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Neurobildgebung

Hirnaktivität mit mobilem Scanner messbar

28.03.2018  10:13 Uhr

Von Judith Lorenz / Ein Team britischer Wissenschaftler hat einen mobilen Scanner entwickelt, der die Aufzeichnung der Hirnaktivität erleichtern soll. Im Fachjournal »Nature« stellt die Gruppe ihren Prototyp, einen größenvariablen Helm, vor (DOI: 10.1038/nature26147).

 

Er zeichnet die schwachen elektromagnetischen Felder auf, die entstehen, wenn Gehirnzellen miteinander kommunizieren. Bislang sind die für die Magnetenzephalografie (MEG) erforderlichen hochsensiblen Apparate sehr störanfällig: Da bereits kleinste Kopfbewegungen die Datenerhebung unmöglich machen, sind viele Personengruppen, beispielsweise Kinder, derzeit von dieser Diagnostik ausgeschlossen.

Das neue MEG-System umgeht dieses Problem, erläutern die Forscher um Elena Boto von der Universität Nottingham: Die tragbare MEG-Einheit misst auch bei Bewegung der Probanden zuverlässig deren elektrophysiologische Hirnaktivität. Im Gegensatz zu den konventionellen Scannern, deren Messfühler aufwendig gekühlt werden ­müssen, arbeiten die neu entwickelten Sensoren bei Raumtemperatur. Da sie unmittelbar an der Kopfhaut aufliegen, ist zudem die Signalausbeute deutlich höher. Durch das Erdmagnetfeld verursachte Störsignale werden dabei von speziellen elektromagnetischen Spulen abgefangen.

 

Erste Untersuchungen mit dem mobilen Scanner verliefen erfolgreich: Kopfbewegungen, Trinken und sogar Balanceübungen mit einem Tischtennisball beeinträchtigten die Datenerfassung nicht. Die neue mobile MEG-Technologie eröffnet sowohl für die Neurowissenschaften als auch für die Klinik eine Fülle neuer Untersuchungsmöglichkeiten, so die Forscher: Zukünftig kann die Aktivität bestimmter Hirnare­ale auch bei Bewegung im Raum erfasst werden und auch unruhige Personen wie beispielsweise Parkinsonpatienten eignen sich für die funktionelle Bild­gebung. Aufregend werden ihrer Einschätzung nach insbesondere die Messungen am reifenden Gehirn: Sie erwarten sich spannende Erkenntnisse über die bislang wenig erforschte Entwicklung des elektrophysiologischen Netzwerks während der frühen Kindheit. /

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