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Tuberkuloseerreger zunehmend resistent

08.04.2008  17:36 Uhr

Tuberkuloseerreger zunehmend resistent

dpa / An keiner anderen behandelbaren Infektionskrankheit sterben so viele Menschen wie an Tuberkulose. Weltweit sind ihr etwa 1,5 Millionen Menschen im Jahr 2006 zum Opfer gefallen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor.

 

Die WHO appellierte anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März an die Staaten, im Kampf gegen die Erkrankung nicht nachzulassen. Die Experten sorgen sich vor allem um die weltweite Zunahme von Erregern, die gegen Antibiotika resistent sind. Auch in Deutschland bleibt die Tuberkulose (Tb) eine Gefahr, obwohl die Neuerkrankungen zurückgegangen sind. Im Jahr 2006 sank die Zahl der neu registrierten Fälle im Vergleich zum Jahr davor um rund 600 auf bundesweit 5402, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin mitteilte. Resistente Erreger erschwerten aber auch hierzulande den Kampf gegen die Tb. Demnach war der Behandlungserfolg bei Patienten, die mit einem multiresistenten Erreger infiziert waren, mit rund 68 Prozent deutlich niedriger als bei anderen Patienten mit einem sensiblen Stamm (80,5 Prozent). Die resistenten Bakterien kämen vor allem bei den im Ausland geborenen Patienten vor. An der Tuberkulose starben laut RKI 2006 bundesweit 201 Menschen. Von den neu registrierten Patienten wurde fast die Hälfte (43,3 Prozent) im Ausland geboren, davon knapp ein Fünftel in einem Nachfolgestaat der ehemaligen Sowjetunion.

 

Nach Angaben der WHO steigt die Zahl der Neuerkrankungen nicht mehr so stark wie bislang an. Demnach wurden 2006 weltweit 9,2 Millionen neue Fälle registriert. Während zwischen 2001 bis 2005 im Durchschnitt jedes Jahr 6 Prozent mehr Fälle entdeckt wurden, betrug die Steigerung 2006 nur 3 Prozent.

 

Neben der Zunahme resistenter Erreger machen sich die WHO-Experten vor allem über Tuberkulose unter Aids-Kranken Sorgen. Viele von ihnen sterben an Tb. Allein in Afrika träten 85 Prozent aller Fälle auf, in denen es eine Verbindung zwischen HIV und Tb gebe, sagte der Direktor des UN-Programms UNAIDS, Peter Piot. »Jeder mit einer HIV-Erkrankung sollte auch Zugang zu einer Tb-Prävention haben«, forderte Piot. »Bei vielen wird die Krankheit nicht erkannt, weil sie nicht getestet sind. Es mangelt an einfachster Diagnose.« Im Kampf gegen Tb fehle es vielerorts an Geld, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Für die weltweit 90 am meisten betroffenen Länder, in denen 91 Prozent aller Tb-Fälle auftreten, gibt es eine Finanzierungslücke von etwa einer Milliarde Dollar (642 Millionen Euro). Der WHO-Bericht beruht auf Erhebungen in 202 Ländern und Regionen.

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