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Er lohnt sich

Der gute Dialog mit Mitarbeitern

28.03.2018
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»Ständig im Dialog mit den Mitarbeitern – wie mache ich das? Und wie mache ich es richtig?« Dass es für Apothekenleiter nicht immer einfach ist, mit dem Team im Gespräch zu bleiben, machte Dr. Jutta Degenhardt von der Treuhand Hannover deutlich.

 

Mit 11 Prozent machen die Personalkosten den größten Kostenblock für eine Apotheke aus. Gute Mitarbeiter seien aber auch der größte Erfolgsfaktor, weshalb es sich lohne, hier zu investieren, erklärte die Apothekerin – und spricht dabei nicht von Geld, sondern von guter Mitarbeiterführung. 

 

Denn: Wichtigster Motivationsfaktor sei laut aktuellen Studien die emotionale Bindung der Mitarbeiter an den Arbeitgeber. Doch was erwartet die jüngere Generation, die jetzt in der Apotheke einen Job sucht? An oberster Stelle stehe laut einer Umfrage unter 270 Hochschulabsolventen eine kollegiale Arbeitsatmosphäre, gefolgt von Work-Life-Balance und den Karrierechancen, so Degenhardt. Bemerkenswert sei hier vor allem, dass die Bezahlung erst auf Platz fünf rangiere.

 

Bei der Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Mitarbeiter eine emotionale Bindung an seinen Arbeitsplatz entwickelt, gibt es nach Aussage von Degenhardt eine ganze Reihe wichtiger Kriterien. So müsse der Arbeitnehmer beispielsweise wissen, was von ihm erwartet wird, das tun können, was er am besten kann, Anerkennung und Unterstützung erfahren, lernen und sich entwickeln können und einen guten Freund im Unternehmen haben.

 

Was sich stets auszahle, sei der ständige Dialog, so Degenhardt weiter. Sie berief sich dabei auf die sogenannten drei Z: »Zugänglichkeit« – der Chef ist für alle Themen ansprechbar, »Zuständigkeit« – der Chef weiß, woran die Mitarbeiter arbeiten und »Zielorientierung« – der Chef unterstützt die Stärken der Mitarbeiter und begleitet diese bei der Priorisierung. »Das ist ein langer Weg. Hier hilft nur, sich die Zeit auch zu nehmen.«

 

Zu beachten sind laut Degenhardt auch die Unterschiede zwischen den Generationen: »Diese müssen Arbeitgeber alle unter einen Hut bekommen.« So seien die karriereorientierten Babyboomer völlig anders eingestellt als beispielsweise die Generation Y, die zwischen 1980 und 2000 Geborenen. Diese hinterfragten stark, suchten nach Sinn und stellten Freude im Job über Prestige. Die danach folgende Generation Z wiederum sei aufgrund der vielen Möglichkeiten orientierungslos und probiere sich aus.

 

»Und vor allem diese Generation ist interessiert an Feedback!«, so Degenhardt. Dies sei ein besonders wichtiges Instrument. »Feedback ist ein sehr gutes Mittel, aus Konflikten Positives zu schöpfen.« Auch hier gebe es eine ganze Liste an Kriterien, die es zu beachten gelte, um konstruktiv in einen Dialog einzusteigen. Wichtig sei eine Rückmeldung vor allem wegen des sogenannten blinden Flecks. Degenhardt: »Das nehmen andere an Ihnen wahr und ist Ihnen nicht bewusst. Dieser blinde Fleck sollte kleiner werden und das sollte der Grund eines Feedbacks sein.«

 

Und wenn es knirscht? Hier seien verschiedene Eskalationsstufen zu beachten, innerhalb derer es je nach Phase des Konflikts und dem Zeitpunkt des Eingreifens durch den Vorgesetzten die Möglichkeiten gebe, aus dem Konflikt mit einer Win-win-, Win-lose- oder Lose-lose-Situation herauszugehen. Degenhardt empfahl: »Steigen Sie nicht zu früh ein, noch nicht bei kleinen Zankereien. Aber sprechen sie den Konflikt frühzeitig an, am besten mit konstruktivem Feedback.«

 

Wichtig für Gespräche generell – seien es Bewerbergespräche oder Einzelgespräche mit Mitarbeitern – ist Degen­hardt zufolge die Vorbereitung. Hier müsse der Arbeitgeber den Rahmen genau abstecken, offene Fragen stellen und am Ende stets konkrete Verabredungen treffen. Hinterher müsse man reflektieren: Was ist mir in diesem Gespräch gut gelungen, was könnte besser laufen?

 

»Arbeiten Sie an sich! Sie werden immer besser und kommen in einen immer besseren Dialog mit Ihren Mitarbeitern«, schloss Degenhardt. /

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