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Gelbfieber in Brasilien

Städte in Gefahr

15.03.2017
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Der ungewöhnlich große Gelbfieber-Ausbruch in Brasilien bereitet den internationalen Gesundheitsbehörden Sorgen. Insbesondere eine mögliche Ausbreitung auf große Städte wird befürchtet.

Im »New England Journal of Medicine« meldet sich jetzt der Direktor des US-amerikanischen Instituts für Allergie und Infektionskrankheiten (NIAID) zu Wort. Es bestehe die Gefahr, dass der Gelbfieber-Ausbruch sich innerhalb und außerhalb Brasiliens deutlich ausbreitet, schreibt Dr. Anthony Fauci (DOI: 10.1056/NEJMp1702172). Er ruft Mediziner in den USA und anderen bisher nicht betroffenen Gebieten Nord-, Mittel- und Südamerikas auf, sich über die typischen Gelbfieber-Symptome zu informieren und bei entsprechenden Krankheitszeichen hellhörig zu werden – besonders bei Reiserückkehrern aus betroffenen Gebieten.

Der aktuelle Ausbruch in Brasilien begann im Januar dieses Jahres. Bis Ende Februar gab es 134 bestätigte Erkrankungen und 80 bestätigte Todesfälle in den Bundesstaaten Minas Gerais, Espírito Santo und São Paulo. Bislang handelt es sich ausschließlich um einen sogenannten silvatischen Zyklus (von Lateinisch silva = Wald), bei dem das Virus von im Wald lebenden Mückenarten auf waldbewohnende nicht menschliche Primaten übertragen wird. Der Mensch dient hier nur versehentlich als Wirt.

 

Urbaner Zyklus

 

Davon abzugrenzen ist der sogenannte urbane Zyklus, bei dem ausschließlich die gut an Städte angepasste Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) das Virus auf den Menschen als virämischem Wirt überträgt. Diese Art der Verbreitung kann – gerade in Populationen ohne Immunität gegen den Erreger – zu hohen Erkrankungszahlen führen. Da sich die momentan betroffenen Gebiete in der Nähe von großen Städten befinden, sieht Fauci die Gefahr, dass sich in Brasilien erstmals seit Jahrzehnten auch ein urbaner Zyklus etablieren könnte.

 

Das Gelbfieber-Virus sei nach dem Dengue-, West-Nil-, Chikungunya- und zuletzt dem Zikavirus das fünfte von Arthropoden übertragene Virus, das den amerikanischen Kontinent in der jüngsten Vergangenheit neu oder wieder erreichte. Letzteres hatte sich nach seinem ersten Auftreten im Jahr 2015 innerhalb kürzester Zeit in 60 Ländern und Regionen verbreitet und auch die USA erreicht. Eine USA-weite Epidemie sei beim Gelbfieber-Virus zwar nicht zu befürchten, aber kurze Perioden von lokalen Transmissionen in wärmeren Regionen, wie den Golfküstenstaaten, seien möglich, so Fauci. Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, seien neu auftretende Fälle möglichst rasch zu identifizieren und entsprechende Präventionsmaßnahmen einzuleiten.

 

Eine Diagnose ist allerdings besonders in Regionen schwierig, in denen Gelbfieber nicht endemisch ist. Die Erkrankung beginnt in der Regel nach einer Inkubationszeit von drei bis sechs Tagen mit unspezifischen Symptomen. Darauf folgt eine Phase mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Myalgien, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und einer relativen Bradykardie. Danach gehen die klinischen Symptome allmählich zurück, die meisten Patienten genesen vollständig. Bei etwa 15 Prozent der Erkrankten schließt sich jedoch eine sogenannte toxische Phase an, die mit hohem Fieber, Hämorrhagien, Bradykardie und Leberfunktionsstörung und daraus resultierender Gelbsucht einhergeht. Der Gelbfieber-Erreger sei das gefährlichste von Mücken übertragene Virus, das auf den amerikanischen Kontinenten bislang zirkuliert, heißt es in dem Artikel.

 

Impfstoffreserven sind begrenzt

 

Die effektivste Maßnahme der Eindämmung ist eine großflächige Impfung. Gegen den Erreger existiert seit den 1930er-Jahren eine Vakzine, die eine lebenslange Immunität hervorruft und eine Effektivität von 99 Prozent besitzt. Doch die weltweiten Reserven sind begrenzt. Beim letzten großen Gelbfieber-Ausbruch in Angola und der Demokratischen Republik Kongo, der Ende 2015 begonnen hatte, war der Notfallvorrat rasch erschöpft.

 

Um in den Ausbruchsgebieten möglichst viele Menschen impfen zu können, ist man in Brasilien teilweise dazu übergegangen, Impfstoffdosen auf jeweils fünf Personen aufzuteilen. Das berichtete Professor Dr. Tomas Jelinek, Leiter des Centrums für Reisemedizin, bei einer Pressekonferenz am Rande der Tourismusbörse ITB in Berlin. Auch bei einem Fünftel der sonst üblichen Dosis seien die Geimpften zwar vor einer Infektion geschützt. »Wie lange die Schutzwirkung anhält, ist aber unbekannt«, so Jelinek. /

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