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Pille danach

Frauenärzte kritisieren Beratung

23.03.2016
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Von Christina Müller / Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) macht die Apotheker für die steigende Zahl der Schwangerschaftsabbrüche verantwortlich. Die Qualität der Beratung in den Offizinen zur Notfallkontrazeption ist aus Sicht der Gynäkologen schlichtweg nicht gut genug.

Anlass für die Kritik an den Apothekern sind die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zu den Schwangerschaftsabbrüchen im vergangenen Jahr. Die Statistiker meldeten vor rund zwei Wochen für 2015 im Vergleich zu 2014 einen Rückgang der Abtreibungen um insgesamt 0,5 Prozent und damit die Fortsetzung eines jahrelangen Trends.

Der BVF interpretiert die Entwicklung anders: Der Trend setze sich lediglich im ersten Quartal 2015 fort. Für das zweite Quartal stellte der Verband fast ebenso viele Schwangerschaftsabbrüche fest wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs, in der zweiten Jahreshälfte 2015 stieg die Zahl sogar an.

 

Anstieg um 3,7 Prozent

 

»Ganz offensichtlich werden wesentliche Beratungsinhalte in der Apotheke nicht mit der notwendigen Dringlichkeit vermittelt«, sagte BVF-Präsident Christian Albring der Presseagentur dpa. »Der einzige zeitliche Zusammenhang, den wir hier sehen, ist die Tatsache, dass beide Arzneimittel zur Notfallverhütung seit Mitte März rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.« Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2014 verzeichnete das Statistische Bundesamt 23 392 Abtreibungen – 2015 waren es im gleichen Zeitraum 24 261. Das entspricht einem Anstieg um rund 3,7 Prozent. Mit Blick auf den steigenden Absatz von Präparaten zur Notfallverhütung schloss Albring, dass ein zunehmender Anteil der Dosen wirkungslos bleibe.

 

Auf Anfrage der PZ erklärte eine Sprecherin der ABDA, die Bundesver­einigung werde an der bisherigen Position festhalten. Demnach seien keinerlei Sicherheitsprobleme bei der Abgabe von Notfallkontrazeptiva durch die Apotheker festzustellen. »Die Apotheker beraten intensiv«, hatte der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, bereits im Februar erklärt. Der Anstieg der Nachfrage »war die logische Konsequenz aus der Absich­t des Gesetzgebers, Frauen den Zugang zu erleichtern und damit un­gewollte Schwangerschaften zu vermei­den«. /

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