernen des Wurms hilft. Dabei wird der Parasit langsam um einen Ast gewickelt und dabei herausgezogen, ohne ihn zu zerreißen. Diese Behandlungsmethode geht auf Hippokrates zurück. Auch heute noch wird der Wurm für die Entfernung auf einem gespaltenen Ast mit seinem Kopf eingeklemmt und mit dauerhaftem Zug über mehrere Tage langsam aufgewickelt. Aus dieser Methode sei der Äskulapstab, das Symbol der Heilkunst, entstanden, lautet eine bekannte These.

 

Ein wirksamer Schutz gegen Infektionen sind einfache Prophylaxemaßnahmen wie Filtern von Trinkwasser oder die Zugabe des Pestizids Larvizid Abate®, das die Larven tötet. In Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen verteilt das von Jimmy Carter gegründete Carter Center seit 20 Jahren Wasserfilter und leistet Aufklärungsarbeit. Dadurch sank die Zahl der Infizierten um mehr als 99 Prozent. Mehr als die Hälfte aller Fälle im vergangenen Jahr wurde im Sudan registriert, wo der Bürgerkrieg die Aufklärungsarbeit erschwert. Doch bis 2009 könnte der Wurm auch in seinen letzten Refugien ausgerottet sein.

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