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Brustkrebs ist bei Übergewicht aggressiver

08.04.2008  17:36 Uhr

Brustkrebs ist bei Übergewicht aggressiver

Von Christina Hohmann

 

Brustkrebspatientinnen mit Übergewicht haben aggressivere Tumore und eine höhere Mortalität als normalgewichtige Patientinnen. Auch für andere Krebsarten ist bekannt, dass der BMI sowohl das Erkrankungsrisiko als auch den Verlauf negativ beeinflusst.

 

»Je übergewichtiger eine Brustkrebspatientin ist, desto aggressiver verläuft die Erkrankung«, sagt Professor Dr. Massimo Cristofanilli vom Anderson Cancer Center der University of Texas. Das Fettgewebe könnte den Verlauf verschlimmern, indem es die Entzündung verstärkt, meint Cristofanilli. Seine Kollegen und er hatten 606 Frauen mit lokal fortgeschrittenem Brustkrebs ihrem Body-Mass-Index (BMI) nach in drei Gruppen aufgeteilt: Als normalgewichtig galten Frauen mit einem BMI von unter 24,9, übergewichtig waren Patientinnen mit einem Wert zwischen 25 und 30, als adipös galten Frauen mit einem BMI über 30.

 

Nach fünf Jahren betrug die Überlebensrate bei den adipösen Patientinnen 56,8 Prozent, bei den übergewichtigen 56,3 Prozent und bei den normalgewichtigen Frauen 67,4 Prozent. Nach zehn Jahren lebten noch 42,7 Prozent der Adipösen, 41,8 Prozent der Übergewichtigen und 56,6 Prozent der Normalgewichtigen, berichten die Forscher in der Ausgabe des Fachjournals »Clinical Cancer Research« vom 15. März (Band 14(6)). Zudem war die Rate der entzündlichen Brustkrebsform, die eine schlechtere Prognose hat als die nicht-entzündliche, bei Übergewicht erhöht. So wiesen 45 Prozent der adipösen Patientinnen und 30 Prozent der übergewichtigen einen entzündlichen Brustkrebs auf, während es bei den Normalgewichtigen nur 15 Prozent waren, berichten die Forscher.

 

Einen vergleichbaren Zusammenhang hatten US-amerikanische Forscher schon im vergangenen Jahr für das Prostatakarzinom nachgewiesen. Auch hier erhöht Übergewicht die Sterblichkeit, berichteten Jason Efstathiou und seine Kollegen im Fachjournal »Cancer« (Band 110, Ausgabe 12, Seiten 2691 bis 2699). In ihrer Untersuchung waren nach fünf Jahren weniger als 7 Prozent der normalgewichtigen, aber 13 Prozent der übergewichtigen Männer an ihrem Krebs gestorben.

 

Übergewicht verschlechtert aber nicht nur den Verlauf, es erhöht auch das Risiko, eine Krebserkrankung zu entwickeln. Dies zeigte eine kürzlich im Fachmagazin »Lancet« veröffentlichte Meta-Analyse (Band 371, Seiten 569 bis 578). Bei einer Reihe von Krebsarten steigt demnach das Erkrankungsrisiko mit dem BMI. Die stärkste Assoziation bestand beim Adenokarzinom des Ösophagus bei Männern. Ein Anstieg des BMI um 5 kg/m2 erhöhte das Risiko um relativ 55 Prozent. Auch beim Schilddrüsenkarzinom, Kolonkarzinom, Nieren-, Leber-, Gallenblasen- und Brustkrebs sowie bei weiteren Krebsarten war ein signifikanter Zusammenhang zwischen Übergewicht und Erkrankungsrisiko festzustellen.

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