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Zusatznutzen von Weißdorn belegt

28.03.2006
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KHK-assoziierte Herzinsuffizienz

Zusatznutzen von Weißdorn belegt

von Kerstin A. Gräfe, Maastricht

 

Zusätzlich zur Standardtherapie gegeben, verbessert Weißdorn-Spezialextrakt in frühen Stadien der KHK-assoziierten Herzinsuffizienz die Symptome und die Lebensqualität der Betroffenen. Dies belegt eine Beobachtungsstudie mit rund 700 Patienten.

 

»Ziel der Anwendungsbeobachtung war es, zu untersuchen, ob sich unter einer Therapie mit Weißdorn-Extrakt die Lebensqualität und Leitsymptome einer KHK-assoziierten Herzinsuffizienz verbessern«, sagte Professor Dr. Michael Koller auf einer von Dr. Wilmar Schwabe unterstützten Veranstaltung. Denn etwa 54 bis 70 Prozent der Patienten mit Herzinsuffizienz hätten zugleich eine koronare Herzerkrankung (KHK), so der Leiter »Zentrum für Klinische Studien« am Universitätsklinikum Regensburg.

 

An der prospektiven offenen nicht randomisierten Kohortenstudie nahmen 711 Patienten mit Herzinsuffizienz im Stadium II und begleitender KHK teil. Sie erhielten entweder sechs Monate lang nur eine Standardtherapie (Vergleichs-Kohorte) oder zusätzlich zur Standardtherapie täglich 900 mg Weißdorn-Spezialextrakt WS® 1442 (Crataegutt® novo 450). Dabei wurden in der Vergleichskohorte am häufigsten ACE-Hemmer, Diuretika und Nitrate verordnet. Als primärer Endpunkt galt die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Patienten. Diese wurde mit Hilfe des Fragebogens »Profil der Lebensqualität chronisch Kranker« quantifiziert, der die sechs Bereiche Leistungsvermögen, Genussfähigkeit, positive Stimmung, negative Stimmung, Kontaktvermögen und Zugehörigkeitsgefühl umfasst. Weitere Endpunkte waren die Leitsymptomatik der Herzinsuffizienz und die Anzahl ischämischer Attacken.

 

Am Studienende zeigte sich ein deutlicher Zusatznutzen der Weißdorn-Gabe: Bei signifikant mehr Patienten (59,9 versus 43,3 Prozent) besserte sich die Erkrankung nach Einschätzung der behandelten Ärzte vom Stadium NYHA II auf NYHA I, wenn zusätzlich zur Standardtherapie Weißdorn-Spezialextrakt gegeben wurde. Auch die Lebensqualität und Leitsymptome der Herzinsuffizienz wie Leistungsminderung (33,3 versus 26,9 Prozent), Müdigkeit (39,8 versus 26,9 Prozent), Belastungsdyspnoe (37,3 versus 31,7 Prozent) und Palpitationen (43,4 versus 32,5 Prozent) besserten sich in der Crataegus-Kohorte signifikant stärker als in der Vergleichsgruppe. Hinsichtlich des Auftretens von Angina-pectoris-Anfällen unterschieden sich die beiden Kohorten allerdings nur marginal: Innerhalb der sechs Monate traten in beiden Gruppen durchschnittlich drei Anfälle pro Patient auf.

 

Kann Weißdorn Leben retten?

 

Ob der Crataegus-Spezialextrakt WS 1442 auch einen Einfluss auf die Mortalität hat, wird seit 2001 erstmals in der SPICE-Studie (Survival and Prognosis Investigation of Crataegus Extrakt WS 1442) untersucht. Dabei handelt es sich um eine randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 2600 Patienten im NYHA-Stadium II und III. Die Patienten erhalten 24 Monate lang zusätzlich zur Standardtherapie entweder täglich 900 mg des Extrakts oder Placebo. Primärer Endpunkt ist die Zeit bis zum ersten kardialen Ereignis. Als kardiales Ereignis definiert ist der kombinierte Endpunkt aus Herztod, nicht tödlichem Herzinfarkt und Hospitalisierung auf Grund einer Verschlimmerung der Herzinsuffizienz. Erste Ergebnisse könnten noch dieses Jahr bekannt gegeben werden.

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