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Krebstherapie

Resistenzen überwinden

23.03.2016
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Von Sven Siebenand / Forscher der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der britischen Universität von Kent sind einem Medikament zur Überwindung von Resistenzen bei Krebstherapien ein Stück näher gekommen. Einer Pressemitteilung der Goethe-Universität zufolge ist die Funktion der ABC-Transporter (ATP-binding cassette-Transporter) wahrscheinlich der wichtigste Resistenzmechanismus in Krebszellen. Dabei handelt es sich um Wirkstoffpumpen, die Arzneistoffe aus Krebszellen wieder hinaustransportieren. ABCB1, auch P-Glykoprotein (P-gp) oder Multi-drug resistance-Gen 1 (MDR1) genannt, ist die bedeutsamste unter ihnen.

Frühere Versuche, auf P-gp als Teil einer Krebstherapie abzuzielen, waren jedoch gescheitert. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass es an vielen Orten im Körper vorkommt, insbesondere an Gewebegrenzen wie dem Übergang zwischen Magen und Darm sowie Blutbahn und Gehirn. Das hatte dazu geführt, dass Medikamente, die P-gp hemmen, nicht geeignet waren für das gewünschte Zusammenspiel von Krebsmedikamenten mit P-gp auf Krebszellen. Stattdessen wurde die Verteilung vieler verschiedener Wirkstoffe und Nahrungs­bestandteile im Körper beeinflusst, was zu toxischen Nebenwirkungen führte.

Die Forscher aus Deutschland und Großbritannien konnten nun zeigen, dass gewisse P-gp-Inhibitoren in besonderer und anderer Weise mit dem P-gp-vermittelten Transport bestimmter Krebsmedikamente zusammenspielen. Dies stelle einen ersten Schritt hin zur Entwicklung maß­geschneiderter Kombinationen von Krebsmedikamenten und P-gp-Hemmern dar, die spezifisch die Ansammlung von Krebsmedikamenten in P-gp-exprimierenden Krebszellen hervorrufen, aber keinen Einfluss auf die Verteilung anderer Medikamente oder Nahrungsmittelbestandteile im Körper haben.

 

Wie der Originalpublikation in der Fachzeitschrift »Oncotarget« zu entnehmen ist, handelt es sich bei diesen Arzneistoffkandidaten um Derivate der Pirinixinsäure (DOI: 10.18632/oncotarget.7345). Diese werden auch für andere Zwecke erforscht, zum Beispiel als Aktivatoren von Peroxisomen Proliferator-aktivierten Rezeptoren (PPAR) sowie als Inhibitoren von Schlüssel­enzymen der Arachidonsäurekaskade. Den stärksten Effekt auf P-gp fanden die Wissenschaftler bei dem Pirinixinsäure-Derivat LP117. Diese Substanz griff unter anderem störend in den Transport von Krebswirkstoffen wie Vincristin, Vinorelbin, Dactino­mycin und Paclitaxel ein. /

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