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Digitalisierung

Alle wollen Taten sehen

13.03.2018
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Von Ev Tebroke / Konzertierter Appell an die Politik: Eine inhaltlich schlüssige Agenda zu Digitalisierung, das fordern sechs große Organisationen und Verbände aus dem Gesundheitswesen. In einer gemeinsamen Erklärung benennen sie die wichtigsten Eckpfeiler.

Eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots für Ärzte, ein dauerhaftes Innovationsbudget für digitale Versorgungsmodelle, eine verstärkte Einbindung von Medizin-Informatikern im Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses, das sind nur einige zentrale Aspekte, die ein Verbund von sechs Organisationen und Verbänden aus dem Gesundheitswesen dringend umgesetzt wissen will. Die Digitalisierung sehen sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

 

In ihrem konzertierten Appell für eine zügige Digitalisierung des Gesundheitswesens fordern sie die Politik auf, zusammen mit Kostenträgern und Leistungserbringern endlich eine schlüssige Agenda zu erarbeiten und diese dann auch konsequent umzusetzen. Unterzeichner der gemeinsamen Erklärung sind das Aktionsbündnis Patientensicherheit, der Bundesverband Managed Care, der Bund zur Verbreitung digitaler Innovationen im Gesundheitswesen, das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung, die Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen und der Verband digitale Gesundheit.

 

Mit ihrer Erklärung wollen die Beteiligten »einen inhaltlichen Impuls setzen und dokumentieren, dass trotz unterschiedlicher Interessenlagen die Verständigung auf Eckpfeiler für eine digitale Transformation des Gesundheitswesens inhaltlich möglich ist«.

 

Grundsätzlich kritisieren die oben genannten Organisationen, dass Patienten immer noch nicht digital über ihre Daten verfügen können, obwohl sie laut Bürgerlichem Gesetzbuch längst einen Rechtsanspruch darauf haben. Dieser Anspruch werde im Rahmen der ab 25. Mai in Deutschland verbindlichen Europäischen Datenschutz Grundverordnung nochmals deutlich konkreter.

 

Um den Wildwuchs zahlreicher Insellösungen zu verhindern, fordern die Autoren, die Interoperabilität digitaler Anwendungen und Lösungen zu sichern und das Sozialgesetzbuch entsprechend zu ergänzen. Was die Lockerung des Fernbehandlungsverbots für Ärzte angeht, so soll hier der kommende Ärztetag im Mai ein Zeichen setzen. Die Bundesärztekammer hatte zuletzt allerdings auch schon angedeutet, die Musterberufsordnung für Ärzte entsprechend anpassen zu wollen.

 

In Anlehnung an den kürzlich vom Bundesgesundheitsministerium vorgestellten Nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz fordern die Autoren, auch die digitale Gesundheitskompetenz zu fördern. Und zwar nicht nur bei den Patienten sondern auch in der Politik und bei allen Akteuren des Gesundheitswesens. So sollten etwa Heilberufler grundsätzlich befähigt sein, Patienten bei der Auswahl der für sie geeigneten digitalen Gesundheitsangebote beraten zu können. Hierzu gelte es, entsprechende Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote zu schaffen, so die Forderung. /

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