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Entlassrezept

Kliniken wollen flexibler verordnen

25.03.2015  09:45 Uhr

Von Stephanie Schersch / Die Deutsche Krankenhaus­gesellschaft (DKG) begrüßt die geplante Möglichkeit für Kliniken, Patienten bei deren Entlassung Arzneimittel zu verordnen. Mit Blick auf die Größe der Medikamentenpackungen wünscht sie sich allerdings mehr Spielraum. Aus Sicht der ABDA sollten Kliniken zudem grundsätzlich nur Wirkstoffe verordnen.

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz will die Bundesregierung unter anderem die Versorgung der Patienten nach einem Klinikaufenthalt verbessern. Krankenhäuser sollen ihren Patienten bei Entlassung daher künftig regulär ein Rezept über die jeweils benötigten Präparate mitgeben dürfen. Der Versicherte spart sich damit den Weg zum niedergelassenen Arzt und kann stattdessen direkt in die Apotheke gehen.

 

Nicht immer auf Lager 

Verordnen dürfen die Kliniken allerdings stets nur die kleinste Packung nach Packungsgrößenverordnung, bei Tabletten also etwa die Packung mit der geringsten Stückzahl. Im Grundsatz sei diese Vorgabe sicher sachgerecht, schreibt die DKG in einer Stellungnahme zu dem Gesetz. Unter Umständen seien diese Präparate in der Apotheke jedoch nicht immer sofort verfügbar. Denn bei mehreren Wirkstoffen werde die kleinste Packung lediglich von wenigen oder nur einem einzigen Hersteller angeboten. Daher könnten Patienten ihre Arzneimittel in vielen Fällen »nur mit erheblichen Verzögerungen und zusätzlichem Aufwand erhalten«.

 

Die Krankenhausgesellschaft drängt deshalb auf eine Änderung im Entwurf für das Versorgungsstärkungsgesetz. Demnach sollten sich die möglichen Ver­ordnungen nicht auf die jeweils kleinsten Packungen beschränken, sondern vielmehr auf Packungen mit dem kleinsten Größenkennzeichen. Arzneimittelpackungen der Größe N1 reichen in der Regel für eine Behandlungsdauer von zehn Tagen. Allerdings sind Schwankungen erlaubt. So dürfen sie auch 20 Prozent mehr oder weniger beinhalten als für zehn Tage erforderlich. Die DKG sieht darin einen weiteren Vorteil. Auf diese Weise könnten Klinikärzte ihre Verschreibungen an der Therapiedauer im individuellen Fall ausrichten und gezielt ein Präparat mit der dafür jeweils erforderlichen Menge verordnen.

 

Die ABDA unterstützt die Forderung der Krankenhäuser grundsätzlich. Sie möchte allerdings stärker in die konkrete Ausgestaltung des Verordnungsrechts eingebunden werden. Laut Gesetzentwurf sollen nur Krankenkassen, Ärzte und Kliniken über diesen Punkt verhandeln. Bereits heute sorgten Rezepte aus Krankenhäusern jedoch häufig für Probleme, argumentiert die ABDA. Apotheker müssten mit Klinikärzten dann oftmals Rücksprache halten, was sehr aufwendig sei.

 

Um diese Schwierigkeiten bereits im Vorfeld auszuräumen, müssten die Apotheker in die Ausarbeitung der Vorgaben zur Bedruckung der Rezepte eng eingebunden werden, heißt es. »Dies auch, um die Krankenhäuser und Ärzte bereits zu Beginn des Prozesses für Fragen der Abgabe zu sensibilisieren.«

 

Nur Wirkstoffe

 

Aus Sicht der Bundesvereinigung sollten Krankenhäuser zudem grundsätzlich nur Wirkstoffe verordnen. Auf diese Weise könnten Apotheker den Patienten versorgen, »ohne dass dieser bei einem möglichen Austausch auf ein rabattvertragliches Arzneimittel Umstellungs- oder Complianceprobleme hat«.

 

Wie bereits der Bundesrat hält die ABDA darüber hinaus eine Klarstellung für erforderlich, um die Einschaltung privater Rezeptvermittler zu verhindern. In ihrer Stellungnahme verweisen die Apotheker dabei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2014. Damals hatten die Richter die Vermittlung von Rezepten durch einen privaten Anbieter unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Die ABDA möchte die Passage zum Entlassmanagement im Versorgungsstärkungsgesetz daher um den Hinweis ergänzen, dass Vorgaben wie das Zuweisungsverbot im Sozialgesetzbuch V beziehungsweise im Apothekengesetz zu beachten sind.

 

Enger zusammenarbeiten

 

Dem Bundesverband klinik- und heimversorgender Apotheker (BVKA) geht ein solcher Verweis nicht weit genug. Viele Krankenhäuser wollten das Management der Anschlussversorgung mit Arzneimitteln auslagern, sagte BVKA-Chef Klaus Peterseim. Kliniken und Apotheken müssten daher die Möglichkeit haben, in diesem Punkt entsprechend enger zusammenzuarbeiten. Nur so ließe sich die Einschaltung privater Rezeptvermittler zuverlässig verhindern.

Der Verband schlägt vor, das Apothekengesetz um einen neuen Paragrafen 12b zu ergänzen. Demnach sollen Kliniken und Apotheken spezielle Kooperationsverträge schließen können, um die unmittelbare Arzneimittelversorgung der Patienten nach deren Entlassung sicherzustellen. Die freie Apothekenwahl des Patienten dürfen diese Abkommen allerdings nicht einschränken, darüber hinaus müssen Apotheke und Klinik in räumlicher Nähe zueinander liegen.

 

Der Vertrag sollte nach Vorstellung des BVKA unter anderem die Kommunikationswege regeln und möglichst mehrere Apotheken einschließen. Mit einer entsprechenden Regelung hätten öffentliche Apotheken dann die Möglichkeit, »sich auf gesicherter gesetzlicher Grundlage an der Koordinierung der nahtlosen Anschlussversorgung der Patienten zu beteiligen«. Ähnliche Vorgaben gibt es bereits heute für die Arzneimittelversorgung von Heimbewohnern durch Apotheken.

 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) würde die geplante Regelung zur Entlassverordnung am liebsten komplett aus dem Gesetz streichen. Bei vielen Arzneimitteln sei die kleinste Packungsgröße im Handel gar nicht erhältlich, so der Verband. Der Apotheker müsse dann unter Umständen eine größere Packung abgeben, was letztlich unwirtschaftlich sei. Damit würde zudem das Ziel verfehlt, die Versorgung lediglich während des Übergangs aus dem stationären in den ambulanten Sektor sicherzustellen.

 

Nach Meinung der Kassenärzte bedeutet die geplante Regelung zudem unnötigen Aufwand für die Patienten. Diese seien nach einem Klinikaufenthalt häufig wenig mobil und müssten dennoch eine Apotheke aufsuchen, um das Rezept einzulösen. Probleme gebe es vor allem dann, wenn die Apotheke das entsprechende Arzneimittel nicht auf Lager habe.

 

Arzneimittel aus der Klinik

 

Krankenhausärzte sollten ihren Patienten die erforderlichen Medikamente bei Entlassung daher grundsätzlich besser direkt mitgeben, argumentiert die KBV. Auf diese Weise sollen die Versicherten einen Zeitraum von mindestens drei Tagen überbrücken können. Fällt der dritte Tag nach Entlassung auf einen Sonn- oder Feiertag, müsse die Klinik eine entsprechend größere Menge Arzneimittel mitgeben, um die Versorgung bis zum nächsten Arbeitstag sicherzustellen, heißt es. /

ABDA fordert mehr Geld für Parenteralia

Die ABDA drängt auf eine bessere Vergütung für die Herstellung parenteraler Rezepturen. Zur Begründung verweist sie auf neue Vorgaben der Apothekenbetriebsordnung. Seit Juni 2012 gibt es strengere Anforderungen etwa an die räumlichen Bedingungen und den Herstellungsprozess. All das bringe »einen erheblichen finanziellen Mehraufwand« mit sich, schreibt die ABDA in einer Stellungnahme zum Versorgungsstärkungsgesetz.

 

Die zuletzt im November 2011 angehobenen Zuschläge für die Herstellung parenteraler Rezepturen in der Arzneimittelpreisverordnung würden den gestiegenen Anforderungen nicht gerecht. Das Gleiche gelte für die in Anlage 3 der Hilfs­taxenvereinbarung festgeschriebenen Arbeitspreise, so die ABDA. Nach ihrer Vorstellung sollten Apotheker etwa für zytostatikahaltige Lösungen künftig eine Zuschlag von 120 Euro statt wie bislang 90 Euro erhalten.

 

Das Versorgungsstärkungsgesetz sieht bislang kein Vergütungsplus für Apotheker vor. Allerdings soll der Kassenabschlag in Zukunft auf einer Höhe von 1,77 Euro festgeschrieben werden. Eine Anpassung des Apothekenhonorars soll dann nur noch über die Arzneimittelpreisverordnung erfolgen.

 

Die ABDA begrüßt dieses Vorhaben grundsätzlich. Sie fordert jedoch, eine regelmäßige Überprüfung der Packungspauschale in das Gesetz zu schreiben. Das Fixum soll demnach mindestens alle zwei Jahre auf den Prüfstand kommen. Ein solches Prozedere gebe es heute bereits bei Ärzten und Krankenhäusern, argumentieren die Apotheker.

 

Wichtig ist der Bundesvereinigung, dass ein möglicher Anstieg des Rohertrags bei der Anpassung der Pauschale nicht vollumfänglich gegengerechnet wird. Andernfalls sinke der Ertrag der Apotheker, die damit dauerhaft von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt würden, heißt es. Rohertragszuwächse aufgrund rezeptpflichtiger Fertigarzneimittel sollten daher grundsätzlich nicht in die Berechnungen einfließen.

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