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ARMIN

»Wir werden das genau beobachten«

26.03.2014
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Von Daniel Rücker und Ev Tebroke / Zum Start der Arzneimittel­initiative Sachsen-Thürungen (ARMIN) haben wir die gesundheitspolitischen Sprecher von SPD und CDU, Hilde Mattheis und Jens Spahn, um eine Einschätzung gebeten. Der Tenor ist positiv, aber es gibt auch kritische Töne. Das Interview haben wir schriftlich geführt.

PZ: Was ist aus Ihrer Sicht der Hauptnutzen von ARMIN?

 

Mattheis: Wir erhoffen uns endlich eine bessere Behandlungsqualität für die Patientinnen und Patienten. Unerwünschte Wechselwirkungen, schlechte Compliance und Medikationsfehler sind vermeidbare Qualitätsmängel, die abgestellt werden müssen. Ob diese Ziele erreicht werden, wird sich erst noch zeigen müssen.

Spahn: Ich glaube, ein gemeinsames Medikationsmanagement hilft vor allem multimorbiden Patienten. Sie müssen viele verschiedene Medikamente nehmen, oft treten dadurch Probleme auf. Die arzneimittelbezogenen Probleme können reduziert werden. Das bedeutet mehr Therapiesicherheit und damit auch mehr Lebensqualität für die Patienten. Ein positiver Effekt ist auch, dass der Arzt sich auf die Behandlung konzentrieren kann, wenn er nur den Wirkstoff verschreibt und die Arzneimittelfragen den Apothekern überlässt.

 

PZ: Wo sehen Sie Schwächen?

 

Mattheis: Leider ist nur eine einzige Kasse an dem Modellprojekt beteiligt. Wir hätten uns hier eine breitere Teilnahme gewünscht. Vielleicht kann hier ja noch nachgebessert werden.

 

Spahn: Da müssen wir den Start abwarten. Wir werden das genau beobachten und wenn nötig reagieren. Deshalb ist ja auch ein Modellversuch in einer überschaubaren Region sinnvoll.

 

PZ: Was muss das Modell leisten, damit es Teil der Regelversorgung werden könnte?

 

Mattheis: Mit der Bewertung sollten wir warten, bis Ergebnisse vorliegen. Ich halte nichts davon, vor Beginn des Modellprojekts schon über eine Überführung in die Regelversorgung zu spekulieren.

 

Spahn: Ganz einfach: Es muss in der Praxis funktionieren und für alle Beteiligten, insbesondere für die Patienten, Verbesserungen bringen.

 

PZ: Wie wichtig ist generell die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern in der ambulanten Versorgung?

Mattheis: Sie sollte doch selbstverständlich sein. Und nach meiner Erfahrung ist das in der Praxis auch in den allermeisten Fällen so. Wenn wir im Rahmen des Modellprojektes durch eine bessere Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern die Versorgungsqualität verbessern können, dann ist das ein wichtiger Schritt.

 

Spahn: Fundamental wichtig. Beide Heilberufe sind unmittelbar aufeinander angewiesen. Die Ärzte setzen auf die pharmakologische Expertise der Apotheker und diese unterstützen den Arzt bei der Behandlung, in dem sie für eine bestmögliche Versorgung der Patienten mit Medikamenten sorgen.

 

PZ: Wird sich die ambulante Versorgung grundsätzlich ändern, wenn ARMIN ein Erfolg wird?

 

Mattheis: Das bleibt abzuwarten.

 

Spahn: Wenn das Modell funktioniert und die Zusammenarbeit klappt, wird die Versorgung für den einzelnen Patienten besser. Die Medikamente werden individuell auf ihn abgestimmt, Nebenwirkungen werden reduziert. Das bedeutet in vielen Fällen erheblich mehr Lebensqualität. /

Im Wettkampf mit der GKV und vor dem andauernden politisch diskutierten Szenario einer möglichen Bürgerversicherung wollen sich die privaten Versicherer besser aufstellen. Vor allem auch ein Jahr für Jahr steigender Mehrumsatz der PKV bei den Arzneimittelausgaben, nicht zuletzt aufgrund hoher Preise für neue Medikamente, macht nach Angaben von Laue Reformen nötig. Demnach ist die Generika-Quote in der PKV mit 60 Prozent nach wie vor wesentlich niedriger als in der GKV (90 Prozent). Um die Kosten zu steuern, ist daher für die Privatversicherer unter anderem eine engere Zusammenarbeit mit den Apothekern attraktiv.

 

Mehr Freiheit

 

Beim Thema Aut-idem plädiert der PKV-Verband für eine freiheitliche Lösung. Eine gemeinsame Initiative mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) soll den Gesetzgeber dazu anregen, Näheres im Arzneimittelgesetz in einem zu schaffenden § 49 zu regeln. Laue schlägt diesbezüglich die Verankerung einer Kann-Regelung vor, die die The­rapiefreiheit des Arztes erhält: »Die Verschreibung von Arzneimitteln erfolgt mit der Möglichkeit der Ersetzung durch wirkstoffgleiche Arzneimittel. Die Ersetzung des Arzneimittels durch wirkstoffgleiche Arzneimittel kann vom Arzt ausgeschlossen werden.« Apotheker sollen zudem austauschen dürfen aber nicht müssen. Auch der Patient soll frei entscheiden können, ob er einen Austausch zugunsten eines wirkstoffgleichen, aber kostengünstigeren Medikaments wünscht. Der neue Paragraf soll dem PKV-Verband zudem grundsätzlich erlauben, mit dem DAV »Ziele zugunsten einer qualitätsgesicherten Arzneimittelversorgung von Privatversicherten vereinbaren« zu können. Die Politik hält sich Laue zufolge bislang bedeckt und habe hinsichtlich des Vorschlags noch »Prüfbedarf« angemeldet. Laue vermutet aber eher koalitions­interne Differenzen.

 

Was das Thema Medikations­management betrifft, so haben Laue zufolge erste Privatversicherer das Poten­zial erkannt. »Erste Verträge liegen bereits vor«, sagte der PKV-Verbandschef. Solch ein Serviceangebot schaffe Wettbewerb unter den PKV-Unternehmen. Hier hofft Laue auf die Mithilfe der Apotheker. Er setzt dabei auf den Einsatz einer versicherten­zentrierten Gesundheitsakte und das das damit mögliche Zusammenspiel aller Beteiligten.

 

Was die Direktabrechnung von Rezepten betrifft, so arbeiten viele Privatversicherer und Apotheker bereits zusammen. Auch dieser Service, bei dem Apotheken die Arzneimittelkosten des Privatpatienten direkt mit der Versicherung abrechnen, sei ein wichtiges Wettbewerbsinstrument, so Laue. /

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