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GroKo

Politik der kleinen Schritte

28.03.2018
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Politisch müssen die Apotheker in dieser Legislaturperiode in kleinen Schritten denken. Das betonte ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold bei der abschließenden Podiumsdiskussion. Für die kommenden Jahre haben Union und SPD im Koalitionsvertrag eine stolze Agenda aufgestellt und zugleich vereinbart, nach zwei Jahren eine erste Bilanz zu ziehen.

 

Auch für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gebe es daher großen Druck, bis zum Ablauf dieser Frist etwas abzuliefern, so Arnold. »Die Politik wird uns nicht nur an unseren Vorschlägen messen, sondern auch daran, wie schnell sich unsere Projekte umsetzen lassen.« Es habe daher zurzeit keinen Sinn, politische Großprojekte anzustoßen. Vielmehr müsse man Schritt für Schritt vorgehen. Dies könne etwa bedeuten, anstelle einer großen Honorarreform für die bessere Vergütung einzelner Dienstleistungen zu kämpfen.

Das sieht der Chef des Deutschen Apothekerverbands, Fritz Becker, genauso. »Nur kleine Schritte sind realistisch«, sagte er. Zudem müsse man mit Vorhaben an die Politik herantreten, deren finanzielle Folgen sich klar berechnen lassen. Nicht jeder im Publikum teilte diese Meinung. So forderte ein Teilnehmer, auch weiter auf eine große Honorarreform und eine regelmäßige Anhebung des Fixums zu drängen. »Wir dürfen uns nicht ausruhen.« So bekämen etwa auch die Ärzte jedes Jahr mehr Geld.

 

Becker warnte vor diesem Vergleich. Schließlich gebe es für die Ärzte ein festes Budget. Apotheker würden von einem solchen Modell keinesfalls profitieren, betonte er. Schließlich seien die Arzneimittelpreise fließend und nur schwer zu kalkulieren. »Mit einem Budget säßen wir im gleichen Hamsterrad wie die Ärzte.«

 

Beim darauffolgenden Meinungsaustausch zum Thema Telepharmazie und -medizin äußerte sich vor allem Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, kritisch. Er glaube nicht, dass gute Beratung mit Videotelefonie hinzukriegen sei. »Es sei denn, es ist ein Patient, den man kennt und es besteht Regionalbezug, sodass ich auch zu ihm fahren kann«, sagte Kiefer. Doch dann sei das auch keine Fernbehandlung mehr.

 

Becker bestätigte diese Einschätzung: »Man muss den Patienten kennen.« Sitze beispielsweise der Telemediziner in München und der Telepharmazeut in Hamburg, beide ohne den Patient zu kennen, sei diese Art der digitalen Entwicklung eine Katastrophe. Meist sei zudem gerade bei der Telepharmazie ein anschließender Stofftransport mit der Beratung verbunden. »Wo ist da noch der Vorteil?«, fragt sich der DAV-Vorsitzende.

 

Gelänge es, den Patienten an die lokale Apotheke zu binden, könne sich ­Kiefer einen erweiterten digitalen Service in Apotheken durchaus vorstellen. »Eine Einführung der Telepharmazie jedoch im Sinne eines Wegfalls des Fernbehandlungsverbots öffnet allen, die uns nicht wohlgesonnen sind, Tür und Tor.« /

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