Pharmazeutische Zeitung online

Sperma-Check per Smartphone

29.03.2017
Datenschutz bei der PZ

dpa / US-amerikanische Forscher haben ein Sperma-Check-System für das Smartphone entwickelt. Der Test könne unkompliziert und in privater Umgebung eingesetzt werden und zum Beispiel ungewollt kinderlose Paare auf mögliche Probleme mit der Furchtbarkeit hinweisen, schreiben sie im Fachjournal »Science Translational Medicine« (DOI: 10.1126/scitranslmed.aai7863). Bisher existiere er allerdings nur als Prototyp, ein Zulassungsantrag bei den zuständigen US-Behörden sei geplant.

 

Weltweit hätten bis zu 12 Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens Probleme mit der Fruchtbarkeit, schreiben die Forscher um Dr. Hadi Shafiee von der Harvard Medical School in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. 

Für viele Männer sei die Hürde hoch, ihre Spermaqualität testen zu lassen. »Männer müssen eine Spermaprobe in diesen Zimmern in Krankenhäusern abgeben, eine Situation, in der sie oft Stress, Peinlichkeit, Pessimismus und Enttäuschung empfinden«, erläutert Shafiee. »Wir wollten einen Fruchtbarkeits-Test für Männer anbieten, der ähnlich einfach und preisgünstig ist wie ein Schwangerschafts-Heimtest.«

 

Das von ihnen entwickelte Testsystem besteht aus einem optischen Zubehörteil, auf dem das Smartphone befestigt wird. Die nicht weiter aufbereitete Spermaprobe wird auf eine Art Einmal-Chip geladen, der dann in das Zubehörteil geschoben wird. Binnen weniger Sekunden analysiert die Kamera des Smartphones dann Spermienkonzentration und -beweglichkeit in der Probe, schreiben die Forscher. Eine App führt den Nutzer demnach durch die Anwendung. Die Materialkosten beliefen sich auf umgerechnet gut 4 Euro, heißt es.

 

Das Team um Shafiee testete das System an 350 Spermaproben und verglich die Genauigkeit mit herkömmlichen Methoden zur Spermabeurteilung. Ihr Ergebnis: Das System erlaubt eine verlässliche Beurteilung der Spermienqualität basierend auf den Qualitätskriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Mit einer Genauigkeit von etwa 98 Prozent entdeckte es Proben mit einer Konzentration von unter 15 Millionen Spermien pro Millimeter und/oder einem Anteil beweglicher Spermien von weniger als 40 Prozent, berichten die Wissenschaftler. Auffällige Spermaproben identifizierte es genauso gut wie die herkömmlichen Methoden, also die manuelle oder computergestützte Beurteilung der Spermienqualität unter dem Mikroskop. /

 

Mehr von Avoxa