Pharmazeutische Zeitung online
Aussagen zur Grippeimpfstoff-Versorgung

Wettbewerbszentrale rügt BPI

21.03.2018  10:45 Uhr

Von Anna Pannen / Die Wettbewerbszentrale hat den Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) wegen seiner Äußerungen zur Grippeimpfstoff-Vereinbarung in Norddeutschland abgemahnt. Das bestätigte eine Sprecherin auf Anfrage. Die Mitteilung des BPI aus der vergangenen Woche enthalte irreführende Aussagen, erklärte sie.

Der Herstellerverband hatte behauptet, eine Vereinbarung über den Preis für quadrivalente Grippeimpfstoffe in der Saison 2018/2019 zwischen der AOK Nordost und drei regionalen Apothekerverbänden sei nicht rechtmäßig und gefährde die Versorgung. Es sei nur ein einziger Hersteller berücksichtigt worden, was de facto einem Rabattvertrag entspreche. Rabattverträge sind für Impfstoffe bekanntermaßen nicht mehr erlaubt.

AOK und Apothekerverbände hatten diese Kritik schon in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Man habe keinen Rabattvertrag geschlossen. Ärzte könnten auch in der kommenden Saison Grippeimpfstoffe aller Hersteller verordnen und Apotheker sie abgeben, erklärten sie. Tatsächlich hat bislang jedoch nur ein Pharmaunternehmen angekündigt, den Vierfach-Impfstoff zu den in der Vereinbarung vorgesehenen günstigen Konditionen zu liefern. Das erklärt den Ärger des BPI, denn andere Produzenten müssen nun nachziehen, wenn sie wollen, dass Apotheker ihre Präparate ebenfalls bestellen.

 

AOK und Apothekerverbände hatten sich verärgert über die Behauptung gezeigt, ihre Vereinbarung gefährde die Versorgung. Das Gegenteil sei der Fall: Seitdem es im Nordosten Grippe-Impfstoff-Vereinbarungen gebe, kämen Lieferengpässe dort nicht mehr vor. In anderen Regionen des Landes dagegen schon. Viele Tageszeitungen hatten jedoch die Argumentation des BPI übernommen. Die Wettbewerbszentrale prüft nun, gerichtlich gegen den BPI vorzugehen. /

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