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Ratiopharm

Merckle junior tritt ab

08.04.2008
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Ratiopharm

Merckle junior tritt ab

Von Bettina Sauer

 

Philipp Daniel Merckle, Sohn des schwäbischen Multimilliardärs Adolf Merckle, räumt seinen Platz an der Spitze von Ratiopharm. Sein Rücktritt ist Teil einer grundsätzlichen Umstrukturierung des familiären Firmengeflechts.

 

Schon zum Ende des Monats tritt Philipp Daniel Merckle als Geschäftsführer des Ulmer Generika-Herstellers Ratiopharm zurück. Das teilte er den Mitarbeitern vergangenen Donnerstag persönlich mit. Er werde in den Beirat der Unternehmensgruppe wechseln und sich weiterhin in der von ihm gegründeten Stiftung »World in Balance« engagieren. An seine Stelle tritt, wie Ratiopharm mitteilte, ab dem 1. April der Wirtschaftsingenieur Oliver Windholz.

 

Merckle hatte das Familienunternehmen vor zweieinhalb Jahren übernommen, als es gerade in der Krise steckte. Damals durchsuchte die Ulmer Staatsanwaltschaft die Wohnungen von Außendienstmitarbeitern, weil Verdacht auf Bestechung von Ärzten bestand. Merckle bemühte sich um eine »ethisch verantwortungsvolle Firmenphilosophie«, wie er noch vor wenigen Monaten in der PZ ausführte (siehe dazu Ratiopharm: Aufbruch mit neuer Philosophie, PZ 30/07).

 

Dieser Führungsstil sei bei den Mitarbeitern und innerhalb der Familie auf Kritik gestoßen und habe Ratiopharm Marktanteile und Margen gekostet. Das berichtete die »Stuttgarter Zeitung« vergangenen Freitag. Grundsätzlich soll sich dem Artikel zufolge kein Familienmitglied mehr direkt in der Geschäftsführung betätigen.

 

Ferner habe der Unternehmensgründer und Multimilliardär Adolf Merckle, 74, ein gemeinsames Holdingdach geschaffen. Darunter wolle er fortan die Aktivitäten seiner Firmen bündeln. Dazu zählen neben Ratiopharm auch der Baustoffkonzern HeidelbergCement und der Mannheimer Pharma-Großhändler Phoenix, der im Ausland Apothekenketten führt.

 

Der neuen Holding, dem »Merckle-Beirat«, können auch Familienmitglieder angehören. Chef wird aber ein familienfremder Manager, der Jurist Dr. Bernd Scheifele. Der enge Vertraute Adolf Merckles war langjähriger Vorstandsvorsitzender von Phoenix und ist seit 2005 Chef von HeidelbergCement. Diesen Posten wird er behalten. Auch Windholz kommt aus der Baustoffbranche. Bei Lithonplus, einer Marke von HeidelbergCement, war er Geschäftsführer.

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